16. Januar 2012

Die Angst vor Einschlafen, Dunkelheit und Albträumen

Fachleute raten Eltern, Kinderängste ernst zu nehmen und auf sie einzugehen. Auf die Probe gestellt wird das gerade abends vor dem Einschlafen. Ein paar Tipps.

Angst vor dem Einschlafen
Oft ein fieser Schlafkiller: Die Angst vor Kontrollverlust in Form von Dunkelheit oder Träumen. (Bild: Getty Images)

Zugegeben, einige unter den Kleinen spielen mit der Angst vor dem Alleinsein im Zimmer und dem Dunkeln auch, um länger aufzubleiben und am interessanten Leben der Erwachsenen teilzuhaben. Meistens aber sind die Ängste nicht oder nur zum kleineren Teil gespielt. Und die meisten Eltern mit sehr gutem Gedächtnis erinnern sich vermutlich, dass es ihnen nicht anders ging.

Der Schlaf bedeutet für Gross und Klein einen Kontrollverlust gegenüber dem Tag, wenn man meist alles bewusst wahrnimmt und in der Regel reagieren kann. Im Schlaf, speziell bei Träumen, kann man das nicht. Erwachsene haben sich vielleicht einfach längst mit dem Gedanken arrangiert, dass dann die Kontrolle wegfällt. Oder haben sich genug eingetrichtert, dass man schlimmstenfalls verwirrt aufwacht, um dann festzustellen, dass in Realität nichts so schlimm ist wie zuvor geträumt.

Gerade Kinder im Vorschul- oder im ersten Schulalter haben diese Abgebrühtheit noch nicht. Zudem machen sie auch noch Entwicklungssprünge und durchleben oftmals Dinge, die zu verarbeiten ihnen schwerer fällt als Erwachsenen. Die meisten Traum- und Schlafforscher gehen ja davon aus, dass im Traum eine andere Welt mit anderen Regeln besucht wird, dass diese Welt aber mit dem zuvor erlebten Alltag einiges zu tun hat. Gerade schwer einzuordnende oder nach Stunden noch beschäftigende Erlebnisse kehren etwas verändert im Traum wieder.

Umso mehr heisst es auch gegenüber den Ängsten vor dem Schlafen allein im Zimmer, der Dunkelheit und letztlich der unkontrollierbaren Traumwelt bei Kindern, sie unbedingt ernst zu nehmen und nicht als Phantasien abzutun. Dennoch sollte bei den meisten Kindern (die sich ansonsten ungehemmt verhalten und nicht generell Anzeichen von Angststörungen an den Tag legen) auch nicht immer nachgegeben werden. Häufig im selben Bett schlafen ist bei älteren als Vierjährigen kaum das richtige Mittel, sie immer länger aufbleiben lassen auch nicht. Es kann die Entwicklung allenfalls verzögern, oder schlicht zu dauernder Übermüdung führen.

Tipps im Umgang mit den Ängsten

1. Schlafen Sie spätestens nach der ersten Kleinkindphase getrennt vom Kind. Treten ungewohnte Situationen wie Panik-Aufwachen, Begleiterscheinungen von Krankheiten oder anderes auf, geht man besser eine Weile ins Kinderzimmer. Dann heisst es sicher Trost spenden, beruhigen usw.

2. Schaffen Sie für die Einschlafzeit des Kindes, wenn es primär mit der Dunkelheit zu schaffen hat, flexible Lösungen. Hier muss absolute Dunkelheit ja nicht eingefordert werden. Entweder sind Sie ohnehin noch viel länger wach und löschen ein auf Viertel- oder Drittelsstärke gedimmtes Licht, wenn das Kind eingeschlafen ist. Oder Sie installieren ein kostengünstiges Gerät an der Stromzufuhr zum Dimm-Licht, das nach einer Stunde automatisch abschaltet.

3. Beinahe der häufigste Tipp von Experten: Finden und befolgen Sie Rituale, die mit dem Kind vor und beim Zu-Bett-Gehen durchgeführt werden, vom Abendgetränk übers Zähneputzen und Pyjama-Anziehen bis zur Geschichte, dem Erzählen und/oder Gutenacht-Liedern. Speziell wichtig dabei:
Vielen Kindern hilft ein sogenanntes Übergangsobjekt, das von Eltern übergeben wird oder ohnehin im Bett zur Verfügung steht. Das Lieblingsstofftier etwa. Es begleitet in die Schlafenszeit, wenn Papa und Mama nicht mehr im Zimmer sind.

4. Versuchen Sie herauszuspüren oder zu erfragen, ob das Kind nach dem Tag etwas besonders beschäftigt, das, wenn auch nicht gleich vollends geklärt (wär der Optimalfall), so doch der Mutter oder dem Vater erzählt und somit geteilt werden kann. Damit verlieren die meisten Angstmacher bereits markant an Gewicht.

5. Geben Sie eigene Ängste (von früher) vor dem Schlafengehen zu, spezielle Albträume, und schildern Sie stets, was Ihnen bei der Überwindung half, oder wie es sich ‚auswuchs‘. Das schwächt nicht Ihre Position als Eltern, sondern stärkt die der Kinder gegen drohende Monster & Co.

6. Reden Sie offen, vor allem aber konkret über die Ängste des Kindes, lassen Sie es vielleicht tagsüber oder noch abends eine Gestalt aus Albträumen zeichnen. So bannt man einen Teil des Schreckens schon, die Figur erhält auch Schwächen, man kann zum Beispiel einen gemeinsamen Beschützer dagegen zeichnen, der noch stärker ist…

7. Wenn das Kind (und Sie!) tagsüber sehr müde sind wegen zu wenig Schlaf: Ein Mittagsschlaf für Kind und Eltern wirkt oft Wunder. Einerseits ist man leicht weniger vom langen Schlaf in der Nacht abhängig, zweitens sind Albtraumfiguren und Monster mittags oft noch weniger aktiv, und das Kind freut sich, dass das Tagesprogramm schon nach einer oder zwei Stunden weitergeht. Indirekt schwindet so vielleicht gar die Angst vor dem Schlafen und der Dunkelheit am Abend.
Zugegeben: Viele Kinder muss man zuerst zum Mittagsschlaf bewegen.

Hast du andere erfolgreiche Rezepte gegen Kinderängste vor dem Schlafengehen? Verraten sie gleich hier in den Kommentaren.

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