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09. Dezember 2013

Andere Länder, andere (Namens-)Sitten

Den Nachnamen eines Kindes festzulegen, ist schon in der Schweiz kompliziert genug. Ein Blick über die Grenze zeigt jedoch, dass es in andere Ländern zum Teil noch viel schlimmer ist.

Nachnamen werden nicht in jedem Land gleich weitervererbt
Nachnamen werden nicht in jedem Land gleich weitervererbt (Bild: Keystone).

Luxemburg

Das Kind erhält, unabhängig davon, ob die Eltern miteinander verheiratet sind, den Familiennamen des Vaters oder den Familiennamen der Mutter oder den Namen beider Elternteile in frei bestimmter Reihenfolge ohne Bindestrich. Hat ein Elternteil selbst einen Doppelnamen, so kann er davon nur einen Bestandteil weitergeben. Die Wahl dieses Namenbestandteils und der Reihenfolge obliegt den Eltern. Erfolgt keine Einigung, trägt das Kind den ersten Namen des Vaters und den ersten Namen der Mutter in der Reihenfolge, die der Standesbeamte durch das Los bestimmt.

Spanien

Beide Ehepartner behalten ihren vollständigen Nachnamen, der sich jeweils aus zwei Teilen zusammensetzt. Die Kinder wiederum erhalten als ersten Teil ihres Nachnamens den ersten Teil des Nachnamens ihres Vaters, als zweiten Teil den ersten Teil des Nachnamens ihrer Mutter. Heisst der Vater Juan Diaz Garcia und die Mutter Maria Fernandez Alvarez, heisst das Kind mit Nachnamen Diaz Fernandez, es sei denn, die Eltern beantragen eine Umkehrung der Reihenfolge. Mit Volljährigkeit kann das Kind seinerseits eine Umstellung der Reihung verlangen.

Island

Das isländische Recht kennt im Allgemeinen keine Familiennamen. Der Nachname des Kinds wird aus dem Vornamen des Vaters gebildet. Heisst der Vater Johann Sveinsson, heisst der Sohn mit Nachnamen Johansson, die Tochter Johannsdottir (also Johanns Tochter). Ist der Vater unbekannt oder sind die Eltern geschieden, kann der Vorname der Mutter mit der entsprechenden Endung als Nachname verwendet werden.

Skandinavien

Schweden und Norwegen haben in den vergangenen Jahren das Namensrecht gelockert. Hintergrund sind die unzähligen Nachnamen, die auf «son» und «sen» enden. Von den Behörden genehmigt wird alles, was nicht anstosserregend ist oder vom Namensrecht geschützt wird, also auch «Mondtroll», «Tarzan» oder «Metallica». In Norwegen wurde selbst der Name «Colaautomat» bewilligt. In Schweden können sich Männer seit 2009 zusätzlich zu ihrem ursprünglichen Vornamen einen Frauennamen zulegen respektive Frauen einen Männernamen. Ein schwedischer Transvestit, der mit zweitem Vornamen unbedingt Madeleine heissen wollte, erstritt sich dieses Recht vor dem höchsten Gericht für zivilrechtliche Fragen.

England und Wales

Basierend auf dem Common Law können in England Vor- wie Nachnamen mit Erreichen der Volljährigkeit frei gewählt werden. Dazu reicht rein rechtlich gesehen die Benutzung eines neues Namens, wobei aber die meisten Behörden, Banken und Arbeitgeber ein rechtlich bindendes Dokument verlangen. Grundsätzlich besteht keine Beschränkung, welcher Name gewählt wird. Ein «Luke Skywalker» und «Superman» ist also genauso möglich wie eine «Hermine Granger» oder «Her Majesty The Queen».

China

Ein Kind erhält bei der Geburt den gemeinsamen Familiennamen seiner Eltern. Führen diese keinen gemeinsamen Familiennamen, was sehr häufig ist, erhält das Kind wahlweise den Familiennamen des Vaters oder der Mutter. Da die einheitliche Namensführung von Geschwistern nicht zu beachten ist, ist es möglich, dass Zwillinge verschiedene Familiennamen tragen – der eine den der Mutter, der andere den des Vaters.

Niger

Ein Kind erhält, unabhängig davon, ob die Eltern verheiratet sind oder nicht, den Vornamen des Vaters als Familiennamen.

Autor: Almut Berger