Archiv
21. November 2016

Alleinerziehend, aber nicht allein

Armin Stadelmann hat in einem Dok-Film und im Migros-Magazin von seinem Leben als Alleinerziehender erzählt. Seine Situation hat ganz viele bewegt.

Alleinerziehend aber nicht allein
Armin Stadelmann, Matteo (links) und Aaron freuen sich über die vielen schönen Gesten unserer Leserinnen und Leser.

Armin Stadelmann (43) ist überwältigt. Er hatte mit Reaktionen gerechnet auf den «DOK»-Film «Alleinerziehende Väter – Ihr Kampf um Anerkennung» und das Porträt im Migros-Magazin. Dass sie jedoch so zahlreich und so positiv ausfallen würden – das hat ihn «umgehauen».

Beim Migros-Magazin haben sich rund 50 Leserinnen und Leser gemeldet. Einige Väter und Mütter wollten sich mit ihm über seine Situation als Alleinerziehender austauschen, andere sprachen ihre Anerkennung aus für das, was er leistet. Ganz viele meldeten sich, weil sie Armin Stadelmann und seinen Söhnen Matteo (13) und Aaron (8) etwas schenken oder Geld spenden wollten.

Verena Stahl (75) beispielsweise packte Gutscheine und ein Nötli in ein Couvert. Es sei nicht fair, dass alleinerziehende Männer schlechter gestellt seien als alleinerziehende Frauen. «Als ich gelesen habe, dass sich die Familie keinen Eintritt ins Hallenbad leisten kann, tat mir das leid.» Für andere sei das selbstverständlich.

Das hat Marilena Suozzi (34) dazu bewogen, Armin Stadelmann Gutscheine fürs Hallenbad zu schenken. Sie ist Mutter zweier kleiner Kinder und sagt: «Was Armin Stadelmann alles ganz allein leistet, das hat mich beeindruckt.» Das er dennoch am Existenzminimum lebe, befremde sie. Mit ihrem Geschenk möchte sie ihm einen schönen Nachmittag mit seinen Söhnen ermöglichen - und ihm Mut machen.

Anneliese Föhn (80) hat drei Enkel im Alter von Armin Stadelmanns Söhnen und weiss, wie viel Kinder kosten. Dass für die Familie vieles finanziell nicht drin liege und man den Vater erst noch zwingen wolle, mehr zu arbeiten – das hat sie empört. Als Rentnerin könne sie gut mit ihrer AHV leben, und so hat sie Armin Stadelmann ein Kärtli geschrieben und 100 Franken dazugelegt. «Ich bewundere ihn, wie er das macht.»

Armin Stadelmann und seine Söhne Matteo und Aaron sind ein gutes Team.

Nebst Geldspenden hat Armin Stadelmann auch viele Naturalien geschenkt bekommen: Drei Leute haben ihm angeboten, in ihrem Ferienhaus gratis zu wohnen. Eine ältere Dame will ihm ihr Sofa schenken. Ein Herr vermacht ihm einen Geschirrspüler. Viele Eltern möchten ihm Kleider schenken, die ihren Kindern zu klein geworden sind. Ein Tagespass zum Skifahren lag auch in der Post.

Eine Frau hat Armin Stadelmann angerufen und gesagt: «Ich möchte Ihnen etwas Gutes tun, aber ich habe selber auch wenig Geld. Ich melde mich wieder.» In der Zwischenzeit habe sie einen Aufruf auf Facebook gepostet und ganz viele Bekannte mobilisiert, die alle ein Geschenk für einen Adventskalender spenden werden.

«Das alles geht mir so ans Herz», sagt Armin Stadelmann. «Wow, sind diese Leute cool!» Die vielen schönen Rückmeldungen bestätigen ihm, dass es richtig war, sich mit seinen Söhnen porträtieren zu lassen. «Unsere Situation ist, wie sie ist», sagt er. «Mein Ziel ist es, dass meine Söhne eines Tages die Chance haben, gute Väter zu sein.» Sollten sie sich in 20 Jahren in einer ähnlichen Situation wiederfinden wie er, seien sie hoffentlich keine Exoten mehr.

Autor: Monica Müller

Fotograf: Herbert Zimmermann