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08. Juni 2017

Tschüss und bis bald

Bettina Leinenbach
Bisher «Mamma mia»-Kolumnistin, bald schreibt sie über Bastel- und Do-it-yourself-Themen: Bettina Leinenbach. (Bild: Gerry Nitsch)

Ich habe immer gerne das letzte Wort. Behauptet zumindest Herr Leinenbach, und der muss es nach zwanzig Jahren mit mir echt wissen. Nun also die ultimative Gelegenheit, zum Kolumnenabschied quasi alles zu sagen, was ich noch loswerden wollte. Dass es in meinem Fall nicht bei einem einzelnen Wort bleiben würde, war ja klar. Ich habe mal durchnummeriert ...
1. Danke.
Hätte mir jemand vor fünf Jahren prophezeit, dass «Mamma mia» erfolgreich ein halbes Jahrzehnt erscheinen würde, hätte ich der Person mitleidig über den Kopf gestreichelt und ihr vielleicht auch noch ein Nutella-Brot geschmiert. Aber Zahlen lügen nicht. Die kleine Kolumne kam bei Ihnen, meinen Leserinnen und Lesern, bis zum Schluss unglaublich gut an. Sie haben mit mir gelacht, sich mit mir (und manchmal auch über mich) aufgeregt und gelegentlich auch mit mir geweint. Je ehrlicher und schonungsloser ich über meinen Mami-Alltag berichtete, desto häufiger wurden meine Texte gelikt, geteilt und kommentiert. Ewig in Erinnerung bleiben wird mir beispielsweise der Beitrag, in dem ich beschrieb, wie gern sich Herr Leinenbach nach einem erfolgreichen Arbeitstag im heimischen WC verbarrikadiert. Ich hätte den vielen Frauen, die mir Applaus dafür spendeten, beinahe die Gründung einer Selbsthilfegruppe vorgeschlagen. Von Herzen danke für die letzten fünf Jahre.

2. Bitte.
Darf man als Schreiberling auch einen Wunsch äussern, seine Leserschaft um etwas bitten? (Falls nein, dann bitte gleich weiter zu Punkt 3.) Falls ja, wäre das hier mein kleiner Wunsch an Sie: Lachen Sie bitte mehr über sich selbst! Der Alltag mit Kindern ist nicht immer einfach. Obwohl wir alle es gut und richtig machen wollen, gehört das kleine und grosse Scheitern quasi zum Eltern-Programm dazu. Das lässt sich leichter aushalten, wenn man die Dinge mit Humor nimmt und die eigenen Fehlleistungen zwar wahrnimmt und analysiert, aber nicht überbewertet. Zumal es eh immer das Kind der Nachbarin ist, das die Nacht durchschläft und jeden Tag Gemüse isst. Ähm, apropos Gemüse: Ketchup ist auch Gemüse.

3. Tschüss.
«Mamma mia» hatte von Anfang an ein Verfallsdatum. Als ich 2012 startete, wackelte Eva, damals 2, noch mit Windelpopo durch die Gegend. Ida war zwar schon vier, aber sie war weder politisch interessiert noch gut im Lesen von Texten. Kurzum, die Kinder hatten (noch) keinen Schimmer, womit Mama ihr Geld verdiente. Das hat sich zwischenzeitlich geändert. Vergangenen Herbst war er plötzlich da, der Moment, der alles infrage stellte. Es war mal wieder etwas Lustiges passiert bei uns daheim. Oder soll ich schreiben etwas Peinliches? In Gedanken tippte ich bereits die ersten Sätze, als Ida sich vor mir aufbaute und mit Nachdruck sagte: «Das kommt aber jetzt nicht in die Kolumne.» Eva, die sich in solchen Momenten immer gerne mit ihrer Schwester solidarisiert, hätte sich um ein Haar in meiner Wade verbissen. Das war der Anfang vom Ende von «Mamma mia». Was total in Ordnung ist. Denn, um das auch mal zu sagen: Was für eine Anstrengung, über fünf Jahre jede einzelne Woche einen guten Text zu produzieren, der Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht nur amüsiert, sondern auch zum Denken anregt, der Fragen aufwirft und manchmal auch brauchbare Antworten gibt. Da ich nicht bei Nacht und Nebel aussteigen wollte, entwarf ich gemeinsam mit der Redaktion einen Plan für den geordneten Rückzug. Nun, über ein halbes Jahr später, ist er da, der Moment. Dies ist die letzte «Mamma-mia»-Kolumne.

4. ... und bis bald.
Nein, so schnell werden Sie mich natürlich nicht los. Sie wissen, wir Journalisten hängen an unserem Job. Ich werde weiterhin im Wochenrhythmus für Sie schreiben. Und fotografieren und basteln und nähen und ausprobieren und testen und, und, und.
Mein neues «Kind» auf Migrosmagazin.ch beschäftigt sich mit Themen aus den Bereichen Do-it-yourself, Basteln mit Kindern und Life-Hacks (z. B. Wie entfernt man gelbe Deo-Flecken aus weissen Unterhemden?). Doch, doch, das passt sehr wohl zu mir. Ich führe nämlich schon lange ein geheimes Leben als Nähjunkie und Basteltante. Um Ida, Eva und Herr Leinenbach wird es zwar nicht mehr gehen, aber meinen typischen Humor, den werden Sie schon sehr bald wiedererkennen. Ich freue mich!

Bettina Leinenbach5. PS (Jetzt aber wirklich die allerallerletzten Worte)
Vorher mache ich erst mal eine Minischreibpause – was für ein Luxus. Im Juli gehts dann los mit dem neuen Programm. Bis dann :)


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Autor: Bettina Leinenbach