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26. Oktober 2015

Alles inklusive

Spass im Pool
Spass im Pool, während Eltern auch mal relaxen: Im Kinderhotel haben alle Zwerge ... (Bild: iStockPhoto)

Um eines klarzustellen: Wir buchen niemals All-inclusive-Familienferien. Das wäre unter unserem Niveau. Bettenburg, Büfettfrass, Kinderanimation? Wääh! Nein, wir verreisen lieber individualtouristisch, zelten beispielsweise auf einem Felsplateau, waschen uns und die Kinder im Gebirgsbach und bestimmen (wenns mal ein bisschen langweilig ist) Wildblumen.

Ich kann es mir deshalb nicht erklären, warum es dennoch passiert ist. Warum wir neulich in der Lobby dieses riesigen Kinderhotels standen, um einzuchecken. Fast fünf Sterne, die längste Schwimmbadrutschbahn westlich des Urals, Themenessen rund um die Uhr und so weiter. Voll peinlich. Unsere beiden Kleinen, diese Verräter, wollten sofort auf den hoteleigenen Streichelzoo-Alpakas reiten und die hübschen All-inclusive-Getränkespender benutzen. «Kein Wunder», sagte ich zu Herrn Leinenbach. «aus den Dingern kommt Sprite.» Ida nickte selig ...

Ich könnte Ihnen jetzt erzählen, wie grässlich diese Ferien waren. Dass wir uns quälten, die Tage zählten und alle viel weinen mussten. Stimmt aber nicht. Eigentlich war es ganz okay im All-inclusive-Kinderhotel. Mehr als das. Es war klasse. Und damit meine ich nicht (nur) das Essen, unser Zimmer oder den gigantischen Hotelpool.
Mir war das vorher nicht so klar, aber «all inclusive» heisst vor allem, dass Mami und Papi viel Zeit für Ida und Eva haben, weil sie sich um nichts anderes kümmern müssen. Putzen, waschen, kochen, auftischen, abtischen – das wird alles erledigt. (Ich habe das nicht gegengecheckt, aber ich könnte mir vorstellen, dass man sich sogar vom Personal die Zähne putzen lassen kann – wenn man das denn will.)
Ausserdem ist man in einem Kinderhotel unter seinesgleichen. Alle Gäste haben Zwerge. Heisst: Trotzanfälle, verkleckerte Tischtücher und volle Windeln sind hier die Regel, nicht die Ausnahme. Und wenn die eigene Fünfjährige mit dem Kopf durch die Wand will, gucken die anderen Eltern amüsiert statt pikiert. Das ist der grösste Relaxfaktor. Keine Ahnung, wann wir vier das letzte Mal so viel miteinander geredet und gelacht haben.

Sie müssen es ja nicht gleich weitererzählen, aber wir könnten uns durchaus vorstellen, wieder in so ein Kinderhotel zu fahren. Beim nächsten Mal müsste ich aber vorher ein Wörtchen mit dem Chefanimateur reden. Das Erkennungslied («Ich bin Smiley, dubidu, einfach Smiley, dubidu ...»), will ich beim nächsten Mal nicht mehr hören. Weder vor dem Zmorgen noch vor dem Zmittag und schon gar nicht vor, während oder nach dem Znacht. Ich meine es ernst.

Autor: Bettina Leinenbach