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04. Dezember 2015

Apple TV im Test

Apple will das Fernsehen revolutionieren. In Schweizer Wohnzimmern kommt dieses Erlebnis vorerst nicht vollständig an, aber das grosse Potenzial von Apple TV ist augenscheinlich.

Apple TV Test
Apple TV schöpft sein grosses Potential noch nicht aus.

Wer hat Angst vor dem schwarzen Kistli? Reissaus nehmen muss derzeit sicher niemand, aber Apple TV kann langfristig durchaus zur Bedrohung für etablierte Firmen wie UPC Cablecom oder Swisscom werden.

Das Gerät von der Grösse eines durchschnittlichen Portemonnaies wird per HDMI-Kabel an den Fernseher gestöpselt und ist schnell betriebsbereit. Zur Konfiguration nötige Informationen wie zum Beispiel das WLAN-Passwort des Haushalts oder die persönliche Apple-ID werden drahtlos vom iPhone übertragen – eine elegante Lösung.

Zur Steuerung dient die schlichte Fernbedienung. Weil sich am oberen Ende ein intuitiv zu bedienendes Touchpad befindet, genügen wenige physische Knöpfe, die unter anderem zur Lautstärkeregelung und zum Aufruf des Menüs dienen. Die Bedienung klappt so lange prima, bis die Eingabe von Text erforderlich wird.

Dieses Hindernis beseitigt Apple theoretisch durch die Sprachassistentin Siri – praktisch ist diese in der Schweiz aber (noch) nicht verfügbar. Hierzulande bleibt einem also leider nichts anderes übrig, als auf einer virtuellen Tastatur am Fernsehbildschirm Buchstabe um Buchstabe auszuwählen, bis das gewünschte Wort komplett ist.

Apps sind das Herzstück von Apple TV

Apple stellt von Haus aus eine Videothek (iTunes Movies) und Musikdownloads (Apple Music) zur Verfügung. Darüber hinaus lassen sich Fotos aus dem iCloud-Fotostream anzeigen. Herzstück von Apple TV ist jedoch der App-Store, obwohl das Angebot derzeit noch bei Weitem nicht mit dem von iPhone oder iPad verglichen werden kann – weder qualitativ noch quantitativ.

Derzeit finden sich etwa eine Youtube-App, Netflix, ein paar Spiele, die mit der erwähnten Fernbedienung gespielt werden können, Mediatheken von Arte und ZDF sowie TV-Apps von Teleboy und Zattoo. Bei Letzteren fehlt jedoch die Möglichkeit zum zeitversetzten Fernsehen oder der Zugriff auf Aufnahmen. Erschwerend zur relativ dünnen App-Auswahl kommt also oft ein schmaler Funktionsumfang hinzu.

Aber sofern App-Anbieter in Programmen fürs Fernsehen dasselbe Potenzial wie bei Smartphones und Tablets erkennen und die zahlreichen Lücken schliessen, wird Apple TV zur Multimediazentrale im Haushalt. Denn langfristig können Apps die Set-Top-Boxen von Swisscom und UPC Cablecom ersetzen und zumindest bei Gelegenheitsspielern eine Konsole wie die Wii U vergessen machen.

Fazit: Apple TV ist von Apps abhängig

Obwohl Apple TV punkto Bildqualität nicht in der allerhöchsten Liga spielt – die Unterstützung von 4K-Auflösung wird wohl für die nächste Generation aufgespart –, besitzt das 169 (mit 32-GB-) oder 229 (mit 64-GB-Speicher) Franken teure Gerät grosses Potenzial. Ob das ausgeschöpft wird, liegt allerdings nicht in der Hand von Apple, sondern in jener der App-Entwickler.

Autor: Reto Vogt