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29. September 2014

Alles auf Anfang

Bettina Leinenbachs Sprössling
Bettina Leinenbachs Sprössling wird zwei Jahre alt: Nein, nicht die Kleine im Bild – wir feiern die 100. «Mamma mia!»-Kolumne!

Ich bin 100. Also nicht 100 Jahre alt (obwohl ich mich manchmal so fühle …). Nein, Sie lesen gerade die 100-ste «Mamma-Mia!»-Kolumne. Tusch! Meine Chefs wünschen sich eine besondere Jubiläumskolumne. Unter uns: Im Prinzip soll ich meine eigene Laudatio schreiben. Glaube ich zumindest. Ja nun , das haben wir schnell: Ich bin nicht nur strahlend schön, nein, ich bin auch wortgewandt, witzig und wahnsinnig schlau. Kurzum, ich bin die geborene Kolumnistin. Nochmals einen Tusch!

Spass beiseite. Fragen wir doch meine Leserinnen und Leser, wie sie das sehen. Ich erinnere mich beispielsweise an die Online-Kommentare einer gewissen «Rosa Roth». Im Prinzip schrieb sie mir zur ersten Kolumne ( Kinderarbeit ) sinngemäss: «Sie sind eine Nervensäge!» (Mein Mann würde ihr sicherlich hin und wieder Recht geben.)
Und «Lena Witz» attestierte mir einst ( «Basteleien des Grauens» ) Lieblosigkeit: «Ich bin enttäuscht, wie Sie über Ihre Kinder schreiben.» Wumm! Dabei hatte ich lediglich gesagt, dass ich die meisten Basteleien der lieben Kleinen einfach nur grauenhaft finde. (Daran hat sich übrigens nach 100 Kolumnen nichts geändert.) Frau Witz, ich träume immer noch von einem Plastiksack (blau, dickwandig, Minimum 120 Liter), mit dem ich durch die Wohnung gehen könnte, um all die gruseligen Basteleien meiner Töchter darin zu versenken.
Unvergessen bleiben auch die vielen Reaktionen auf die Impfkolumne ( Eingeimpft ). Alle Impfkritiker dieser Welt hatten sich auf meiner Blog-Seite vereinigt und produzierten Buchstaben am Fliessband. Das war ein Shitstorm vom Feinsten.

Apropos Scheisse. Wenn ich über eher körperliche Themen schreibe, erhalte ich zuweilen ganz köstliche Kommentare. Als ich darüber sinnierte, wie mühsam es sein kann, dauernd mit den Kindern auf öffentliche Toiletten zu gehen, da die Kleinen garantiert immer und überall müssen ( Ich muss mal ), antwortete mir «Buben Mutter» folgendermassen: «Skifahren und Bislen ist auch so ein tolles Thema. Der Sohnemann kann im Prinzip an jeden Pistenrand brünzeln (wobei er eher gelbe Bilder 'malt', das macht nämlich auch Spass …») – Argh! Ich sehe die Schneekunstwerke vor meinem geistigen Auge. Dort, wo die Schrift endet, dampft der Schnee noch. Liebe Ida, liebe Eva, deswegen sage ich immer: Esst niemals gelben Schnee! NIEMALS!!!

Gut war auch der: Neulich wunderte ich mich in meiner Kolumne darüber, dass (Ehe-)Männer sich gern stundenlang im WC verschanzen ( Wichtige Geschäfte ). «Hans Nötig» legte sogleich eine Beichte ab: «Also mir geht das amix auch so, dass ich mich sitzenderweise zurückziehe und dort auf dem Handy eine Patience löse …» Liebe Frau Nötig, sollten Sie das hier lesen, dann empfehle ich Ihnen, schleunigst die WC-Tür auszuhängen.

Manche Kommentare sind kurz und dennoch unendlich wertvoll für mich. Wenn mir jemand schreibt «Hach, wunderbar!» oder «Saukomisch» oder «Sie haben mich zum Nachdenken gebracht» oder «Sie schreiben mit hinreissendem Witz», bin ich ein bisschen stolz. Darf man doch auch mal sein, oder?
Ich wollte und will, dass meine Texte Sie da draussen an den Bildschirmen für einen kurzen Moment aus dem Alltagstrott reissen. In der Zeit, in der Sie meine «Mamma-Mia!»-Kolumne lesen, sollen Sie lachen können, bis der Arzt kommt. Sie dürfen sich auch ganz fürchterlich aufregen (meinetwegen auch, bis der Arzt kommt). Beides ist total okay. Es gibt nämlich nichts Langweiligeres als mittelmässige Texte, die die Leser einlullen. Das scheint aber bei «Mamma-Mia!» eher selten der Fall zu sein. Hoffe ich zumindest. (Kann es sein, dass ich mich jetzt doch selbst beweihräuchert habe? Ach, was, das würde mir NIE passieren.)
DIE PUBLIKUMSRENNER
1. Die nackte Wahrheit
2. Wichtige Geschäfte
3. Oben ohne! ZUM NACHDENKEN
1. Geboren, um zu sterben
2. Nonna mia!
3. Einschnitte MEINE PERSÖNLICHEN LIEBLINGE
1. In fremden Betten
2. Hauptsache abwaschbar
3. Nervensäge

Autor: Bettina Leinenbach

Fotograf: Gerry Nitsch