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02. April 2012

Weinende Männer von A bis K

60 Männer, die im Kino bisweilen «nahe am Wasser gebaut sind», gaben dem Migros-Magazin bereitwillig Auskunft, was sie bei welchen Filmen zu Tränen rührt. Hier finden Sie die erste Hälfte der nur online Porträtierten.

Hugo Abegg-Neubauer
Hugo Abegg-Neubauer
Markus Ammann
Markus Ammann
Thomas Bader
Thomas Bader
Boris Badertscher
Boris Badertscher
Oliver Bajzat
Oliver Bajzat
Thomas Baumgartner
Thomas Baumgartner
Christoph Bolz
Christoph Bolz
Hans-Peter Born
Hans-Peter Born
Andreas Brühwiler
Andreas Brühwiler
Juan Carlos Castellanos
Juan Carlos Castellanos
Alexander Cola
Alexander Cola
Alex Costenla
Alex Costenla
Remo Dobler
Remo Dobler
Markus Fleischli
Markus Fleischli
Andreas Graf-Neff
Andreas Graf-Neff
Lucas Grünig
Lucas Grünig
Daniel Hagger-Rice
Daniel Hagger-Rice
Javier Hernandez
Javier Hernandez
Sven Janson
Sven Janson
Rudolf Käsermann
Rudolf Käsermann
Martin Kalbermatter
Martin Kalbermatter
Fritz Kindler
Fritz Kindler
Markus Kleiner
Markus Kleiner

Hugo Abegg-Neubauer, 45, Rothenturm
Ich weine in: «Die Wiesenberger». Die Szene, in der der Komponist Fredy Wallimann hoch auf einem Grat sass und erzählte, dass seine Frau gestorben sei, und er einen Naturjuchzer zum Abschied zum Besten gab. Auch Fredy hatte dabei Tränen.
Der Auslöser: Dass ich mich genau in die Situation versetzte und dachte, dass es eigentlich wunderbar ist, mit einem Juz Abschied zu nehmen von einer Person, welche einem nahe stand. Ein Juuz ist etwas wunderbares und sagt mehr als Sprache! Ich hatte bei dieser Szene Tränen und Hühnerhaut.
Peinlich? Es ist überhaupt nicht peinlich, bei emotionalen Szenen Tränen in den Augen zu haben. So kann doch das Leben sein!
Markus Ammann, 44, GossauIch weine in: Bei «Titanic», als seine Freundin am Schluss auf dem Wrackteil liegt und Leonardo vor ihr im Wasser schwimmt. Oder «Sleepless in Seattle», als sein Sohn mit am Radio seine traurige Geschichte (Mutter gestorben…) erzählt.
Der Auslöser: Traurige Szenen, meist mit entsprechender Musik dazu, was das Ganze noch schlimmer macht. Manchmal stelle ich mir vor, dass so etwas oder ähnliches auch mir selber widerfahren könnte.
Peinlich? Ich tue so, als ob mich was stört im Auge oder etwas mit der Brille nicht stimmt, nehme sie ab und reibe mir‚ ,verdutzt' die Augen.
Thomas Bader, 31, SolothurnIch weine in: Im Film «The Road» mit Viggo Mortensen und Charlize Theron musste ich ein paar Tränen lassen.
Der Auslöser: Die Vater –Mutter-Beziehung am Anfang des Filmes und später die Vater-Sohn-Beziehung gingen mir ans Leder.
Peinlich? Grundsätzlich schäme ich mich nicht, während eines Filmes zu weinen. Bin ich mit meiner Frau unterwegs, findet sie es «härzig». Bin ich mit einem Kumpel im Kino, kaschiere ich jeweils die Tränen.
Boris Badertscher, 34, BernIch weine in: Bei «Intouchables» rührt mich das Happy End zu Tränen. Ein ganz schön-trauriger Film ist «Finding Neverland» . Das geht einem so nahe, es geht einfach nicht ohne Tränen.
Der Auslöser: Alle Szenen, die sehr starke Emotionen hervorrufen.
Peinlich? Mir ist es überhaupt nicht peinlich zu weinen, das ist meine Sache, und was die anderen denken, ist ja nicht mein Problem.
