06. Mai 2013

Angriff der FKK-Schnecken

Ohne Gift gegen die schleimigen Zeitgenossen zu kämpfen, ist eine Herausforderung. Vielleicht hast ja Du den ultimativen Tipp für uns Hobby-Gärtner?

Eine Schnecke im Garten
Eine Schnecke im Garten auf Entdeckungstour.

Vorsätze fürs neue Gartenjahr zu fassen, habe ich mir schon lang abgewöhnt. Denn erstens wächst es anders, und zweitens als man denkt. Diesmal mache ich aber eine Ausnahme. Der Grund dafür ist eine Nacktschnecke, die letzten Samstag – ich war gerade am Brombeeren mulchen – direkt vor meiner Nase und cliffhangermässig meinen Schneckenzaun enterte. Dass sie mir nicht noch den Stinkefinger gezeigt hat, ist ein Wunder. Okay, kein Wunder, sondern Anatomie: Schliesslich haben Gastropoden (so der zoologische Name) keine Hände, sondern bloss einen Fuss.

Der feuerverzinkte Schneckenzaun
Der feuerverzinkte Schneckenzaun unserer Gartenbloggerin

Wie auch immer, keine Ahnung, wer dümmer dastand, mein feuerverzinkter Schneckenzaun («dank nach aussen abgewinkelter Kante unüberwindbar») oder ich. Ich zumindest beschloss umgehend, die Kriegserklärung anzunehmen. Der Vorsatz für die diesjährige Gartensaison: In meinen vier mal sechs Metern Gemüsegarten behalte ich die Oberhand!

Ich weiss natürlich, dass Schnecken per se nicht nur einfach Schädlinge sind. Einige Arten verputzen in erster Linie Aas und abgestorbene Pflanzenteile und beteiligen sich so konstruktiv am ewigen (Garten-) Kreislauf. Und die grosse Weinbergschnecke tut sich sogar am liebsten am Eigelege ihrer nackten Verwandtschaft gütlich, weshalb ich ihr noch so gern ein Plätzchen in meinem Garten einräume.

Gar nicht anfreunden hingegen kann ich mich mit jenen destruktiven Schleimern, die es sich zum Ziel gemacht haben, all das, was eigentlich irgendwann auf meinem Teller oder in meiner Blumenvase landen soll, mit ihrer Raspelzunge kleinzukriegen. Womit wir wieder bei den FKK- oder «Füdliblutt»-Schnecken, wie sie mein Sohnemann auch nennt, wären. Also jenen, die so richtig schön eklig zwischen den Zehen hervorquellen, wenn man barfuss versehentlich draufsteht.

Im Fall besagten Cliffhangers war ich die, die am Schluss am besten lachte, einfach darum, weil auf den Beeten innerhalb des Schneckenzauns noch gähnende Leere herrscht. Aber in ein, zwei Wochen wird es dort hoffentlich fleissig spriessen, und spätestens dann muss meine Verteidigungsstrategie stehen!

Gift geht gar nicht, so viel ist klar, auch wenn es unterdessen Schneckenkörner gibt, die den Igeln nicht auf den Magen schlagen sollen. Apropos Igel, das bringt mich auf eine Idee: Vielleicht lässt sich ja das stachlige Kerlchen, das im Moment noch unter unserer Holzterrasse schnarcht (ja, Igel können tatsächlich schnarchen!) in die Pflicht nehmen. Drei Nacktschnecken pro Logiernacht – wäre das ein fairer Preis?

Oder aber ich mache mit meinem Sohnemann und seinen Gschpänli einen Deal und biete pro Dutzend angelieferter Füdliblutt-Schnecken zwei Gummibärli im Tausch. Wobei die Kopfprämie natürlich nur für jene Exemplare ausgezahlt wird, die auch wirklich aus unserem Garten stammen, ich kenne meine Pappenheimer! Dummerweise kriechen die Nacktschnecken aber meist erst dann aus ihren Löchern, wenn Kindergärtler schon lange «mützen».

Und so befürchte ich, dass es auch diese Gartensaison wieder auf fifty-fifty herauslaufen könnte: die Hälfte der Ernte fürs (Schleimer)Kröpfchen, der Rest fürs (Gärtner)Töpfchen. Es sei denn, Sie, lieber Gartenfreund, liebe Gartenfreundin, haben den ultimativen Rat. Ich schick Ihnen die Gummibärli auch gern per A-Post!

Eins noch: Über den oft portierten Trick mit den zerstampften Eierschalen haben sich meine FKK-Schnecken im letzten Jahr fast totgelacht – leider nur fast, sonst hätte ich jetzt kein Schneckenproblem. Anscheinend ist ihre Schleimschicht so zäh, dass sie sogar über Rasierklingen kriechen können!

Fotografin: Almut Berger

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