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10. November 2014

Abgelenkte Fussgänger

Immer mehr Fussgänger schauen auf ihr Smartphone statt auf den Strassenverkehr. Nun fordern Politiker Massnahmen.

Mit Smartphone über die Strasse
Blindlings über die Strasse: Sollen Fussgänger, die sich nur auf ihr Smartphone konzentrieren, in Zukunft gebüsst werden? (Bild Getty Images)

Mit dem Smartphone beschäftigte Fussgänger sind ein zunehmendes Unfallrisiko im Strassenverkehr. Deshalb fordern Politiker wie der SVP-Nationalrat Walter Wobmann und seine Parteikollegin Natalie Rickli eine schärfere Gangart und sogar Bussen für Fussgänger, deren Aufmerksamkeit zu stark vom Smartphone absorbiert ist. Wird hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen?

«An einem so komplexen System wie dem Strassenverkehr teilzunehmen, erfordert die volle Aufmerksamkeit», sagt Uwe Ewert (55) von der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu in Bern. «Die Menschen unterschätzen, wie sehr sich ihre Aufmerksamkeit verschlechtert, wenn sie sich anderweitig beschäftigen.» Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit sei hier zusätzliche Sensibilisierung nötig.
Grundsätzlich rät Ewert: «Wer telefoniert, soll doch bitte kurz stehen bleiben, das Gespräch zu Ende führen und erst dann weitergehen.» Das grösste Unfallrisiko liege darin, dass man ein Gespräch auch dann fortsetze, wenn im Verkehr eine Situation eintritt, die erhöhte Aufmerksamkeit erfordert.

Über Bussen zu reden, hält Uwe Ewert indessen für verfrüht: «Das Problem ist nicht gross genug, als dass es den riesigen Aufwand rechtfertigen würde, der damit verbunden wäre. Über Bussen nachdenken müsste man, wenn sich die Situation massiv verschärfen würde.»

In diese Richtung könnte es aber ­gehen, denn mit neuen Gadgets wie Google Glass dürften künftig noch mehr abgelenkte Menschen unterwegs sein. «Bekommt der Träger einer Datenbrille zum Beispiel eine Information zu einer Pizzeria eingeblendet, ist er zumindest kurzzeitig vom Verkehr abgelenkt», sagt Uwe Ewert. Erschwerend kommt bei solchen Geräten hinzu: Im Unterschied zum Handy-Nutzer sieht man dem Glass-Träger nicht an, wann er abgelenkt ist.

Autor: Daniel Schifferle