Oliver Bajzat, 41, KönizIch weine in: Letztes Mal wurden beim Film «Intouchables» («Ziemlich beste Freunde») oft Tränen weggewischt
Der Auslöser: Szenen, die von leidenden, bedürftigen Menschen erzählen, lösen die starken Emotionen aus. Manchmal auch Freude.
Peinlich? Ich zeige Emotionen ganz offen, wie die Freude und Lachen auch.
Thomas Baumgartner, 36, ChurIch weine in: Wir schreiben das Jahr 1990 und ich ging mit meinem Schwarm Lucretia «Ghost – Nachricht von Sam» schauen.
Der Auslöser: Ich blieb cool, genau so lange, bis Demi, äh Molly endlich unter dicken Kullertränen begreift, dass ihr geliebter Sam durch Whoopie Goldberg alias Oda Mae zu ihr spricht.
Peinlich? Es war mir furchtbar peinlich. In Ermangelung eines Taschentuchs blieb mir nichts anderes übrig, als Lucretia leise nach einem zu fragen. Und sie reagiert total lieb: Sie stehe auf Weicheier, meint sie lächelnd und nimmt einfach meine Hand.
Christoph Bolz, 38, BernIch weine in: Etwa in «Brokeback Mountain» (natürlich die «Hemd über dem von Jack»-Szene) oder in «Die Farbe Lila», als Celie (Whoopie Goldberg) ihre leiblichen Kinder das erste Mal seit fast 20 Jahren wieder trifft.
Der Auslöser: Beim zweiten Beispiel, wenn der zwei Meter grosse, erwachsene Sohn immer wieder «Mama, Mama» sagt. Ich glaube, jede Frau und jeder Mann hat damals im Kinosaal geheult. Für mich der erste «Tränlifilm» überhaupt.
Peinlich? Eher stolz, da es nur alle paar Jahre geschieht – leider! Filme, die mich zu Tränen rühren, sind etwas ganz besonderes und gehören auf jeden Fall in meine DVD-Sammlung. Bin sonst kein Mensch, der nahe am Wasser gebaut ist.
Hans-Peter Born, 43, FlühliIch weine in: Der (ganze) rührende Film «Der Verdingbub»!
Der Auslöser: Meine Vergangenheit als Kind. Meine Schwester und ich wurden auseinander gerissen und wuchsen getrennt bei verschiedenen Familien auf.
Peinlich? Es war sehr peinlich, ich konnte es aber nicht verbergen. Meine Frau hat mich getröstet.
Andreas Brühwiler, 31, SirnachIch weine in: Besonders in Erinnerung blieb mir die Szene in «Brokeback Mountain»: Jack ist gerade erst verstorben, als sein Freund Ennis dessen Eltern besucht. Er will sein Beileid aussprechen, und versuchen, Abschied zu nehmen. Die Eltern von Jack lassen ihn gewähren, auch weil sie wahrscheinlich begriffen und akzeptiert haben, dass Ennis die Liebe ihres Sohnes war.
Der Auslöser: Die ganze Stille, die Langsamkeit und die unendliche Traurigkeit dieser Szene hat mich schlichtweg überwältigt.
Peinlich? Ich weine ja nur, das Schluchzen überlasse ich anderen. Trotzdem, sobald das Licht angeht, ist es mir schon peinlich, wenn man sieht, dass ich geweint habe.
Juan Carlos Castellanos, 39, WerdenbergIch weine in: Ich muss ehrlich sagen, bei Filmen bin ich eine Heulsuse. Ich schaue gerne romantische Komödien und historische Filme wie «Titanic» und «Das Wunder von Bern». Ich weine regelmässig in solchen Filmen, vor allem am Ende.
Der Auslöser: Ich liebe Happy Endings.
Peinlich? Es ist mir mittlerweile nicht mehr so peinlich. Es ist dunkel und normalerweise schauen die Nachbarn nicht hin. Ich bin immer mit einem Päckchen Tempos vorbereitet, brauche sie fast immer!
Alexander Cola, 25, SchlierenIch weine in: Ich habe «Titanic» ganz viele Male gesehen, am Anfang sind mir stets die Tränen gekommen, auch bei «Ein Haus am See», wenn Vater und Sohn (bevor der Vater stirbt) sich zusammentun, in «Missisippi River» oder in «Fluss der Hoffnung» (wenn die zwei Jungs Freunde werden und wo der Kranke Junge stirbt). Und noch viele mehr!
