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26. September 2016

An der Stange

Pole Dancing
Nein, das ist definitiv kein Feuerwehrmann. Trotz Stange. (Bild: GettyImages)

Mütter sind wunderbare Ratgeberinnen. Meine empfahl mir neulich, ich solle mich mal wieder so richtig schön machen. Für meinen Mann, wohlgemerkt. Auweia! Es scheint, als sei mir vor lauter Kindererziehen und Karrieremachen der letzte Rest an Anmut abhanden gekommen.

Mann
Mann

Geht ja gar nicht. Deswegen werde ich in den nächsten Wochen alles daran setzen, wieder sexy zu werden. Herr Leinenbach weiss zwar noch nichts von seinem Glück, aber der wird schon sehen.

In einem Frauenheftli habe ich die ultimative Inspiration für mein kleines Projekt gefunden: Pole Dancing, also Turnen an einer senkrechten Stange. Vergessen Sie jetzt mal bitte das Rotlicht und die Zuhälter. Leute, das ist ein ernsthafter Sport. Angeblich verbrennt man beim Stangengehangel mehr Kalorien als beim Ironman auf Hawai.

Das ist nicht verwunderlich, denn die Tänzerinnen rutschen an dem Ding nicht nur – ­quiiiiietsch! – runter (so einfach haben es nur die Jungs von der Feuerwehr). Nein, echte Stangenturnerinnen müssen ihr Gewicht immer wieder auf zwei Meter hochwuchten, müssen dort oben Vertikalspagate machen und Pirouetten drehen. Mit etwas Übung sieht das Ganze angeblich lasziv und verführerisch aus. Wenn man die richtige Ausrüstung hat (Helm, Knieschoner, Handschuhe), soll es sogar Spass machen. Habe ich jedenfalls gelesen. Obwohl ich befürchte, dass es bei mir anfangs eher so aussehen wird, als würde ein Faultier an der Stange abhängen …

Halt! Bevor Sie mir jetzt einen bösen Brief schreiben und mir vorwerfen, ich würde die Ideen der Emanzipation quasi an der Stange aufknüpfen – es war ein Witz. Ich würde mir nie so einen Pfosten ins ­Schlafzimmer stellen. Das hat zum einen technische Gründe. Nur Idioten bohren Schrauben ins Parkett, wenn darunter eine Fussbodenheizung verläuft. Ausserdem glaube ich kaum, dass mich Pole Dancing sexier machen würde. Höchstens alberner. Aber albern bin ich auch schon ohne Stange.

Und genau da liegt möglicherweise die Lösung meines Dilemmas. Es gibt viele Wege, attraktiv, anmutig und schön zu bleiben. Sich zum Affen (oder zum Faultier) machen gehört aber, glaube ich, nicht dazu. Ausgezeichnet funktionieren hingegen diese Sachen: sich selbst nicht zu ernst nehmen, weniger verbissen an die Dinge herangehen und vor allem akzeptieren, dass der Lack ab ist. Innen ist glücklicherweise alles beim Alten geblieben. Ist doch schön.