17. August 2017

Alte Geschichte neu inszeniert

26 Jahre nach dem erfolgreichen Animationsfilm hat Disney «Beauty and the Beast» neu in Szene gesetzt, mit realen Schauspielern, einer üppigen Ausstattung – und einer kleinen kontroversen Überraschung.

Beauty and the Beast
Aus Ablehnung wird Liebe: Die schöne Belle (Emma Watson) und der in ein Monster verwandelte Prinz (Dan Stevens). Bilder: Walt Disney.
Lesezeit 3 Minuten

Wozu, mögen sich viele erst mal gefragt haben, wozu einen erfolgreichen Animationsfilm quasi kopieren und real nochmals neu in Szene setzen? Was bringt das, ausser dass die Kassen bei Disney nochmals kräftig klingeln? Aber auch solch zynischen Skeptikern wird wohl ein wenig warm ums Herz, wenn sie sich die exzellente Neuverfilmung von «Beauty and the Beast» tatsächlich ansehen.

Das liegt natürlich nicht zuletzt an der ergreifenden Liebesgeschichte, einem Volksmärchen, das 1740 in Frankreich erstmals veröffentlicht wurde. Es gibt verschiedene Versionen davon, und Disney bediente sich grosszügig bei Jean Cocteaus «La Belle et la Bête» (1946): Der wegen seiner Hartherzigkeit von einer Magierin in ein Monster verwandelte Prinz hat nur dann eine Chance, wieder Mensch zu werden, wenn er sich die Liebe einer Frau verdienen kann. Was in dieser Form gelinde gesagt schwierig ist.

Ich verrate hier vermutlich kein Geheimnis, wenn ich sage: Jawoll, es gibt ein Happy End. Und davor wird viel gesungen, getanzt und in üppiger Ausstattung geschwelgt. Die bekannten Songs aus dem Zeichentrickfilm sind alle dabei, und noch ein paar weitere, die im gleichen Stil für die Bühnenfassung geschrieben und nun für den Film übernommen wurden.

Bemerkenswert ist, mit welch klingenden Namen auch kleinere Nebenrollen besetzt wurden: Ewan McGregor («Trainspotting», «Star Wars») spielt und singt den Kerzenständer Lumière, Ian McKellen ( «The Lord of the Rings», «X-Men») die Standuhr Cogsworth, Emma Thompson ( «Harry Potter», «The Remains of the Day») die Teekanne Mrs. Potts, Kevin Kline ( «A Fish Called Wanda», «Cry Freedom») Belles Vater Maurice. Einige der Stars sieht man nur ganz am Schluss kurz in ihrer realen Gestalt, das Gleiche gilt auch für Beast Dan Stevens ( «Downton Abbey», «Legion»). Emma Watson («Harry Potter», «The Circle») kann derweil als Belle schauspielerisch alle Register ziehen, beweisen, wie gut sie singen kann, und darf dabei sogar einen Hauch Emanzipation rüberbringen.

Letztere gab es auch in einem anderen Bereich, was prompt zu einem kleinen Aufruhr führte. Der offen schwule Regisseur Bill Condon brachte nämlich nicht nur den offen schwulen Ian McKellen an Bord, mit dem zusammen er 1998 «Gods and Monsters» und 2015 «Mr. Holmes» gedreht hatte, er machte auch gleich noch eine der Nebenfiguren des Films zum ersten schwulen Disney-Charakter überhaupt: LeFou (Josh Gad), den Knappen von Bösewicht Gaston (gespielt vom offen schwulen Luke Evans), der Belle gerne ehelichen würde. LeFou wiederum hätte Gaston gerne für sich, was er in der grossartigen Gesangsnummer «Gaston» ziemlich deutlich zu verstehen gibt. So weit kommt es zwar nicht, aber beim grossen Abschlussball sieht man LeFou dann ganz kurz mit einem attraktiven jungen Mann tanzen.

In den USA riefen prompt einige christliche Organisationen zum Boykott des Films auf, Russland gab ihn erst ab 16 Jahren frei, Malaysia verlangte von Disney gar, die fraglichen Szenen rauszuschneiden. Disney weigerte sich, worauf die Zensurbehörde den Film nach einigem Hin und Her doch noch freigab, jedoch erst ab 13. Ewan McGregor kommentierte die Kontroverse bei einem Auftritt in einer US-Late-Night-Show kopfschüttelnd: «It’s 2017 for fuck’s sake!»

Geschadet hat all das dem Fantasy-Musical jedenfalls nicht: Weltweit hat es bis jetzt 1,3 Milliarden Dollar eingespielt. Eine schöne Ermutigung für Disney, künftig vielleicht noch etwas mehr zu wagen?

LeFou (links) wäre gern mehr als nur Gastons Knappe.

«Beauty and the Beast», bei exlibris.ch für Fr. 21.90 (DVD) oder Fr.26.90 (Blu-ray) und als Animationsfilm für Fr.12.90 (DVD) oder Fr. 14.90 (Blu-ray)


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