Archiv
11. Juli 2016

Aigle fördert den Chasselas

Generalsekretär Claude-Alain Mayor (66), einstiger Gymnasiallehrer und Vizedirektor der Lausanner Hochschule für Gestaltung und Kunst, organisierte mit dem Mondial du Chasselas Ende Juni den wichtigsten Anlass für die Vereinigung zur Förderung des Chasselas. Sie wurde 2010 in Aigle gegründet, um die Traubensorte zu fördern und zu erhalten. Das Interview und die Testtipps von Reiseexperte Reto Wild.

Rund um Aigle dehnen sich die Rebberge aus.
Rund um Aigle dehnen sich die Rebberge aus.
Schloss Aigle, Mondial du Chasselas
Am Samstag findet sich das Publikum im Schloss Aigle zur Degustation ein. Im Angebot stehen auch Chasselas mit älteren Jahrgängen.

Das Waadtland setzt sich aus rund einem halben Dutzend Weinregionen zusammen, wobei Féchy in La Côte sowie Epesses und Dézaley im Lavaux (Unesco-Weltkulturerbe) am bekanntesten sind. Rund zwei Drittel aller Waadtländer Rebberge sind mit dem mineralischen Chasselas bepflanzt. Die Veranstaltung Mondial du Chasselas im Schloss Aigle ist die beste Gelegenheit, die oft unterschätzte Traubensorte kennen zu lernen. Und dazu ein Übernachtungstipp: Auberge de la Couronne in Yvorne VD.

Folgende Chasselas haben den Autor überzeugt:

- Instant Magique 2013, Gregor Kuonen, Salgesch VS
- Morges Vieilles Vignes 2015
- Cure d’Attalens Grand Cru Chardonne 2015, Obrist Vevey VD
- Féchy R Les Curzilles 2015
- Le Petit Versailles Grand Cru Calamin 2015, Les Frères Dubois, Dézaley VD
- Dézaley 2009, Marsens de la Tour Vase 4, Les Frères Dubois, Dézaley VD
- Les Embleyres Dézaley Grand Cru 2009 von Raymond Chappuis

Dessertweine
- Blanc de Glace Vin Doux Barrique 2014, Gregor Kuonen, Salgesch VS
- Auggener Schaf Eiswein 2014, Baden/Deutschland

«Es ist eine elegante Traubensorte»

Claude-Alain Mayor
Claude-Alain Mayor ist Generalsekretär der Vereinigung zur Förderung des Chasselas (Bild: zvg).

Claude-Alain Mayor, Ende Juni fand zum fünften Mal der Mondial du Chasselas in Aigle VD statt. Wieso braucht es einen Anlass für die Rebsorte?
Wir dachten schon in den 1990er Jahren, dass wir etwas für die Rebsorte machen sollten. Doch uns kamen der Mondial des Pinots und der Mondial du Merlot zuvor. 2012 feierte dann die Vereinigung zur Förderung des Chasselas Premiere mit unserem Mondial, um den Bekanntheitsgrad zu steigern und diese spannende Traubensorte zu erhalten. Damals wären wir froh gewesen, wenn 300 Weine sich dem Wettbewerb gestellt hätten. Doch im ersten Jahr waren es 625. Ein voller Erfolg!
Wie viele waren es dieses Jahr?
763 Chasselas, wobei die grosse Mehrheit aus der Schweiz stammt. Dazu kamen einige Weine aus dem süddeutschen Markgräflerland sowie Chasselas aus dem Elsass, der Loire und aus Savoyen. Ein paar Vertreter hatten wir mit Weinen von Winzern aus Nordamerika. Dahinter stehen ausschliesslich Auswanderer aus der Schweiz.
Was war bei der diesjährigen Austragung speziell?
Mexiko und Ungarn präsentierten zum ersten Mal ihre Chasselas-Vertreter. Und ebenfalls eine Premiere war die Tatsache, dass wir bei der Bewertung der Weine mehr ausländische als Schweizer Juroren hatten. Weil das Wetter nicht so gut war und das EM-Spiel Schweiz-Polen stattfand, hatten wir am Publikumstag mit 1300 Besuchern etwas weniger Interessierte als im Vorjahr.
Wie wichtig ist die Veranstaltung für den Tourismus?
Unsere Vereinigung arbeitet mit dem Verkehrsbüro zusammen. Der Mondial du Chasselas ist einer der Höhepunkte im Veranstaltungskalender des Monats Juni. Einige Besucher reisen nur wegen dem Mondial nach Aigle, andere werden erst im Hotel auf unseren Anlass aufmerksam.
Was mögen Sie persönlich am Chasselas?
Es ist eine sehr elegante Traubensorte, die nicht so opulent und geschmacklich prägnant wie etwa ein Riesling oder ein Sauvignon Blanc ist. Der Chasselas ist subtiler. Sie spüren die Traubensorte kaum, aber dafür das Terroir, auf dem er gewachsen ist. Die Weine sind nicht so alkoholhaltig und dafür umso bekömmlicher. Dieser «Vin du soif» kann man einfach trinken, ohne davon schnell satt zu werden. Bei Weinen mit üppiger Aromatik hat man nach zwei Gläsern oft genug.
Welches ist Ihr persönlicher Favorit?
Ich bin ein Lokalpatriot und mag den Yvorne Clos du Rocher von Obrist, aber auch den Château Maison Blanche, ebenfalls aus Yvorne. Von der La Côte schätze ich Château de Vinzel und Domaine de Autecour und nicht zu vergessen die komplexen Weine der Vereinigung Baronnie du Dézaley. Das sind meine fünf Lieblingsweine. Nur komme ich an unserem Anlass kaum dazu, diese zu degustieren (lacht).

Autor: Reto Wild

Fotograf: Reto Wild