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23. Februar 2015

Am Kap der Gegensätze

Atemberaubende Naturschauplätze und eine bewegte Vergangenheit: Südafrika ist ein Land der Gegensätze – und gerade deshalb ein begehrtes Reiseziel. Ein Besuch 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid.

Leuchtturm am Kap der Guten Hoffnung
Der zähe Aufstieg auf den Leuchtturm am Kap der Guten Hoffnung lohnt sich: Die Aussicht ist schlicht umwerfend.
Mit dem Osterhasen nach Südafrika
Mit dem Osterhasen nach Südafrika

«Hier bin ich geboren», sagt Shereen selbstbewusst und zeigt auf eines der typischen, leuchtend-bunten Reihenhäuschen des Bo-Kaap-Viertels in Kapstadt. «Hier lebe ich noch heute, und hier will ich etwas für die Leute tun», fährt sie nicht ohne Stolz weiter.
Shereen ist Reiseführerin und begleitet ihre Gruppe auf der Cape Malay Cooking Tour durch Kapstadt. Zuerst gehts ins Museum, zwei Steinwürfe von Shereens Geburtshaus entfernt. Denn sie will ihren Gästen nicht nur das heutige Südafrika zeigen, sondern ihnen auch eine Vorstellung vermitteln, wie sie war, ihre Welt bis vor 20 Jahren: sortiert und getrennt nach Hautfarben. Die Schwarz-weiss-Fotos in den Vitrinen erzählen von der Armut, der Sklaverei, der Rassentrennung. Der schwarze Stein, der im Boden ein gelassen ist, wurde auf der Gefängnisinsel Robben Island, die eine Bootsstunde entfernt vor der Küste Kapstadts liegt, von Sträflingen abgebaut.

Tafelberg auf 1000 Meter Höhe
Ein Berg, zwei Blickwinkel: Vom Tafelberg auf 1000 Meter Höhe hat man eine herrliche Aussicht auf Kapstadt und Robben Island (oben).

Die Zahl der Schweizer Touristen hat sich verdoppelt
Südafrika ist ein Land, das viele Menschen nie im Leben bereisen würden. Früher wegen des Apartheid-Regimes, das man politisch und humanitär für inakzeptabel hielt und mit seinen Ferienfranken auf keinen Fall unterstützen wollte. Heute, 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid, ist Sicherheit das Thema. Das Risiko, beraubt zu werden, ist in den letzten Jahren gestiegen. Und trotzdem fährt man hin. Denn Südafrika hat vom Krügerpark bis zum Tafelberg viele atemberaubende Naturschauplätze zu bieten. Und die wollen immer mehr Besucher aus aller Welt sehen. Allein die Zahl der Schweizer Touristen hat sich in den letzten fünf Jahren auf rund 60 000 verdoppelt. Zum Mittagessen macht die Reisegruppe halt bei Gigi. Sie wohnt mit Mann und zwei Söhnen in einem hellblauen Häuschen und hat alles für den Crashkurs in heimischer Küche vorbereitet.

Reiseführerin Shereen im Gewürzladen Atlas
Reiseführerin Shereen im Gewürzladen Atlas in Bo Kaap, wo indische Gewürze, Dörr- und Hülsenfrüchte verkauft werden.

Liebevoll demonstriert sie ihren Besuchern, wie Samosas übers Eck gefüllt und gebacken werden, mischt Currys und serviert einen Festschmaus in der kleinen Stube. Obwohl Südafrika der Wirtschaftsmotor des Kontinents ist, läufts für die meisten schlecht. Die jungen Weissen wandern aus, weil sie zwar Bildung, aber keine Aussicht haben. Die jungen Schwarzen haben eh kaum Chancen. Zwar kam bei den Wahlen 2014 die erste Generation an die Urne, welche die Apartheid nur noch aus den Geschichtsbüchern erfahren hat. Doch die Spuren der über 100 Jahre anhaltenden Trennung sind nach wie vor spür- und sichtbar. Die Cape Malay Cooking Tour von Reiseführerin Shereen jedoch führt Fremde zusammen. Das ist ganz im Sinne des guten Images, das Kapstadt pflegen will. Der Besucher soll neben den Naturschönheiten der Stadt auch Geschichten von Begegnungen mitnehmen können. Und ein Gefühl für die Regenbogen nation erhalten, dass gleich berechtigtes Miteinander vielleicht einmal möglich ist – in einer der am schönsten gelegenen Städte der Welt.

