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16. Januar 2017

Achtung, Landesverrat!

Bänz Friedli
Bänz Friedli muss die Stirn runzeln.

«Es ist untersagt, zum Lüften die Fenster zu öffnen.» Der Satz will mir nicht aus dem Kopf, wobei ich mir nicht mehr ganz sicher bin, wo ich das Schild gesehen habe. Mir ist, es sei in Villmergen gewesen, im Aargau. Oder sonst in einem Mehrzweckgebäude, einem Kirchgemeindehaus, einer Schul- und Sportanlage irgendwo im Land.

Nicht nur absurd, sondern bezeichnend, dieses Verbot, mögen Sie denken – eine Metapher gleichsam für den Kleingeist, die Enge des Landes, fürs Gefangensein, den Mangel an Ausblick, an frischer Luft. Doch wir sind mit solch stupiden Vorschriften nicht allein. Der Tod sei «keinesfalls als dauernde Berufsunfähigkeit anzusehen», teilte etwa das deutsche Bundesfinanzministerium im «Bundessteuerblatt» offiziell mit. Und Mecklenburg-Vorpommern hat ein Landesseilbahngesetz, weil gemäss einer Richtlinie der EU täglich eine Busse von bis zu 791 000 Euro gedroht hätte, wäre es nicht erlassen worden. Nur: Es gibt im ganzen Bundesland keine einzige Seilbahn.

Man darf nicht übers Wasser gehen
(K)Ein Verbot für Bibelfeste: Man darf nicht übers Wasser gehen.

Und dann natürlich die Amis! Im US-Staat Washington ist es unter allen Umständen verboten, mit einer Jungfrau Sex zu haben, Hochzeitsnacht inklusive. In Italien? Besagt ein Warnschild am Lago di Bracciano, es sei absolut verboten, «auf der Wasseroberfläche zu gehen». Wenn das Jesus wüsste! Die Engländer sind auch nicht besser: Briefmarken mit dem Antlitz der Königin verkehrt auf ein Couvert zu kleben – also so, dass Ihro Majestät auf dem Kopf steht –, wird als Landesverrat geahndet. Und weil der Westminster-Palast in London, wo heute das Parlament tagt, einst königliche Residenz war, steht noch immer jedem, der dort verstirbt, ein Staatsbegräbnis zu. Im Prinzip. Allerdings ist es streng verboten, im Westminster-Palast zu sterben. Zuwiderhandelnde – Sie, das ist schon vorgekommen! – werden husch, husch aus dem Gebäude geschafft, bevor die Sterbe­urkunde ausgestellt werden darf. Oh ja, sie spinnen, die Engländer. Nur eben: Wir sind nicht besser. Der Kanton Zürich bestrafte einen Hobbyfischer, der einen gefangenen Hecht wieder in den Greifensee und also in die Freiheit entlassen hatte – Verstoss gegen die Tierschutzverordnung.

Und ein Haushaltratgeber glänzt mit dem Tipp: «Tränende Augen beim Schneiden von Zwiebeln kann man vermeiden, indem man statt der Zwiebel eine Kohlrabi verwendet.» Da kommen mir zwar die Tränen vor Lachen. Aber ich weiss noch immer nicht, wie besagte Villmergener Anlage gelüftet wird. Ich hoffe bloss, es geschehe irgendwie, auch wenn das Öffnen der Fenster zu diesem Behuf verboten ist. Fragen Sie mich nur nicht, wie! 

Bänz Friedli live: 27. Januar, Grindelwald BE

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Website: www.baenzfriedli.ch

Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli