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24. März 2014

Ablenkbar und impulsiv

Beim Thema ADHS rücken neben früh erkannten Kindern mit Schulproblemen immer mehr Erwachsene ins Blickfeld. Doch welche Symptome können auf ein Aufmerksamkeitsdefizit respektive eine Hyperaktivitätsstörung hinweisen?

Konzentrationsfähigkeit
Wenn die Konzentrationsfähigkeit abhanden kommt... (Bild: Fotolia)

Eine Bemerkung vorweg: Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass das Phänomen ADHS bei Menschen im Erwachsenenalter in letzter Zeit zugenommen hat. Dies bestätigt auch Meichun Mohler-Kuo vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich, die mit ihrem Team und einem der Uni Lausanne über 5500 Stellungspflichtige (in der Regel 18- bis 19-jährig) der Armee untersuchte und bei jedem 25. ADHS erkannte. Bei Jüngeren trifft es in der Schweiz jede(n) 17. bis 19.

Weil die Forschung das Phänomen erst seit zwei bis drei Jahrzehnten und die breite Öffentlichkeit es vielleicht halb so lange wahrnimmt, fragen sich auch unter den Über-30-Jährigen immer mehr tatsächlich oder vermeintlich Betroffene, ob sie unter ADHS leiden. Genauer: Ob sie in Ausbildung und Berufsleben schon immer unter Symptomen wie fehlender eigener Aufmerksamkeit oder allenfalls übersteigertem Aktivitätsdrang litten, jedoch niemand eine Diagnose zu stellen vermochte.

Die häufigsten Merkmale
Welche Symptome könnten bei gehäuftem Auftreten auf ADHS schliessen lassen?
Wichtig bei folgender Aufstellung mit Blick auf Informationen wie jenen auf adhs.ch ist das Bewusstsein, dass jeder einzelne Punkt, teilweise gar auch in Kombination, auf andere Phänomene oder Erkrankungen ebenfalls zutreffen könnte.
Deshalb heisst es, bei Verdacht unbedingt zuerst einen Hausarzt, allenfalls später einen Spezialisten, aufzusuchen, bevor man von ADHS ausgeht und an Therapien oder begleitende Medikamentierung denkt.
«UNAUFMERKSAMKEIT»

– Ist oft abgelenkt respektive lässt sich leicht ablenken, hält in der Regel die Aufmerksamkeit nicht über (eine) Stunde(n) hoch
– Hat Mühe, Arbeiten und Aufgaben von längerer Dauer abzuschliessen und voranzutreiben
– Zeigt auffallend oft Vergesslichkeit, ‚verlegt‘ respektive verliert häufig Dinge
– Kann schlecht über eine minimale Dauer hinaus anderen (konzentriert) zuhören und Gesagtes aufnehmen oder verarbeiten
– Legt in der Regel Widerwillen an den Tag oder versucht auszuweichen, wenn geistige Anstrengung über längere Zeit gefragt ist
– Kann in privatem oder auch Arbeitsrahmen schlecht über längere Zeit Ordnung halten
– Beweist Lücken respektive Unvermögen beim Einschätzen von abgelaufener oder benötigter Zeit
– Begeht beim Schreiben oder generell Erstellen von Präsentationen/Unterlagen/Dokumenten ein über das normale Mass hinausgehende Menge an Flüchtigkeitsfehlern, nimmt umgekehrt bei der Aufnahme von Stoff kaum Details wahr
«IMPULSIVITÄT» und «HYPERAKTIVITÄT»
Während die Symptome der ersten Gruppe nahezu zwingend vorauszusetzen sind für eine Diagnose, gilt dies für die zweite Gruppe an Merkmalen weniger. Grund: Wie auch bei Kindern weisen einige Erwachsene ein ADHS-Erscheinungsbild ohne Hyperaktivitäts-Symptome aus.

– Wiederholt auftretender Redeschwall in Gesprächssituationen, auch häufiges Ins-Wort-Fallen
– Generell schlecht warten können, währenddessen auffallende Stör- oder Unterbrechungsaktionen
– Oft ruheloses Verhalten bei Büro- oder Lern-, speziell Lesearbeit: nicht ruhig sitzen können
– Gewisse für Aussenstehende ‚nervös‘ wirkende Bewegungsmuster mit Händen/Fingern oder Beinen/Füssen

Autor: Reto Meisser