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06. Februar 2012

Abgeschieden oder an der Piste

Neben Engelberg locken weitere Reiseziele in der Schweiz und im Ausland mit Übernachtungen im Iglu. Die Tipps für Individual- und andere Reisende.

Übernachten im Iglu
Übernachten im Iglu

Wer seine Eskimo-Behausung nicht gleich wie Üsé Meyer, Outdoor-Spezialist des Migros-Magazins, selber bauen will, findet auch einige Ausflugsangebote mit Übernachtung in garantiert einsturzsicheren und betreuten Iglus. Zwar tönen die Tipps der Profis für den Bau ja einfach:
1. Sauber gleichmässige Eisquader vorbereiten.
2.Mit wenig Zwischenräumen stets verengend von unten nach oben aufschichten.
3. Speziell letzten 'Dach'-Quader nicht zu gross formen und sorgfältig aufsetzen, mit viel Kontakt zu den nächstunteren Quadern. Sonst droht der Einbruch.
4. Möglichst in der Mitte keine Vertiefung, bestenfalls gar eine leichte Erhöhung gegenüber dem Eingang vorsehen, weil sonst wärmere Luft (die steigt!) wegzieht.
5. Am Ende die Zwischenräume und Unebenheiten mit gepresstem Schnee auffüllen.

Doch ohne Erfahrung riskiert man dennoch eine sehr kalte Nacht, und der Aufwand für ein anständig geräumiges Iglu beträgt ein paar Stunden.

Deshalb wählen die meisten Iglu-Liebhaber mindestens am Anfang dennoch den Aufenthalt in stabilen, grossen Iglus, die von Spezialisten sorgsam erstellt wurden.
Anbieter dafür gibt es im In- und Ausland genug:

IM SKIGEBIET
Davos Parsenn: Auch dieses Iglu-Dorf beherbergt in erster Linie Erlebnis-lustige Skifans, auf der Hauptertäli-Alp im Parsenngebiet Davos-Klosters (gut 2600 Meter über Meer).
In der Suite hats einen privaten Whirlpool, ansonsten locken der übliche Fondueplausch und künstlerische Eisfiguren wie andernorts.
Zugspitze (Garmisch-Partenkirchen): Neben dem Zermatter Angebot am Cornergrat die höchst gelegene Iglu-Übernachtung mit knapp 3000 Metern über Meer, auf einem markanten Berg mit Aussicht über vier Länder, fast unmittelbar auf der Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Wie in Zermatt fährt auch hier eine so historische wie spektakulär angelegte Bahn hinauf, und Gasthof respektive Berghotel liegen einen Steinwurf entfernt. Ski gefahren wird auf der Zugspitze natürlich (tagsüber) auch.
Grandvalira (Andorra): Wer eine Iglu-Übernachtung in etwas anderer Landschaft als den bekannten Hochalpen, dennoch aber mit Skiplausch und guter Erreichbarkeit sucht, kommt im Iglu-Dorf Andorra auf rund 2300 Meter über Meer und gleich zwei Iglubars zur Abendunterhaltung auf seine Kosten. Das selbsternannte Schnee- und Shoppingparadies Grandvalira ist in zwei Stunden von Barcelona oder Perpignan (Südfrankreich, nahe der spanischen Grenze, bei Zugreise sicher schneller) erreichbar. Husky-Schlittenfahrten sind neben den Skipisten der Beschäftigungstipp für tagsüber.

MIT AUSSICHT, CHAMPAGNER UND KERZENLICHT
Zermatt Cornergrat: Auch am Rand eines grossen Skigebiets befindet sich das Iglu-Dorf auf dem Cornergrat ob Zermatt. Allerdings ist hier die Aussicht mit dem hinüberblickenden Monte Rosa-Massiv, der zum Greifen nahen Dufourspitze sowie dem etwas 'weiter' entfernte Matterhorn der Hauptgrund, um die letzten oder ersten Lichter auf 3000 Metern über Meer im Iglu unweit des Gasthofs mit der Bergstation der Bahn zu erspähen.
Muottas Muragl (St. Moritz/Samedan): Das St. Moritzer Iglu-Dorf liegt einige Kilometer entfernt vom mondänen Touristenzentrum, auf knapp 2500 Meter über Meer, neben der Bergstation der Muottas Muragl-Bahn. Der Berg ist wegen der Schlittelroute hinunter ins Tal (Punt Muragl) und der Aussicht über das Engadiner Hochtal mit den Seen im Westen berühmt. Die Iglus sind von Künstlern innen verziert und die Umgebung bietet (neben dem nahen Restaurant im Romantik-Hotel - Morgentee gibts aber wie den Fonduplausch ins Iglu) die Möglichkeit für kurze und längere Schneeschuhrouten, etwa hinauf zum Schafsberg, bekannt als Standort einiger Segantini-Gemälde.
Gstaad: Das Iglu-Dorf in Gstaad lässt sich ebenalls mit Skitagen (leicht vergünstigt in der Kombination) verbinden, richtet sich aber dank der Lage im Tal (und vergleichsweise geringer Höhe) an Iglu-Testende, die gern noch eine grössere Siedlung mit allen Annehmlichkeiten (vielleicht auch den Ausgang, das eine oder ander Cüpli in nobler Umgebung) in unmittelbarer Nähe wissen.
Brixen im Thale (Oe): Eine hübsche Destination gerade für Paare ist die 'Igluzauber Nacht' im Skigebiet Wilder Kaiser oberhalb von Brixen (eine Bergfahrt à 10 Euro fällt mindestens neben den 190 Euro für zwei an). Neben vielen Eisskulpturen und Lichterspielen geniesst man die Tiroler Winterlandschaft am besten bei einem Candlelight-Dinner. Angebot jeden Mittwoch- und Samstagabend bis Ende März 2012.

IN UNGESTÖRTER RUHE
Kemmeriboden: In die Höhe über dem Emmental zieht es Leute, die den Iglu-Test lieber in Ruhe und Beschaulichkeit, weitab von Touristenströmen, angehen. Die Anhöhe am Talende ist zu jeder Jahreszeit ein idyllisches Reiseziel am Rande des Bernbiets mit Nähe zur Innerschweiz. Eine Übernachtung mit Fondueplausch eigent sich auch für kleinere Firmenanlässe bis 30 Personen. Der Kemmeriboden ist dazu ein klar weitläufigeres Schneeschuhgebiet als zum Beispiel Muottas Muragl, dafür verschlägts kaum Skifahrer hierher. www.kemmeriboden.ch (bis März)
Melchsee-Frutt: Zwar auch in einem Skigebiet (respektive gleich daneben) sind die teils respektabel grossen Iglus von Iglubase ( www.iglubase.com ) am Stockhorn und 'unten' auf Melchsee-Frutt. Hierhin zieht es speziell Abenteuerlustige oder Firmen, da ein grösseres Angebot an Teamevents besteht: Eisfischen, Eisskulpturen selber schnitzen, Schneegolfen. Ansonsten kommen bisweilen auch Kino- oder Märchenfans mit Kindern gern hierher.

Für alle Iglu-Dorf-Angebote (Davos, Zermatt, St.Moritz, Zugspitze, Andorra): www.iglu-dorf.com

Autor: Reto Meisser

Fotograf: Daniel Kellenberger