www.bokaapcookingtour.co.za

WAS SIE ALLES WISSEN MÜSSEN

Anreise: Das Beste für die Reise gleich vorneweg: Einen Jetlag gibts nicht, Südafrika liegt in unserer Zeitzone, da steckt man die Strapazen eines Fernflugs leichter weg. Edelweiss fliegt von November bis März drei Mal in der Woche (Mo., Di. und Mi.) von Zürich nach Kapstadt. Swiss täglich von Zürich nach Johannesburg. Angebote für Individualtouristen mit Stadtführungen, Kochkursen, Rundreisen sind auch direkt beim Südafrikaspezialisten Travelhouse zu buchen, der zu dieser Reise einlud. www.travelhouse.ch
www.edelweissair.ch
www.swiss.com Beste Reisezeit: Die Kapregion hat das ganze Jahr über ein mildes Küstenklima: von Dezember bis Januar bis 25 Grad, und in den Wintermonaten Mai bis September bis 20 Grad.

Sicherheit: Auf eigene Faust zu reisen, ist mit grosser Vorsicht zu geniessen. Bewegt man sich ausserhalb touristischer Zonen und ohne Führer, ist permanente Wachsamkeit empfohlen. Auf www.eda.admin.ch unter «Reisehinweise» lässt sich die aktuelle Sicherheitslage abfragen.

Übernachten in Kapstadt:The Table Bay. Grandioses Fünf-Sterne-Hotel mit einem gefühlt 100 Meter langen Frühstücksbuffet, Zimmer ab Fr. 285.–. www.thetablebay.co.za African Pride Hotel. Mit Blick aus der Badewanne auf den Tafelberg , Zimmer ab Fr. 100.–. www.africanpridehotels.com/15onorange

AUSFLUGSTIPPS

Wandern im Nationalpark Table Mountain
Wandern im Nationalpark Table Mountain.

Wandern: Die Millionenstadt liegt am Rande des riesigen Nationalparks Table Mountain, der die ganze Südspitze bis zum Kap der Guten Hoffnung umfasst (Bild). Unzählige Wanderrouten queren den 22 000 Hektar grossen Park für Wanderer aller Stärken. Die Routen am und auf den Tafelberg bieten atemberaubende Ausblicke auf Kapstadt.
Infos zu allen südafrikanischen Nationalparks unter www.sanparks.org

Biken: Die Stadt, die ganze Umgebung und die Strecke zum Kap der Guten Hoffnung sind bestens für alle Velofahrer ausgerüstet. Spektakuläre Küstenrouten (Camps Bay nach Hout Bay), Touren durch Weinbaugebiete, Singletrails, über Wurzelpisten und für weniger Ambitionierte gibts die «Lazy Tours». Auch durch die Stadt zu strampeln, hat seinen Reiz: vorbei an der City Hall, wo Nelson Mandela seine erste Rede in Freiheit hielt, oder den Küstenstrassen entlang mit diesem würzigen Wind in der Nase und dem umwerfend blauen Himmel über dem Kopf.
Infos zu Miete und Touren zum Beispiel unter www.africanbikers.com

Tafelberg: Eine Schweizer Luftseilbahn kabine bringt die zahlreichen Besucher hinauf. Es empfiehlt sich, bei freier Sicht frühmorgens hinaufzufahren. Auf dem riesigen Plateau sind diverse Rundwege markiert, die durch die artenreiche Kapflora führen und auf jedem Meter spektakuläre Ausblicke auf die Tafelbergausläufer und Robben Island bietet.

Robben Island: In einer einstündigen Bootsfahrt gelangt man von der Waterfront in Kapstadt nach Robben Island, wo Nelson Mandela 18 Jahre in Haft war. Die Insel ist heute ein Museum. Die Bootsfahrt kann zusammen mit einer Tour über die Insel gebucht werden, die einen Blick in Mandelas Zelle gewährt (250 Rand).
Alles über Robben Island unter www.robben-island.org.za

Autor: Gerda Portner

Fotograf: Gerda Portner