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17. Mai 2016

Altersvorsorge unter Druck

Die AHV-Rente könnte per 2017 zum ersten Mal sinken. Grund dafür ist die tiefe Teuerung.

Aktuell beträgt die AHV-Maximalrente 2350 Franken im Monat. Wie sich die Renten entwickeln, hängt je zur Hälfte von der Teuerung und der Lohnentwicklung ab.
Aktuell beträgt die AHV-Maximalrente 2350 Franken im Monat. Wie sich die Renten entwickeln, hängt je zur Hälfte von der Teuerung und der Lohnentwicklung ab. (Daten: BSV)

Die Altersvorsorge ist unter Druck. Im nächsten Jahr droht uns erstmals eine Abnahme der AHV-Renten. Schuld ist der Mischindex, der seit 1980 für die Höhe der Renten massgebend ist. Dieser Index berücksichtigt je zur Hälfte die Teuerung sowie die Entwicklung der Nominallöhne (siehe oben). Alle zwei Jahre werden daraus die Minimal- und Maximalrenten der AHV berechnet.

Aufgrund der tiefen Teuerung müsste die Maximalrente per 2017 von 2350 auf 2340 Franken im Monat sinken, die Minimalrente von 1175 auf 1170 Franken. Pro Rentenempfänger ergibt dies einen jährlichen Rückgang zwischen 60 und 120 Franken. Insgesamt würden die Zahlungen der AHV und IV dadurch um gut 200 Millionen Franken im Jahr schrumpfen. An die AHV-Renten gekoppelt sind zudem etliche Leistungen in der zweiten und dritten Säule. Der maximale Lohn im Obligatorium der beruflichen Vorsorge sowie der zulässige Betrag für Einzahlungen in die Säule 3a würden ebenfalls abnehmen.

Ob die Renten 2017 wirklich sinken, entscheidet der Bundesrat auf Antrag der AHV/IV-Kommission. Er könnte den Mischindex neu festlegen, wobei er bisher noch nie zu diesem Mittel gegriffen hat. Der Entscheid fällt in einem politisch heiklen Moment. Im September steht die Volksinitiative «AHVplus» der Gewerkschaften zur Abstimmung, die die Renten generell um 10 Prozent erhöhen will.

Falls der Bundesrat am heutigen Mischindex festhält und sich für eine Rentensenkung ausspricht, könnte er die defizitäre AHV entlasten. Womöglich wird die Regierung bei ihrem Entscheid auch berücksichtigen, dass die AHV-Renten in den letzten zehn Jahren immer zu hoch angesetzt waren. Die AHV/IV-Kommission stützt sich bei der Rentenfestlegung nämlich auf Prognosen zur Teuerung und Lohnentwicklung.

Doch seit 2007 ist die Inflation stets tiefer ausgefallen, als bei der Rentenberechnung jeweils vorausgesagt wurde. Aufgrund dieser Prognosefehler hat die AHV über zehn Jahre insgesamt 2,1 Milliarden Franken mehr ausbezahlt, als dies gemäss Mischindex erforderlich gewesen wäre. Die genaue Berechnung dazu finden Sie im Internet unter blog.migrosbank.ch. Dort finden Sie ausserdem nützliche Tipps zur AHV. Zum Beispiel, wie Sie Ihre künftige Rente abschätzen.

Autor: Albert Steck