Archiv
06. Oktober 2014

Alles für die Katz

Floh Kitty im Eva-Flieger
Von wegen vermisst: Floh Kitty im Eva-Flieger? (Bild Getty Images)

Ich fürchte, Hello Kitty hat ein Drogenproblem. Echt jetzt! Das sieht man schon aus zehn Meter Entfernung: Blasser Teint, maskenartige Gesichtszüge, die Pupillen nur stecknadelgross – alles typische Anzeichen für Substanzmissbrauch. Ich persönlich tippe auf Tranquilizer. Denkbar wäre auch Crystal Meth (die «Hauskatzen-Droge»). Heroin ist es eher nicht, dafür sieht Kittys Pelz zu clean aus. Aber glauben Sie mir, diese Katze hat definitiv Sorgen, grosse Sorgen. Ich glaube, ich weiss, wo das Problem liegt: Das asiatische Büsi hat ein Burn-out. Kein Wunder bei dem Pensum. Statt ein bisschen zu schnurren und gelegentlich zu streunen, wie das normale Katzen zu tun pflegen, muss Kitty dauernd ran. Ein Fotoshooting hier, ein hochdotierter Werbeauftrag da. Das Katzenmädchen hat kein Privatleben mehr.
Kein Wunder, dass sich das Büsi illegale Substanzen einwirft. Würde ich an seiner Stelle auch machen. Wenn das Kätzchen aus dem Haus geht, prasselt so viel auf es ein: Kitty-Tasche, Kitty-Parfüm, Kitty-Unterhose, Kitty-Käse, Kitty-Vibratoren. Ja, Sie haben richtig gelesen. Es gab sogar schon einen Dildo mit Hello-Kitty-Widmung («Rrrrrrr») drauf. Und es kommt noch schlimmer. In wenigen Wochen muss die arme Katze auch noch dauernd nonstop von Taipeh aus nach Paris fliegen. Die Airline, die diese Hello-Kitty-Flüge für irre Gewordene anbietet, hat ihre komplette Flotte mit dem Katzenkonterfei versehen lassen. An Board gibts statt des üblichen Frasses nun Katzenfutter. Und aus den Flugzeugkopfhörern erklingt Katzenmusik in Endlosschleife. Mi-aua-aua-aua.

Ich habe ernsthaft überlegt, dem Kätzchen zu helfen. Man könnte den ausgebrannten Stubentiger zum Beispiel entlasten, indem man konsequent auf alles, wo Hello-Kitty drauf oder gar drin ist, verzichtet. Neulich habe ich mein Anliegen mit Eva besprochen. Es ist nicht so, dass sie das Grundproblem nicht verstanden hätte. Hat sie sehr wohl. Aber meine Ansprache war dennoch für die Katz. Das Kind wollte partout nicht einsehen, warum es mit gutem Beispiel vorangehen sollte. Vermutlich kann man das von einer Vierjährigen auch nicht erwarten.

Liebe Kitty, du sollst dennoch wissen, dass ich es versucht habe. Aber ich bin nicht Catwoman. Hätte ich ihre Superkräfte, wäre ich neulich nicht eingeknickt, als meine Zweitgeborene auf Pflästerli mit Katzenmotiv bestand. Sorry! Nun kann ich nur hoffen, dass der Katzenjammer bei dir nicht zu gross ist. Im Zweifelsfall könnte ich dir übrigens noch Opium empfehlen. Das macht herrlich gleichgültig. (Nur für den Fall, dass du mal was Neues ausprobieren willst.) Gut funktionieren auch Zuckerbonbons. Zumindest mir helfen die immer, wenn ich gestresst bin. Ich glaube, es gibt sogar welche mit Hello-Kitty drauf.

Autor: Bettina Leinenbach