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12. März 2012

Alles auf Zucker

Ein Löffelchen in den Kaffee, ein Coci gegen den Durst, ein Bisschen Schoggi für den Gluscht. Süsse Versuchungen locken überall. Aber wie viel Zucker ist gut?

Zuckersüss
Nicht nur Schleckmäuler essen zu viel Zucker: Der Pro-Kopf-Konsum in der Schweiz beträgt 44 Kilo purer Zucker. (Bild: Getty Images/ Laurence Monneret)

Wissen Sie eigentlich, wie viel Zucker Sie jeden Tag schlucken? Ein Beutel in den Kaffee, ein Löffelchen über die Erdbeeren, ein Stück Traubenzucker für den schnellen Energieschub. Das wars? Leider nein! Viele Menschen ahnen nicht, in welchen Nahrungsmitteln überall Zucker versteckt ist. Ein Liter Cola enthält rund 35 Stück Würfelzucker – noch vorstellbar. 180 Gramm Fruchtjoghurt enthalten sieben bis acht Würfelzucker – hoppla! Auch die Schoggi in der Kaffeepause oder der Getreideriegel schlagen kräftig zu Buche.

Mit rund 44 Kilo purem Zucker pro Jahr versüssen sich Schweizerinnen und Schweizer das Leben, hat das Bundesamt für Statistik für das Jahr 2009 berechnet. Darin enthalten sind Zuckersirup und Honig – und Zucker in allen Variationen:

  • Fructose ist der Fruchtzucker
  • Glucose oder Dextrose entspricht dem Traubenzucker
  •  Isoglucose ist ein Mix aus Glucose und Fructose
  • Saccharose heisst der ganz gewöhn­liche Haushaltszucker, der je nach Herkunft in Rohrzucker (aus Zuckerrohr) oder Rübenzucker (aus der Runkelrübe) unterschieden wird
  • Maltrose ist ein unter anderem aus Maisstärke gewonnener Zucker, der zur Herstellung von Alkohol gebraucht wird.

Zucker ist also nicht gleich Zucker. Aber: Unser Organismus braucht lebensnotwendig Zucker, genauer gesagt Glucose. Sie ist der Energielieferant für jede einzelne Zelle im Körper.

Ein gesunder Mensch hat einen geregelten Blutzuckerspiegel. Dafür sorgt die Bauchspeicheldrüse mithilfe der Hormone Insulin und Glucagon. Doch eigentlich kann unser Stoffwechsel Zucker fast von allein herstellen. Er braucht nur etwas Stärke, etwa aus Getreide oder Kartoffeln, ein wenig Speichel - und schon beginnt der Organismus die Stärke in Glucose aufzuspalten.

Stärkehaltige Nahrungsmittel wie Weizen, Reis, Kartoffeln bilden seit Jahrtausenden den Grundpfeiler unserer Ernährung. Es ist aber vergleichsweise neu, dass Zucker (vor allem: Saccharose) leicht erhältlich und regelmässig konsumiert wird.

Gemüse: Warum nicht mal ein Stück rohes Gemüse, etwa eine Karotte, knabbern - oder gekochte Maiskolben? Das sind schmackhafte Alternativen zu Schoggi Biskuit und Riegel. (Bild: Getty Images/Andrew Olney)
Gemüse: Warum nicht mal ein Stück rohes Gemüse, etwa eine Karotte, knabbern - oder gekochte Maiskolben? Das sind schmackhafte Alternativen zu Schoggi Biskuit und Riegel. (Bild: Getty Images/Andrew Olney)
Obst und Vollkorn: Unsere Mütter hatten recht: Als Energie-Snack taugen ein Stück Obst oder eine Schnitte Vollkornbrot, das gibt mehr Energie in Schule und Büro und hält zudem länger satt als eine Zuckerbombe. (Bild: iStockphoto)
Obst und Vollkorn: Unsere Mütter hatten recht: Als Energie-Snack taugen ein Stück Obst oder eine Schnitte Vollkornbrot, das gibt mehr Energie in Schule und Büro und hält zudem länger satt als eine Zuckerbombe. (Bild: iStockphoto)

So hat sich der Zuckerkonsum bei uns in den letzten 150 Jahren auf das Zwanzigfache gesteigert. Mit gefährlichen Auswirkungen auf die Gesundheit: Experten gehen heute davon aus, dass übermässiger Zuckerkonsum eine nicht unbedeutende Rolle als Ursache für Fettleibigkeit (medizinischer Begriff: Adipositas) und den damit verbundenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielt. Tatsache ist zudem auch, dass Zucker eine ursächliche Mitwirkung bei der Entstehung von Zahnkaries hat.

Was kann der Einzelne also tun, um den Zuckerkonsum auf ein gesundes Mass zu senken? Es gibt Ärzte, die von jeglichem Genuss von mit Zucker gesüssten Lebensmitteln abraten. Soweit muss es nicht kommen. Es gibt auch viele Möglichkeiten, den Zucker, insbesondere bei den kleinen Hungerattacken, da und dort zu reduzieren. Es muss ja nicht immer gleich ein Stück Schoggi, ein Süssgetränk oder eine Cremeschnitte sein. Früchte, Dörrobst oder ein Stück rohes Gemüse tuns auch.

Wer ganz sicher gehen will, sollte sich seinen Vitamincocktail aus frischen Früchten selbst pressen. Dann weiss er genau, was in seinem Glas drin steckt. (Bild: iStockphoto/Helder Almeida)
Wer ganz sicher gehen will, sollte sich seinen Vitamincocktail aus frischen Früchten selbst pressen. Dann weiss er genau, was in seinem Glas drin steckt. (Bild: iStockphoto/Helder Almeida)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt übrigens: Wer sich gesund ernähren will, sollte nicht mehr als zehn Prozent seines täglichen Energiebedarfs aus Zucker beziehen. Ein schöner Tipp, der uns Verbraucher ziemlich ratlos zurücklässt. Was heisst das denn konkret? Die WHO-Empfehlung entspricht in etwa 50 g Zucker pro Tag. Folgendes Tagesbeispiel erreicht diese Menge: Ein Glas (200 ml) Orangensaft plus zwei Teelöffel (10 g) Konfitüre plus ein Getreideriegel natural und ein Becher (180 g) Fruchtjoghurt. Ganz auf Zucker zu verzichten braucht man also nicht, um sich gesund zu ernähren!

Übrigens: Um den Zuckerkonsum in den Griff zu bekommen, lohnt sich ein Blick auf die Verpackung eines Lebensmittels. Mittlerweile tragen die meisten Lebensmittel erweiterte Nährwertangaben, die neben dem Gehalt an Nährstoffen pro 100 g auch die Deckung des Tagesbedarfs in Prozenten an Energie, Fett, Salz und auch Zucker angeben. Konkret heisst das: Ein Glas Apfelschorle deckt den Tagesbedarf an Zucker zu fast einem Viertel.

Autor: Dörte Welti