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13. Oktober 2014

Angepisst!

Waterloo im Gartenbeet: Die «Bohne, Bluescht & Berger»-Autorin wird von einer Armee von Ameisen in die Flucht geschlagen.

Rote Ameise
Ein Winzling zwar, aber wehe, der pisst los!

Mit was für Kreucher und Fleucher habe ich nicht schon gerungen in meinem Gartenparadies. Die einen habe ich diszipliniert, indem ich sie eingeseift (Blattlaus-Sit-in im Bohnenspalier) oder abgesammelt (Kartoffelkäfer am Erdöpfelkraut) habe. Anderen habe ich den Tarif durchgegeben, indem ich mir Sohnemanns Wasserpistole geschnappt (sch... Katzen im Gemüsebeet), zur biologischen Giftspritze (Zünsler auf der Buchsbaumkugel) oder zur Schere (Angriff der FKK-Schnecken) gegriffen habe. Und immer war ich die, die schlussendlich den Sieg davontrug, wenn auch oft auf den letzten Drücker respektive mit dem letzten Schnitt.

Nun aber scheine ich meinen Meister gefunden zu haben, und zwar in Form von winzig kleinen Ameisen. Fragt mich bitte nicht, von welcher Sorte, sie sahen aus, wie winzig kleine Ameisen halt so aussehen. Was viel wichtiger ist, ist das, was sie taten, nämlich zu pissen: erst auf meine Füsse (okay, man jätet auch nicht in Crocs), dann auf die Hände und Arme, als ich begann, sie fluchend aus meinen Crocs zu pflücken.

Vielleicht haben sie mich auch nicht wirklich angepisst, sondern gebissen, das wiederum würde davon abhängen, welche Sorte es war. So oder so bin ich jetzt angepisst. Denn erstens brennt das, was dieser Winzlingstrupp da mit mir veranstaltet hat, auch drei Tage danach noch wie Feuer. Und zweitens kann es doch nicht sein, dass es dieser Miniarmee tatsächlich gelungen sein soll, dass ich seither einen grossen Bogen um mein eigenes Blumenbeet mache.

Und bevor Ihr jetzt damit kommt, dass Ihr an der Ameisen Stelle ebenfalls losgebrünzelt oder gebissen hättet, wenn so eine Riesin überfallsartig in Eure Dschungel eingefallen wäre (denn als das könnte man besagtes Blumenbeet zugegebenermassen auch bezeichnen, und zwar nicht nur aus Ameisenoptik). Ja, ja, alles geschenkt. Aber muss man deswegen gleich zur chemischen Säurekeule greifen, mit der andere ihre WCs von Urinstein zu befreien pflegen und die sicherlich gegen jedes wie auch immer geartete C-Waffen-Abkommen verstösst?

Und so leck ich jetzt meine Wunden zweifach: ein Mal im sprichwörtlichen Sinn und ein Mal ganz konkret – Spucke hilft nämlich gegen das elende Jucken. Und die Ameisen im Blumenbeet? Die tun noch immer das, was Ameisen so zu tun pflegen. Und weil ich keine Masochistin bin, lasse ich sie das auch tun. Denn erstens gibts im «Bohnebluescht»-Garten noch genügend andere Beete zu jäten. Und zweitens wird mir schon bald der erste Frost in die Hände spielen: Und während ihr kleinen Pisser dann tief unter der Erde von eurem grossen Sieg träumt, werde ich oben roden, jäten, häckerle. Und im nächsten Gartenjahr, da will ich Revanche!

Seid Ihr auch schon von Ameisen ausgeknockt worden?Vielleicht habt Ihr ja eine Idee, wie man die kleinen Pisser möglichst freundlich aus dem Gartenbeet komplimentiert? Schreibt einen Kommentar, oder erstellt eineneigenen Artikel inklusive Fotos (Infos zu beidem siehe oben rechts).

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger