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20. Oktober 2014

Alles Gute kommt von oben

Laub ist viel mehr als nur Fallgut. Die Gartenbloggerin bricht eine Lanze für etwas, das gern auch mal nervt.

Laubblätter

Schreib doch mal was über das verflixte Laub, das grad wieder unseren Teich zumüllt, sagt mein Herzensmann. Schreib doch mal was über das verfluchte Laub, das grad wieder alle Regenrinnen verstopft, sagt meine Nachbarin. Schreib doch mal was über das verdammte Laub, das grad wieder meinen Rasen gammeln lässt, sagt mein Arbeitskollege.

Mach ich gern. Nur wird Euch das, was Ihr hier und jetzt zu lesen bekommt, nicht wirklich gefallen! Ich mag Euer verflixt-verflucht-verdammtes Laub nämlich – sogar sehr: seine Farben, seine Formen, seinen Duft. Im Herbst durch rotgoldene Blätter zu rascheln, katapultiert mich zurück in meine Kindheit, während Laubrechen für mich schon fast etwas Meditatives hat.

Ich mag Euer verflixt-verflucht-verdammtes Laub aber auch aus ganz handfesten Gründen: Laub ist nämlich nicht nur das, was die Bäume im Herbst fallen zu lassen pflegen. Laub ist das, was den Boden – und damit die Basis allen Gärtnerns – in den kommenden Wintermonaten vor Erosion, extremer Kälte, Austrocknung und Verschlämmung schützen wird. Vorausgesetzt natürlich, man lässt es seinen Job tun.

Drum hört auf zu fluchen und transferiert all das Gute, das da von oben kommt, in die Rabatten, unter die Hecken oder auch ins Beet. Dafür spricht auch, dass Laub nicht nur schützt, sondern auch als Dünger funktioniert. Das säurehaltige Eichenlaub beispielsweise eignet sich bestens für Heidelbeeren und Rhododendren, Obstlaub wiederum ist mild und lässt sich daher im Gemüsebeet oder als Dünger für Him- und Erdbeeren verwenden. Und Birkenlaub ist mineralstoffreich und ergibt eine besonders gute Komposterde.

Oder Ihr häufelt es in einer ruhigen Ecke Eures Gartens zu einem grossen Haufen an: Dort drin können dann Eure Igel, Molchis, Schmetterlingslarven, Erdkröten dem nächsten Frühling entgegenträumen. Gerade Letztere sind ja wie die Igel auch grossartige Schneckenvertilger. Wenn das nicht Grund genug ist, ihnen ein gemachtes Bett anzudienen!

Und wer nach alldem noch immer über das verflixt-verflucht-verdammte Laub wettern will, hat es einfach nicht verdient. Okay, im Teich mag ein Zuviel für einen Energieschub und damit für ein verstärktes Algenwachstum sorgen. Man könnte drum auch einfach frühzeitig ein Netz darüber spannen, gell, geliebter Herzensmann. Für Dachrinnen wiederum gibts extra Laubstoppgitter, die mit wenig Aufwand montiert werden können, werte Nachbarin. Und wer nicht so wie ich gern meditativ laubrecht, kann einfach zum Rasenmäher greifen, geschätzter Arbeitskollege. Denn Deinen Rasen, den solltest Du vor Wintereinbruch so oder so nochmals mähen – mit oder ohne Laub.

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger