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24. März 2014

ADHS: Das grosse Zappeln

ADHS ist nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen verbreitet. Betroffen sind rund vier Prozent der jungen Schweizer.

Soldat rennt durch eine Wiese. Im Hintergrund andere Soldaten.
Zappelphilipp-Syndrom bei Erwachsenen: Jeder 25. Schweizer Rekrut leidet unter ADHS. (Bild: Keystone)

Bis jetzt konnte man zur Verbreitung der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei jungen Erwachsenen in der Schweiz nur Vermutungen anstellen. Nun liegen erstmals verlässliche Zahlen vor: Gut vier Prozent dieser Altersgruppe sind vom Zappelphilipp-Syndrom betroffen. Das ergab eine Befragung von 5656 Stellungspflichtigen, welche die Uni Zürich gemeinsam mit den Universitätsspitälern Zürich und Lausanne durchführte.

«Ein Ziel dieser Studie ist, das Bewusstsein zu verstärken, dass auch Erwachsene von ADHS betroffen sind», sagt Meichun Mohler-Kuo (46) vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich. Laut der Mitautorin der Studie ist es wichtig, Menschen zu sensibilisieren, zum Arzt zu gehen und sich behandeln zu lassen, wenn sie Symptome haben. «Eine möglichst frühzeitige Behandlung ist wichtig. Denn je älter nicht behandelte Betroffene sind, umso stärker prägen sich Folgen wie Depressionen oder negative Bewältigungsstrategien mit Alkohol- oder Drogenmissbrauch aus», sagt Meichun Mohler-Kuo. ADHS ist bei uns ähnlich verbreitet wie im Ausland: Neben gut vier Prozent erwachsenen Betroffenen leiden gut sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen am Zappelphilipp-Syndrom.

Was aber anders ist in der Schweiz: Im Ausland leiden die tieferen Bildungs- und Einkommensschichten überdurchschnittlich an ADHS, bei uns ist die Krankheit hingegen durch alle Bevölkerungsschichten gleichermassen verbreitet. «Der Grund könnte das weiter fortgeschrittene Gesundheitssystem in der Schweiz sein: Unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern werden Menschen mit ADHS hier frühzeitig behandelt», sagt die Mitautorin der Studie.

Autor: Daniel Schifferle