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20. April 2015

100 Tage nach dem Währungschock

Die Schweiz verkraftet den Währungsschock besser als erwartet. Hat die Nationalbank also den richtigen Entscheid gefällt?

Währungsschock Nationalbank
Der Euro-Kurs hat sich von seinem Absturz nur schwach erholt. Der Dollar und die Schweizer Börse hingegen haben wieder stark an Wert zugelegt.

100 Tage sind seit dem Donnerschlag der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vergangen. Die anfängliche Konfusion hat sich gelegt. Und im Gegensatz zu den oftmals überhasteten Reaktionen vom Januar können wir den Schritt nun viel fundierter beurteilen: Immer deutlicher zeigtsich, dass die Nationalbank in einersehr schwierigen Lage einen vernünftigen Entscheid getroffen hat.

Weshalb? Bei der Einführung des Mindestkurses im Jahr 2011 war der Euro eine starke Währung. Heute dagegen ist der Euro eine sehr schwache Währung geworden. Innerhalb eines Jahres ist der Euro zum Dollar über 20 Prozent eingebrochen, der heftigste Verlust seit der Gründung der Währung 2002. Den eigentlichen Währungsschock hat also nicht die SNB herbeigeführt, sondern die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer aggressiven Abwertungspolitik. Das verdeutlicht auch die Grafik: Während sich der Euro nach dem Absturz kaum erholt hat, ist der Dollar gegenüber dem Franken wieder stark gestiegen und kostet sogar deutlich mehr als vor Jahresfrist.

Was wäre denn passiert, wenn die SNB nicht die Reissleine gezogen hätte? In diesem Fall würde unsere Nationalbank parallel zur EZB jeden Monat für Milliarden europäische Staatsanleihen erwerben. Dabei ist schon das Kaufprogramm der EZB allein so riesig, dass mittlerweile über ein Viertel aller Euro-Staatstitel eine negative Rendite aufweist. Vor allem aber: Je mehr europäische Anleihen die Schweizerische Nationalbank angehäuft hätte, desto grösser wäre der Anpassungsschock bei einer späteren Abkoppelung vom Euro geworden.

Somit hätte sich die Schweiz enger an die europäische Geldpolitik angebunden als das EU-Mitglied Grossbritannien, das mit dem Pfund weiterhin eine eigene Währung besitzt. Eine solche Entwicklung wollte die SNB zu Recht verhindern. Denn eines hat die Euro-Krise klar gezeigt: Ein gemeinsamer Währungsraum wird zu einem brutalen Korsett, sobald sich die Volkswirtschaften nicht mehr synchron entwickeln.

Ohne Zweifel setzt der starke Franken manche Branchen unter grossen Druck, namentlich den Tourismus. Trotzdem: Es bleibt die beruhigende Tatsache, dass noch in keinem Land eine schwache Währung langfristigen Wohlstand herbeigeführt hat – eine starke Währung dagegen schon.

Hat die SNB richtig entschieden? Stimmen Sie ab!

Autor: Albert Steck