Archiv
20. Oktober 2014

Abenteuer Fischen

Fischen ist beliebt wie kaum je zuvor, vor allem bei Jugendlichen. Den Fischbeständen schadet das nicht, sagt der Geschäftsführer des Fischerei-Verbandes. Haben Sie genug Geduld fürs Fischen? Stimmen Sie ab.

Nachwuchsfischer
Nachwuchsfischer mit Biss: Selbst der Gipsarm hält den Jungen nicht vom Angeln ab. (Bild: Keystone)

Immer mehr junge Menschen legen die Anglerprüfung ab: Um zehn Prozent stieg die Zahl der unter 40-jährigen Absolventen zwischen 2010 und 2013. Laden Fischereivereine zu Informationsveranstaltungen, kommen Kinder und Jugendliche oft scharenweise.

Weshalb zieht es ausgerechnet junge Menschen, die von Handy und Social Media ständige Action und Ablenkung gewohnt sind, an stille Wasser? «Fischen profitiert vom generellen Trend zu Aktivitäten in der Natur», sagt Philipp Sicher (61), Geschäftsführer des Schweizerischen Fischerei-Verbandes in Bern. «Das ist heutzutage nicht mehr ‹Würmlibaden› und stundenlanges Sitzen. Man bewegt sich am Wasser, geht an einen Bergsee, verbindet damit eine Wanderung.» Einen Fisch zu überlisten sei zudem ein spannender Wettkampf, bei dem man verschiedene Angeltechniken einsetzt und perfektioniert. «Das fasziniert junge Menschen», sagt Philipp Sicher.

Andererseits machen Nachrichten von schwindenden Fischbeständen die Runde, weil das Wasser immer sauberer wird und den Fischen die Nährstoffe ausgehen. Müssten Fischereivereine angesichts dessen nicht auf Nachwuchswerbung verzichten? «Rückgänge gibt es zwar, aber stark gewässerabhängig. In vielen Regionen blieben die Bestände in den letzten Jahren konstant, in einigen Gebirgskantonen nahmen sie sogar zu», relativiert Philipp Sicher und räumt ein, die Fischerei spiele eine aktive Rolle bei der Pflege von Gewässern.

Zudem müssen Fischer heutzutage eine Ausbildung und eine Prüfung absolvieren. Dabei werden tierschutzgerechte Fangmethoden wie zum Beispiel Angeln ohne Widerhaken vermittelt. «So werden weniger Fische verletzt», sagt Philipp Sicher. Deshalb könne man auch bei steigenden Anglerzahlen weiterhin guten Gewissens «Petri Heil» rufen.

Autor: Daniel Schifferle