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20. August 2012

«Alte Kirchen stehen auf ehemaligen Kultplätzen»

Andrea Fischbacher ist Leiterin der Forschungsstelle Kraftorte Schweiz. Für die Kraftortforscherin ist es kein Zufall, dass die meisten Gotteshäuser sich an Kraftorten befinden. Deren Stärke misst sie mit Ruten und Pendeln.

Andrea Fischbacher
Andrea Fischbacher ist Leiterin der Forschungsstelle Kraftorte Schweiz. (Bild: zVg.)

Andrea Fischbacher, Sie wohnen in Oetwil an der Limmat. Wo befindet sich Ihr persönlicher Kraftort?

Ich habe viele, die je nach Stimmung wechseln. Momentan ist es die Taminaschlucht bei Bad Ragaz. Denn je weiter man dort nach hinten wandert, desto stärkere Kräfte hat es.

Wie messen Sie diese Kräfte?

Mein Mitarbeiter Philippe Elsener, ein Naturenergetiker, und ich messen nicht. Wir testen Schwingungen. Das heisst: Pflanzen, Tiere und Menschen spüren Kräfte, die ein Gerät nicht erfassen kann. Wenn wir also pendeln oder eine Rute in die Hand nehmen, spürt der Körper die Schwingungen, und die Rute zeigt diese mit einem Ausschlag an.

Was machen Sie damit?

Wir arbeiten mit der sogenannten Boviseinheit (BE), einem sich stetig verändernden Beobachtungswert. Deshalb veröffentlichen wir die Zahlen zu unseren Tests nicht. Sie sind abhängig von Mondstand, Wetter, Tageszeit und Temperatur. In diesem grenzwissenschaftlichen Feld bemühen wir uns, so wissenschaftlich wie möglich zu arbeiten. Wir gehen allerdings geisteswissenschaftlich vor und nicht naturwissenschaftlich, denn unsere Testmethode, die nichts mit Esoterik zu tun hat, arbeitet mit Wahrnehmung und Beobachtung.

Welche Boviseinheit ist zum Leben ideal? Das Innere der Kirche von Wassen UR soll beispielsweise 15 500 BE ausweisen.

Meine Wohnung hat zwischen 8000 und 9000 BE. Das passt wunderbar. 15 500 wäre viel zu viel.

Wie äussert sich das für die Menschen?

Wenn Sie an einem Kraftort leben, können Sie nicht oder kaum schlafen.

Weshalb nicht?

Sie werden mit zu viel Energie überladen und fast wahnsinnig.

Wahnsinnig?

Ein Mensch, ein Tier oder eine Pflanze lebt in einer Symbiose mit der Umwelt. Der Körper nimmt Energien vom Boden auf. Wenn er zu viel hat, überlade ich mich. Hat der Boden zu wenig, entzieht er mir Energie, und ich verliere Kraft.

Ihre Stelle leistet Grundlagen- und angewandte Forschung. Welchen Nutzen kann die Gesellschaft daraus ziehen?

Wir werden uns der Wiege unserer Kultur bewusst. Die reformierte Kirche hat beispielsweise plötzlich zu viele Räume und überlegt sich, diese umzunutzen. Wenn man alte Orte neu besetzt, ist das sehr diffizil, weil man auf vorherrschende Energien schauen muss.

Kirchen, Klöster oder Kapellen gelten als besonders starke Kraftorte. Zufall oder bewusst ausgesucht?

In vorchristlicher Zeit wurden Kraftorte bewusst gesucht, weil Schwingungen den Kult unterstützten, denn es ging um Fruchtbarkeit, die das Überleben der Menschen erst garantierte. Man wählte also für den Kult einen Ort aus, der einem das Gefühl gab, den damaligen Gottheiten besonders nah zu sein. In der christlichen Zeit haben die Kirchen die genau gleichen Orte für ihre Zwecke umgenutzt. Deshalb stehen alte Kirchen just auf ehemaligen Kultplätzen.

Es scheint, dass man früher über Kraftorte viel mehr wusste als heute.

Ja, das Wissen über Kraftorte geriet mit der Industrialisierung in Vergessenheit. Die vor zehn Jahren verstorbene Blanche Merz, die Pionierin der Schweizer Kraftorteforschung, hat diese Thematik wiederentdeckt und salonfähig gemacht. Ich habe als damalige Religionswissenschafterin ihre Biografie geschrieben und dabei realisiert, wie nah sich die Themen Kraftorte und Religion sind. Danach setzte ich mich immer tiefer mit der Materie auseinander, bis sie mich gepackt hat.

Buchtipp: «Orte des Staunens – Auftanken an Kraftorten im Heidiland. 15 Wanderungen zu 55 kraftvollen Plätzen in der Ferienregion Heidiland» von Andrea Fischbacher, bei Ex Libris für 19.90 Fr.

Autor: Reto Wild