04. Dezember 2017

Als das Tessin arm war

Noch in der Zwischenkriegszeit war die Südschweiz keine Postkartenidylle, sondern eine bitterarme Region. Die Migros half in den 30er-Jahren, indem sie grosse Mengen von Tessiner Tomaten kaufte.

Bauern bei der Tomatenernte im Tessin der 30er
Harte Arbeit: Bauern bei der Tomatenernte im Tessin der 30er-Jahre (Quelle: MGB-Archiv)
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Die beiden Jugendbuchautoren Lisa Tetzner und Kurt Held haben die einst bittere Not im Tessin in einem Klassiker geschildert: Der Roman «Die schwarzen Brüder» erzählt von Kaminfegerbuben aus dem Verzascatal, die nach Mailand vermittelt werden und dort als Arbeitssklaven unter Lebensgefahr verrusste Kamine reinigen.

Zwar spielt das zweiteilige Buch im neunzehnten Jahrhundert, und in den Jahren zwischen den Weltkriegen waren die Zeiten der «schwarzen Brüder» längst vorbei. Aber im Tessin herrschte noch immer Armut, und vielen Familien fehlte es am Nötigsten.
Um den Bauern der Region zu helfen, begann der Bund den Anbau von Tessiner Tomaten zu subventionieren. Nur fanden sich nicht genügend Abnehmer für die Ernte.

So kam Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler ins Spiel: Er kaufte die Tomaten für seine Läden in der Nordschweiz ein und linderte so kurzfristig die Not der Bauern. Doch das war nur der Anfang eines grösseren Projekts: Duttis Engagement jenseits des Gotthards führte 1933 zur Gründung der ersten regionalen Migros-Genossenschaft. Im Mendrisiotto gab diese Vereinigung von nun an regelmässig Tomatensetzlinge an die Bauern ab und garantierte zugleich die Abnahme ihrer Ernte.

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