29. März 2018

Airbnb bringt Vorteile für die Schweiz

Mieterinnen und Mieter sollen ihre Wohnung künftig einfacher auf der Buchungsplattform Airbnb anbieten können – das will der Bundesrat. Aber was bringt Airbnb dem Schweizer Tourismus eigentlich?

Computer mit Airbnb-Website
«Willkommen zu Hause» – viele Menschen buchen Ferien über Airbnb (Bild: Gaetan Bally / Keystone).

Wer in die Ferien fährt, lässt seine Wohnung oft für Wochen leer stehen. Doch während man das eigene Bett nicht braucht, könnte jemand anderes darin schlafen – und dafür bezahlen. Deshalb bieten immer mehr Schweizerinnen und Schweizer ihr Zuhause Gästen aus der ganzen Welt an.

Was ist aber, wenn man selber zur Miete wohnt? Nach geltendem Gesetz müssen Mieter bei jeder Untervermietung das Einverständnis des Vermieters einholen. Nun will der Bundesrat das Mietrecht der Airbnb-Zeit anpassen und hat Änderungsvorschläge in die Vernehmlassung geschickt: Mieter sollen eine generelle Zustimmung zu wiederholter kurzzeitiger Untervermietung einholen können. Dies soll Angebote auf Buchungsplattformen vereinfachen. Die Änderung würde laut Bundesrat die Administration verschlanken.

Nutzt du Airbnb?

Verbände sind geteilter Meinung

«Für Besitzer ist das nur nachteilig», findet hingegen Monika Sommer vom Hauseigentümerverband Schweiz. Der Vermieter könne bereits heute eine generelle Zustimmung zur Untervermietung erteilen. Zudem lasse sich nicht prüfen, ob das Objekt gemäss vertraglichem Zweck genutzt werde.

Positiv steht der Schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband der Änderung gegenüber: «Die heutigen Regeln bringen Mieter in Schwierigkeiten», so Generalsekretär Michael Töngi. Airbnb-Gäste jedes Mal zu melden, sei für den Mieter aufgrund der Fristen nicht möglich. «In dieser Zeit sind die Feriengäste schon längst wieder weg.»

In den Bergregionen haben die Vermieter gemerkt, dass Airbnb eine gute Plattform ist

Martin Nydegger, Chef von Tourismus Schweiz
Martin Nydegger ist Chef von Tourismus Schweiz (Bild: Gaetan Bally / Keystone).

Haben Sie selber schon mit Airbnb irgendwo übernachtet?

Ich muss gestehen: nein. Ich habe zwar die App, bin aber leider noch nie dazu gekommen. Das hat nichts damit zu tun, dass ich Airbnb nicht gut fände. Aber geschäftlich bin ich oft in Hotels und schätze den Service.

Der Bundesrat will, dass Mieterinnen und Mieter ihre Wohnung einfacher auf Buchungsplattformen anbieten können. Ist das gut oder schlecht für den Tourismus in der Schweiz?

Da gibt es kein Schwarz oder Weiss. Wenn deshalb der Wohnraum knapper wird, ist es schlecht. Wenn sich Leute illegal einmieten, ist es auch schlecht. Wenn aber mehr Menschen in der Schweiz eine Unterkunft finden, das Angebot plötzlich erschwinglich wird und bei Grossevents mehr Betten zur Verfügung stehen – dann ist es gut. Ich glaube, die Liste der Vorteile ist länger.

Kämen durch die Änderung tatsächlich mehr Touristen in die Schweiz?

Die grossen Plattformen wie Airbnb bringen ganz klar mehr Touristen. Sie betreiben aktiv Marketing, indem sie Kunden neue Reiseziele vorschlagen. Sehr viele Anbieter auf Airbnb sind kommerziell ausgerichtet. Es ist nicht so, dass nur Privatpersonen ihren Wohnraum anbieten.

So auch die Migros-Tochter Interhome. Ist das gut, wenn Unternehmen auf Airbnb mitmischen?

Warum nicht? Der Gast merkt nicht, ob er in einer Interhome-Wohnung lebt oder in einer anderen. Er ist froh, dass er in einer passenden Wohnung übernachten kann. Airbnb ist nur der Vertriebskanal.

Stellt Airbnb eine Konkurrenz für Hotels dar?

Klar, aber das gilt ganz grundsätzlich: Ferienwohnungen sind eine Alter- native zu Hotels. Schliesslich geht es um die Vorlieben der Gäste. Viele mögen eine eigene Küche, andere ziehen das Frühstücksbuffet im Hotel vor.

Aber haben Hotels und Airbnb-Vermieter die gleich langen Spiesse?

Sagen wir es so: Sie haben zunehmend gleich lange Spiesse. Noch nicht am Ziel sind wir in Sachen Taxen. In Basel und Zug werden mittlerweile Taxen eingezogen. Die sollen möglichst bald auch in den anderen Kantonen eingeführt werden. Airbnb hat ein grosses Interesse,nicht in die Schmuddelecke gestellt zu werden. Das weiss ich aus erster Hand – ich bin in regem Austausch mit den Verantwortlichen.

Was können Hotels tun, um sich zu positionieren?

Sie müssen sich jeden Tag neu bewähren. Gegenüber Airbnb, aber auch gegenüber dem Hotel auf der anderen Strassenseite und dem am Sandstrand. Es gibt Gäste – und da gehöre ich zufälligerweise dazu –, die das Hotel wählen, weil es vieles bietet.

Vor allem in Bergregionen steigen die Airbnb-Angebote. Warum?

Weil es dort meistens viele klassische Ferienwohnungen gibt. Und die Vermieter haben nun gemerkt, dass Airbnb eine gute Plattform für sie ist.

Städte wie New York oder Berlin kämpfen wegen Wohnungsmangels gegen Airbnb. Wer ist wichtiger: Einheimische oder Touristen?

Die Bedürfnisse der Einheimischen haben natürlich oberste Priorität. Sonst werden beliebte Quartiere von Touristen überrannt. Ich denke aber nicht, dass dies bei uns passiert.

Worin liegt eigentlich der Reiz, im Bett eines Fremden zu schlafen?

Weltweit wächst der Tourismus. Die Leute reisen mehr und sind deshalb erfahrener. Hotels kennen sie schon. Sie suchen das Unbekannte und interessieren sich für den Lebensstil der lokalen Bevölkerung. Was liegt da näher, als in der Wohnung eines sogenannten Locals zu leben?

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