20. Januar 2014

Apps für Kinder

Spiel- und Lernapps für Kinder überschwemmen den Markt. Für Eltern wird es immer schwieriger, die Spreu vom Weizen zu trennen. Die Tipps.

Kind, das auf einem ipad rumklickt
Magische Anziehungskraft: Kinder können ihre Hände kaum von Tablets und Smartphones lassen. (Bild: Getty Images)

Gute Nacht, liebe Kuh», sagt die Stimme, als Leonie (2) den Bildschirm berührt und das Licht ausgeht. «Die Kuh sieht müde aus», sagt die Mutter. Leonie nickt. Im Schoss hält sie das iPad. Das Buch mit den Gutenachtgeschichten liegt in der Kiste bei den anderen Kinderbüchern. Leonie möchte vor dem Schlafengehen lieber noch ein wenig mit dem iPad spielen.

Spiel- und Lernapps für Kinder überschwemmen den Markt und haben Einzug in Schweizer Kinderzimmern gehalten, selbst bei den ganz Kleinen. Zehntausende Apps für Kinder gibt es bereits, Wimmelbuch-, Prixi-, Lego- und Memory-Apps: Alles, was die Eltern noch aus Büchern oder als Spielfiguren kennen, flimmert heute über den Bildschirm. Die beliebtesten Spiele und Lernprogramme werden pro Titel mehrere Millionen Mal gekauft.

Nun haben die wenigsten Zweijährigen ein eigenes iPhone oder Tablet, gespielt wird mit dem von Mami oder Papi. «Kleinkinder reagieren stark auf intensive Grundfarben und auf das, was sich bewegt und sich bewegen lässt», so Daniel Süss (51), Professor für Medienpsychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Das erklärt die Anziehungskraft der Spiele auf dem iPhone oder iPad. Die Überraschungseffekte für die Kleinen sind gross, Erfolgserlebnisse kommen schnell. Das hält gefangen. Für gestresste Eltern ist es verlockend, sich mit dem digitalen Babysitter einige freie Minuten zu erkaufen. Aber wie gesund sind diese neuen Spielkameraden für Kids?

Eltern sollten eine App immer erst selber spielen

«Das weiss noch keiner so genau», sagt Catherine Walter-Laager (44), Erziehungswissenschafterin am Institut für Elementar- und Schulpädagogik IESP. Sie ist eine der ersten Wissenschafterinnen schweizweit, die zu diesem Thema forscht. Catherine Walter-Laager: «Wir untersuchen, wie lange Kinder beim Spielen einer App bei der Stange bleiben und was sie sprachlich dabei lernen.» 120 Kinder aus Deutschland und der Schweiz nehmen an der Studie teil, die jüngsten sind zwei Jahre alt. Walter-Laager schätzt den positiven Lerneffekt bei dieser Altersgruppe nicht besonders hoch ein. Gerade die Apps für die unter Dreijährigen seien oft weltfremd mit zum Teil banalem Inhalt.

Die Pädagogin rät Eltern, eine neue App immer erst selbst zu spielen und sich zu fragen: Sind die Inhalte so, wie ich möchte, dass mein Kind sich verhält? Und das Spielen zeitlich auf wenige Minuten am Tag zu begrenzen. «Eltern, die sich an diese Empfehlungen halten, können eigentlich nicht viel falsch machen.»

Richtig interessant werde der Umgang mit Apps erst ab dem Kindergartenalter, wenn Kinder von ihrem Entwicklungsstand her so weit sind, dass sie die fiktive von der realen Welt unterscheiden lernen, so Walter-Laager. Und wichtig sei, den Umgang mit digitalen Medien langsam und in Begleitung von Erwachsenen zu erlernen.

Ob zwei- oder fünfjährig, entscheidend ist, dass Eltern das iPad nicht als Babysitter einsetzen, bestätigt Medienpsychologe Daniel Süss. Denn wer mit dem Kind gemeinsam spielt und die Figuren und Objekte gut erklärt, kann sein Kind in seinen kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten ebenso fördern wie beim Vorlesen eines Buchs.

Mit anderen Worten: Mit Tablets zu spielen ist nicht generell schlecht. Aber es sollte «Gesprächszeit» zwischen Eltern und Kindern erzeugen, statt sie zu ersetzen. Und es darf die anderen Spielsachen nicht verdrängen. Denn mit der Realität kann weder das Tablet noch das Buch mithalten. Daniel Süss: «Einen echten Turm aus Legosteinen zu bauen, ist immer spannender und lehrreicher als einen virtuellen.»

Diese Apps lohnen sich

Neun Empfehlungen des Schweizerischen Instituts für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM).

Ab Kleinkindalter (ca. 2 bis 4 Jahre)

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Die Ersten Worte – Bilderbuch zum Lernen von Grasshopper Apps

Die Ersten Worte – Bilderbuch zum Lernen von Grasshopper Apps

Kategorie: Sprachförderung

Gerät: iPad, iPhone

Ob Apfel oder Bauklötze, einfach auf den Gegenstand tippen, und er wird benannt. Mit dieser App lernen Kinder spielerisch in und ihrem Tempo die ersten Worte des Lebens.

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Meine erste App – Fahrzeuge von app media

Meine erste App – Fahrzeuge von app media

Kategorie: Spiel

Gerät: iPhone, iPod Touch, iPad

Ein Traktor knattert durchs Bild, ein Oldtimer hupt: Meine erste App – Fahrzeuge lebt nicht nur von den wunderschönen, lustigen Bildern diverser Fahrzeuge, sie bietet auch viel Abwechslung und Überraschungsmomente beim Spielen.

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Schlaf gut von Fox & Sheep

Schlaf gut von Fox & Sheep

Kategorie: Spiel

Gerät: Android, iPad, iPhone, iPod Touch

Im ganzen Haus gehen die Lichter aus, und auch die Tiere auf dem Bauernhof sind müde. Aber wer bringt sie zu Bett? «Schlaf gut!» ist eine tolle App, um kleine Kinder auf das Schlafengehen einzustimmen.

Ab Kindergartenalter (4 bis 7 Jahre)

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ZeichenPad von Darren Murtha Design

ZeichenPad von Darren Murtha Design

Kategorie: Kreativ

Gerät: iPad

Ein Kunstwerk mit dem iPad schaffen? Kein Problem. Einfach zu Pinsel, Buntstift und Aufklebern greifen, und los gehts. Die Bedienung ist kinderleicht: Ein Malwerkzeug aus dem Fach am Bildschirmrand auswählen und staunen, wie der erste bunte Strich entsteht.

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Janosch – Komm, wir finden einen Schatz von Sandra Schneider

Janosch – Komm, wir finden einen Schatz von Sandra Schneider

Kategorie: Buch

Gerät: iPad

Die Geschichte, wie der kleine Tiger und der kleine Bär das Glück der Erde suchen, kennt fast jedes Kind. Hier wird sie mit viel Musik, verschiedenen Vorlesefunktionen und Animationen erzählt. Toll!

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Kleiner Fuchs Kinderlieder von Fox & Sheep

Kleiner Fuchs Kinderlieder von Fox & Sheep

Kategorie: Musik

Geräte: Universal

Kleiner Fuchs Kinderlieder ist eine Mischung aus Wimmelbuch und Liederbuch zum Mitsingen. Und während die Kinder der Musik lauschen, können sie ganz nebenbei mehr als 100 interaktive Elemente und Sounds entdecken.

Ab Schulalter (ab 6 Jahren)

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Book Creator von Red Jumper Studio

 Book Creator von Red Jumper Studio

Kategorie: Kreativ

Gerät: iPad

Ob Tage-, Bilder- oder Fotobuch, mit dem Book Creator können sich kleine Kreative ganz leicht ihr eigenes iBook basteln.

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Das ist mein Körper – Anatomie für Kinder von urbn; pockets

Das ist mein Körper – Anatomie für Kinder von urbn; pockets

Kategorie: Bildung

Geräte: iPad

Wie funktioniert mein Körper? Das können Kinder in neun Kapiteln sehen, hören und ausprobieren. Die verschachtelte App-Struktur setzt ein aufregendes Thema spannend um.

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Die grosse Wörterfabrik von mixtvision digital GmbH & Co.KG

Die grosse Wörterfabrik von mixtvision digital GmbH & Co.KG

Kategorie: Sprachförderung

Geräte: iPad

In der Wörterfabrik können Kinder in die magische Welt der Wörter eintauchen und böse, lustige oder auch vergessene Wörter entdecken.

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