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19. September 2011

Freunde fürs Leben

Kinder brauchen Freunde, um sich gut zu entwickeln. Schaffen sie die Bindung zu Gleichaltrigen nicht alleine, müssen die Eltern helfen. Das tun sie am besten, wenn sie Freundschaften vorleben.

Zusammenhalten (Bild: Masterfile)
Zusammenhalten: Diese wichtige soziale Kompetenz lernen Kinder nicht im Internet, sondern im richtigen Leben (Bild: Masterfile).

Jedes Kind braucht mindestens sieben Bezugspersonen, um sich gesund zu entwickeln», sagt Peter Angst (62), Paar- und Familientherapeut in Winterthur ZH.«Das können die heutigen Kleinfamilien alleine nicht mehr abdecken. Um so wichtiger sind darum Freunde.» Nur: Sie zu finden fällt nicht allen Kindern gleich leicht. Das liegt zum einen am Charakter, zum anderen an der Erziehung. «Gerade heute werden viele Kinder so erzogen, dass sie das Gefühl haben, etwas ganz Besonderes zu sein», betont Peter Angst. «Das kann es schwierig machen, richtige Freundschaften einzugehen, die auf Geben und Nehmen aufbauen.»

Ein wichtiger Hinweis auf Zahl und Art der Freundschaften sind heute Geburtstagseinladungen. Peter Angst rät: «Wenn Eltern merken, dass ihr Kind mit seinen Einladungen hadert, ist es gut, ein bisschen zu helfen. Vielleicht ist es sinnvoll, den Coolen aus der Klasse mal nicht einzuladen, der ja oft nicht zurück einlädt, und mal auf die Stilleren, Schüchterneren zu sehen.»

Peter Angst rät den Eltern, das Haus für Besuche zu öffnen

Auch im normalen Alltag brauchen Kinder Unterstützung, wenn es um Freundschaften geht. «Eltern sind die Vorbilder »,betont Peter Angst, der zusammen mit seiner Frau sieben Pflegekinder aufgezogen hat. «Wenn sie selbst kaum Leutee inladen und ein ‹geschlossenes Haus› haben, das keinen unerwarteten Besuch erlaubt, übernehmen Kinder diese Muster oft. Darum rate ich Eltern: Öffnen Sie Ihr Haus!» Dies gilt auch, wenn die Kinder selbst betonen, es mache ihnen nichts aus, keine Freunde zu haben.

Viele Kinder, die gern allein sind, schauen oft fern oder sitzen am Computer. Peter Angst erlebt diese Entwicklung als verhängnisvoll: «Virtuelle Freude sind eine schlechte Alternative zu realen Freunden, denn die Geräte kann man nach Belieben ein- und ausschalten und muss ihnen selbst nichts bieten.» Von Freunden aus Fleisch und Blut hingegen, lernen die Kleinen Teilen, Trösten, Zuhören, Zusammenhalten, Streiten und mit Geheimnissen umzugehen — alles grundlegende Fähigkeiten für das Zusammenleben.

Was, wen die Kinder in den Augen ihrer Familie die falschen Freunde haben, solche, die ihnen nicht guttun? Peter Angst empfiehlt, die Bedenken mit den Kindern direkt anzusprechen und die suspekten Freude nach Hause einzuladen.