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28. Oktober 2013

Abhandygkeit

Süchtig nach Handys
Süchtig nach Handys (Foto: Fotolia).

Meistens zieht das Wochenende vorüber wie im Flug. Kaum ist Freitag, steht – schwupps – schon wieder Montag vor der Tür. Es gäbe theoretisch einen Trick, das zu verhindern: Handyverzicht. Ohne den cleveren Assistenten im Hosensack dauert alles einen Zacken länger. Diskussionen mit Freunden nehmen kein Ende, weil Shazam nicht den richtigen Sänger ausspuckt oder Google den Schweizer Fussballmeister von 1986 nicht verrät. Wartezeiten auf dem Bahnhofsperron scheinen ohne Spotify und das Spiel Angry Birds ewig zu dauern, und der Restsaldo der Kreditkarte bleibt ohne Bankenapp bis Ende Monat ein Geheimnis. Aber das ist noch nicht alles! Beziehungen sowie Bewerbungsgespräche scheitern, weil sich das Rendez-vous ohne WhatsApp-Nachricht über die Verspätung mindestens eine Stunde die Beine in den Bauch steht oder keine Kartenapp den richtigen Weg weist. Auch das Facebook-Profil des letzten Dates lässt sich nicht im Freundeskreis rumzeigen. Kurz: Schon nur ein ganzer Tag ohne Smartphone kann fatale Folgen haben. Dabei ist es erst kurze sechs Jahre her, dass ein Handy bloss telefonieren und SMS-len konnte. Wie das Leben damals funktionierte, wissen nur noch über 50-jährige Historiker. Wer sich an die Vorzüge der Smartphones gewöhnt hat, will nicht mehr ohne sein. Denn wenn der Tag kommt, an dem das Gerät am Morgen zu Hause bleibt oder von Langfingern aus der Tasche gezogen wird: Man wünscht sich ganz schnell das Wochenende zurück, an dem nach dem Freitag – schwupps – Montag vor der Tür steht, und der Handyverzicht-Trick bloss Theorie bleibt.

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Autor: Reto Vogt