Der Auslöser: Wenn sich etwas vom Schlechten zum Guten wendet, und wenn die Szene eindrücklich wird, wenn zwei sich streiten und dann verstehen sie sich, bei Szenen mit Vater und Sohn.
Peinlich? Ich schaue, dass mich niemand so sieht, wenn ja, ist es mir aber nicht peinlich.
Alex Costenla, 40, RheinfeldenIch weine in: In «The Notebook» («Wie ein einziger Tag») musste ich nicht nur einmal heulen, sondern jedes Mal, wenn ich in sehe. In einigen Szenen kommen die Tränen, am intensivsten heulen muss ich, wenn sich James Garner ins Bett zu seiner Frau hinlegt, sie umarmt und beide gleichzeitig ‚einschlafen‘ (sterben).
Der Auslöser: Die wahre Liebe, die sich diese zwei Menschen schenken. Das Nicht-Aufgeben und vor allem den Partner nicht aufzugeben, egal ob sie/er Alzheimer hat und die/den Partner(in) nicht mehr erkennt.
Peinlich? Nein, es ist mir nicht peinlich, ich geniesse es, meine Emotionen zu leben, und obwohl es ein trauriger Moment ist, sind es (echte) Emotionen.
Remo Dobler, 27, Langnau i.E.Ich weine in: In «The Intouchables», als Driss seinen Freund Philippe alleine liess und sich ganz unerwartet seine Brieffreundin zu ihm setzte. In «Hotel Ruanda», als die UN-Truppen abzogen und die restlichen Menschen im Regen standen.
Der Auslöser: Ich versetze mich voll in eine Rolle, und es berührt mich, wie jemand soviel Liebe geben kann, ohne etwas zu verlangen.
Peinlich? Weinen hat manchmal etwas Befreiendes, es war mir nie peinlich, ich habe schliesslich auch Gefühle.
Markus Fleischli, 47, AdliswilIch weine in: «Narnia».
Der Auslöser: Dass es um eine Familie geht, die sich wieder findet – mit Happy End.
Peinlich? Wenn mir die Tränen kommen, schaue ich mich zuerst um, ob es jemand bemerkt oder es jemandem genauso geht. Danach lehne ich mich zurück, um den Moment still zu geniessen, was mir jedoch wiederum meistens misslingt, weil ich mir ein Taschentuch besorgen will und es dann alle merken…
Andreas Graf-Neff, 41, Appenzell SteineggIch weine in: Ich ging mit meiner Frau «Wüstenblume» von Waris Dirie schauen. Es war ein sehr eindrücklicher, wahnsinnig berührender Film. Horror, wie diese Beschneidungen praktiziert werden.
Der Auslöser: Betroffenheit über das Schicksal der hilflosen Mädchen!
Peinlich? Nein, die wenigen Kinobesucher waren alle sichtbar betroffen, nachdenklich und trauernd nach dem Film.
Lucas Grünig, 20, SutzIch weine in: «Once upon a Time in the West» («Spiel mir das Lied vom Tod»), als der zukünftige Mann und seine drei Kinder bei Jill McBains Ankunft auf der Farm tot auf den Tischen liegen.
Der Auslöser: Die Handlung natürlich, und die traurige Musik.
Peinlich? Einerseits schon, da es Fremde um mich herum hat, aber eigentlich finde ich, dass es etwas Schönes ist, wenn man Emotionen zeigen kann. Meine Kollegin zeigte Mitgefühl und umarmte mich.
Daniel Hagger-Rice, 41, ZürichIch weine in: «Mr. Hollands Opus», «Music oft he Heart», speziell in «The English Patient»: Die Szene in der Höhle in dieser grossen Liebesgeschichte.
Der Auslöser: Er kann nichts mehr machen, und der Schmerz ist so gross.
Peinlich? Ich kann es nicht kontrollieren, die Szenen berühren mich so. Im Nachhinein wird es mir schon peinlich. Meine Frau findet es süss.
Javier Hernandez, 33, OberglattIch weine in: «Schindlers List» oder «Forrest Gump» - vorab in Szenen, in denen Hauptfiguren gestorben sind. Bei «Schindlers List» am Schluss, als alle noch Lebenden auf dem Friedhof gezeigt werden. Bei «Forrest Gump», als er am Grab seiner toten Frau steht.
Der Auslöser: Emotionen werden mit Sicherheit durch die Kombination des Ereignisses mit guter Filmmusik ausgelöst. Für mich spielt die Filmmusik eine wesentliche Rolle in einem Film.
Peinlich? Nicht mehr so. Doch gerade «Schindlers List» sah ich im Rahmen eines Kinobesuchs unserer Sekundarklasse. Absolut uncool für einen männlicher Teenie, sich so zu zeigen. Die Weinattacke hatte ich ja am Schluss, somit beim Verlassen des Kinos. Hatte keinen Schutz der Dunkelheit im Saal mehr.
Sven Janson, DübendorfIch weine in: Extremely Loud and Incredibly Close war der letzte Film, bei dem mir die Tränen gekommen sind. Vor allem bei der Szene als sowohl Oscar und später Linda immer wieder von einem der Blacks in den Arm genommen werden.
Der Auslöser: Die Erinnerung an den 11. September 2001 löste dies bei mir aus. Die eigenen Eindrücke, welche ich 1999 hatte, als ich auf dem WTC Tower auf der Aussichtsplattform war. Eine so beeindruckende Konstruktion und die Ruhe. Und dann 2004 mein zweiter Besuch in NYC. Zu sehen, dass dort etwas fehlt, machte es schwer zu glauben, was 2001 passiert ist.
Peinlich? Emotionen gehören zum Leben und können auch sichtbar sein. Das macht uns menschlich.
Rudolf Käsermann, 68, OssingenIch weine in: «Der kleine Lord», ein grossartiger Film, nie kitschig! Da bin ich dauernd am schniefen.
Oder die Szene in «Sister Act», in welcher der Pfarrer den bisher grauenhaften Chor ansagt, das Gesicht verzieht und der Chor dann engelsgleich einsetzt und die Kamera noch einmal auf das Gesicht des verblüfften Pfarrers zoomt.
Der Auslöser: Bei wirklich anrührenden Szenen, wie den eingangs beschrieben,enwerde ich fast zum Wasserfall.
Peinlich? Natürlich schniefe ich ich nicht sehr hörbar, sondern eher sichtbar, weil ich dauernd die Tränen abwischen muss.
Martin Kalbermatter, 50, NiedergestelnIch weine in: «Mister Bean» («Der Truthahn», «Dinner für seine Freundin», «Gute Nacht Mr. Bean»...) oder beim Filmkomiker Louis de Funès («Le gendarme de Saint-Tropez» u.a.).
Der Auslöser: Ich kann vor allem bei lustigen Filmen lachen bis mir die Tränen kommen.
Peinlich? Nein, Weinen gehört dazu, wie lautes Lachen dazugehört.
Fritz Kindler, 46, RizenbachIch weine in: Beim Film «War Horse» gab es mehrere Stellen, beim Verkauf des Pferdes, und als sich Albert und Joey im Lazarett wiederfanden. Tränen kullern auch bei Filmen wie «The Lion King» und ähnlichen Filmen.
Der Auslöser: Meistens sind es Szenen mit Abschied und Wiedersehen, oder wenn eine Krankheit überwunden, eine Versöhnung gelungen ist.
Peinlich? Früher war es mir eher peinlich, heute stehe ich dazu!
Markus Kleiner, 42, SchwarzenburgIch weine in: Vielen Filmen, weil ich ziemlich ‚nah am Wasser gebaut bin‘. Das letzte Mal habe ich im Kino bei «Intouchable» geweint. Dieser Film hat mich tief berührt. Speziell als der Mann im Rollstuhl bemerkt, dass er nicht mehr viel machen kann.
Der Auslöser: Die Erkenntnis ‚mir sind Grenzen gesetzt, über die ich nicht hinauskomme‘, diese Erkenntnis der eigenen Begrenztheit bringt mich zum Weinen.
Peinlich? Mir ist es schon ein bisschen peinlich. Ich versuche die Tränen zu unterdrücken, und wenn sie dann trotzdem kommen - bei mir fliessen sie dann jeweils in Strömen - dann unterdrücke ich aber den Ton.