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24. Juni 2013

Abgesang nicht in Sicht

Sie waren eigentlich schon in den Neunzigern völlig out. Doch Bands wie die Beach Boys, Uriah Heep oder The Who füllen noch heute ganze Konzertsäle. Warum sind die alten Rocker noch heute so beliebt?

Status Quo alte Rockbands
Status Quo, eigentlich schon in den Neunzigern out, spielen heute noch im Hallenstadion (Bild: zVG).

«Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an», singt der heute ebenfalls in die Jahre gekommene Udo Jürgens immer wieder gern. Wenns nach der Schlagerikone geht, stehen Bands wie Aerosmith, Deep Purple oder Status Quo vor einer goldenen Zukunft. Dass sie sich diese wünschen, ist unbestritten. Denn die Altrocker sind seit den 1960er-Jahren auf allen Kontinenten dieser Welt auf der Bühne gestanden und hätten sich schon längst zur Ruhe setzen können – wenn sie denn gewollt hätten. Haben sie aber nicht: Der Hunger nach Ruhm, Applaus (und dem Geld) des Publikums ist auch im Seniorenalter noch längst nicht gestillt.

Seit 40 Jahren auf der Bühne

So touren noch heute über 40 Jahre alte Bands rund um den Globus und verbringen mehr Zeit in Wohnmobil und Proberaum, statt wie in dem Alter üblich die Enkel im Arm zu wiegen. Und das mit Recht: Die Nachfrage nach ihrer Musik scheint ungebrochen. Zwar sind die Arenen kleiner und feiner geworden – aber die Fans sind geblieben und bringen ihren begeisterten Nachwuchs mit, der wohl in zehn Jahren mit den eigenen Kindern immer noch zu Jethro Tull, Manfred Mann’s Earth Band oder den Eagles gehen kann. Denn selbst der Tod eines wichtigen Mitglieds lässt die Musik dieser Bands nicht sterben.

Viele scheuen sich nicht, ihre Hits mit neuen Musikern oder einer frischen Stimme am Mikrofon nachzuspielen, wenn ein ehemaliges Mitglied stirbt, freiwillig aussteigt oder dazu gedrängt wird. Ein gutes Beispiel dafür sind Deep Purple, die sich Mitte der Siebziger von Sänger Ian Gillan und Bassist Roger Glover getrennt hatten, vorerst unter der Regie von Gitarrist Ritchie Blackmore weitermachten und sich 1980 schliesslich ganz auflösten. Um sich schliesslich nur vier Jahre später nochmals in der erfolgreichen Ursprungsformation zusammenzutun, sich 1989 erneut von Sänger Gillan zu trennen und 1992 selbstverständlich neuerlich zu versöhnen.

Viele Wechsel, gleiche Hits

Nur wenige Bands legen dagegen Konstanz an den Tag. Beispiel Aerosmith: Alle drei Gründungsmitglieder, Steven Tyler, Joe Perry und Tom Hamilton, sind seit der Gründung 1969 (fast) ununterbrochen dabei. Einmalig! Bei den Beach Boys und The Who sorgten Todesfälle in der Band für Veränderungen, ansonsten spielen die Bands seit langen Jahren in der gleichen Formation. Ebenso sind die Eagles seit immerhin 1977 unverändert. Ansonsten sucht man bei Bands, die über so lange Zeit aktiv sind, vergeblich nach Beständigkeit.

Regelmässige Wechsel wie bei Deep Purple sind gang und gäbe in der Musikbranche. Bei Jethro Tull und Uriah Heep umfasst die Liste der ehemaligen Bandmitglieder mindestens 15 Personen. Gerade noch ein einziges Gründungsmitglied ist jeweils noch an Bord – alle anderen Positionen wurden regelmässig ausgetauscht. Bei Journey sind immerhin noch zwei Gründungsmitglieder aktiv. Die Bandgeschichte kennt aber beeindruckende sechs Sänger und vier Schlagzeuger. Manfred Mann’s Earth Band besteht auch fast nur aus Manfred Mann selbst. Neben ihm blieb nur noch Mick Rogers übrig, der die Band aber zwischenzeitlich für zehn Jahre verliess und wieder zurückkehrte. Ein erstaunliches Comeback legte Axl Rose mit seiner Band Guns n'Roses hin: Das Album «Chinese Democracy» liess ganze 15 Jahre auf sich warten, bis es im Jahr 2008 endlich erschien – notabene in völlig neuer Formation.

Unverändert ist dagegen der Zuspruch der Fans – aber nur dann, wenn sich die Bands auf ihre Wurzeln besinnen und möglichst in der Gründungsformation dieselben Songs singen wie damals. Hören Sie auch am liebsten die alten Klassiker oder doch lieber neue, frische Musik? Verraten SIe es uns und klicken Sie sich oben durch die Bildergalerie mit den besten – eigentlich schon längst totgesagten – aber heute noch aktiven Bands. Einverstanden mit der Auswahl?

Autor: Reto Vogt