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07. April 2014

Aller ungezogener Hühner sind ... vier!

Im «Bohnebluescht»-Garten ist das Federvieh eingezogen. Ungezogenerweise verhält es sich aber nicht tierschutzkonform: Es ignoriert nämlich die extra angebrachten Sitzstangen.

Ei im Eierbecher, geköpft

Wusste ichs doch: Ursprünglich war geplant, dass sich jedes Bohnebluescht-Familienmitglied beim Züchter ein Huhn aussuchen darf. Das wären nach Adam Riese drei. Schliesslich waren es dann aber doch vier Zwerg-Wyandotten, die mit uns vom Berner Seeland ins Zürcher Oberland mitfahren durften: Die schwarze Nana Mouskouri, von meinem Herzensmann nach der griechischen Sängerin benamst, die weisse Idefix (Sohnemann steht zurzeit auf Comics), meine birkenfarbige Muckla, benannt nach den kurligen Wesen aus dem Kinderbuch «Pettersson und Findus». Und schliesslich Pokémon, ein gemäss Züchterterminus blaues Huhn, wobei ich als Laie eher von Grau sprechen würde. Namenspate stand hier ein Videospiel.

Schwarzes Huhn
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Weisses Huhn

Darf ich vorstellen? Nana Mouskouri, schwarz.

Idefix, Bärner Hüehntschi in Weiss.

Braunes Huhn

Blaues Huhn

Muckla ist birkenfarbig.

Pokémon gilt als blaues Huhn. Na ja.

Item: Nun sind die vier Bärner Meitschi also im Zürcher Oberland gelandet und haben sich trotz anfänglicher Dialektschwierigkeiten bestens eingelebt. Da wird gescharrt und gepickt und vorallem gefressen, dass es eine wahre Freude ist. Und, ganz wichtig, schliesslich will ich möglichst rasch ein Return on Investment sehen: Es wird fleissig gelegt, ein erstes Ei bereits auf der Autobahn kurz nach der Autobahnraststätte Würenlos...

Ein Problem habe ich aber trotzdem noch: Unser Federvieh verhält sich nämlich in keiner Art und Weise tierschutzkonform. Hatte mich doch kürzlich das «Eidgenössische Departement des Innern (EDI), Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), Abteilung Tierschutz» in einem Mail darauf aufmerksam gemacht, dass in einem Hühnerstall «...immer mindestens zwei erhöhte Sitzstangen im horizontalen Abstand von 30, bzw. 15 Zentimeter von einer begrenzenden Wand entfernt, einzubauen sind. Die tiefere Sitzstange muss mindestens 50 cm über dem Stallboden angebracht sein. Oberhalb der Sitzstangen muss ebenfalls 50 Zentimeter freie Höhe vorhanden sein.» Was wir selbstredend umgehend umgesetzt haben.

Und was machen unsere vier Meitschi? Lassen die zwei Sitzstangen links respektive oben liegen. Und das selbst in tiefer Nacht, wenn sie gemäss meinem Hühnermanual und ihren Genen möglichst weit oben Schutz vor allfälligen Feinden suchen müssten. Stattdessen übernachten sie zu viert in einem mit Heu ausgepolsterten Legenest. Das mag ja kuschelig tönen, nur ist so ein Legenest gerademal 20 auf 20 Zentimeter gross respektive klein. Schliesslich heissts ja auch Lege- und nicht Liegenest. Wobei: gelegt wird trotzdem, gestern sogar gleich zwei Eier – nachts, bei Hühnervollbesetzung!

Jetzt warte ich täglich auf eine weitere Rüge von der «Abteilung Tierschutz»: wegen Überbele- respektive liegung. Drum werde ich hier auf keinen Fall ein Föteli von den schlafenden Hühnern posten. Schlafende Hühner – äh – Hunde – äh - Behörden soll man ja bekanntlich nicht wecken.

P.S.: Was ich hingegen gemacht habe, ist, Nana, Idefix, Muckla und Pokémon beim Veterinäramt Zürich zu registrieren. Was das für ihren Status heisst, ist mir zwar nicht ganz klar (weiterhin «Bärnerinnen»? Oder bereits Zürcherinnen? Oder doch vielleicht Arbeitstiere mit Saisonnierstatut? – auf jeden Fall keine Sans-Papiers). Womit - wenn schon nicht dem Tierschutz - so doch zumindest der Tierseuchenverordnung Genüge getan wäre.

3-Minuten-Ei auf dem Teller

«En Guete!»

Eier im Grössenvergleich.

Und hier noch ein Grössenvergleich: Links ein «Bohnebluescht»-Ei, rechts eins von der Migros.

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger