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20. März 2017

Apropos Frauentag

Frauenpower
Frauenpower nach amerikanischer Art. (Bild: Keystone)

Am 8. März war Internationaler Frauentag. Ich habe in den Tagen danach oft über die Reaktionen dazu nachgedacht und gemerkt: Noch immer macht das Wort Feminismus einigen Menschen Angst.

Es sind Menschen, die nicht begriffen haben, dass alle von der Gleichstellung profitieren. Zum Beispiel Buben, die gehänselt werden, wenn sie weinen. Jungs, die in der Pubertät einen enormen Druck verspüren, den Vorstellungen von «Männlichkeit» zu entsprechen. Männer, die jahrelang Unterhaltszahlungen leisten müssen. Oder Väter, die das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren.

Der Vorwurf also, es richte sich gegen die Männer, wenn man sich für ausgeglichene Geschlechterverhältnisse einsetze, ist etwa so absurd wie die Behauptung, dass man etwas gegen die Schweiz habe, wenn man sich für Asylsuchende einsetzt. Oder dass man Weissen feindlich gesinnt sei, wenn man #BlackLivesMatter teilt.

Diese Schlussfolgerung wird jedoch seit Jahrzehnten gezogen. Und das ist ein Problem. Weil wir mit der Diskussion keinen Schritt weiterkommen und deshalb immer und immer wieder von vorn anfangen müssen.

Fakt ist aber: Man erreicht keine Gleichheit, wenn man die benachteiligten Gruppen nicht pusht. Und solange diese Sensibilisierung nicht stattfindet, braucht es mehr Expertinnen an Podiumsdiskussionen, mehr Musikerinnen auf Bühnen, mehr Chefinnen in der Teppichetage.
Weil alles andere eine klare Botschaft vermittelt: Dort oben gehört Frau nicht hin. Dort gehöre ich nicht hin. 

Autor: Anne-Sophie Keller