06. Oktober 2017

Abtauchen in die Schlucht

Von Sainte-Croix nach Vuiteboeuf: Eine leichte Wanderung zum Kennenlernen der ersten Anhöhe im Waadtländer Jura, mit viel Siedlungsgeschichte, einem unterschätzten Grand Hôtel und einer der schönsten Schweizer Schluchten.

Die Schlucht von Covatanne
Die Schlucht von Covatanne bietet von lauschigen Plätzchen am Bach (eher zu Beginn) bis zum spektakulären Weitblick in die Höhe oder Tiefe das volle Programm.
Lesezeit 4 Minuten

Nach sportlichen Abschiedsgrüssen an den Spätsommer im Hochgebirge hält bei «Hike & Bike» der Herbst Einzug. Wir feierten ihn (mit einem Geburtstag) in Form einer lockeren Wanderung im hohen Nordwesten des Waadtlands. Faul liefen wir mehrheitlich bergab und stets entschieden gemütlich, so kommt man auf gut zweieinhalb Stunden Gehzeit für die vorgeschlagene Route.

Schliesslich gehört diesmal auch ein Augenschein in Sainte-Croix zu Beginn zum Programm, und das Essen und Sonnetanken auf der Terrasse des Grand Hôtel des Rasses. Erst danach folgt die landschaftliche Hauptattraktion des Tages: die sich theatralisch von lieblich bis zerklüftet wandelnden Gorges de Covatanne.

Wer noch mehr als ich das Hinablaufen meidet, läuft gescheiter ab Vuiteboeuf hinauf – am Morgen, um als verdiente Belohnung erst am späteren Mittag im Grand Hôtel zu tafeln. Wer es noch etwas leichter und kürzer mag, organisiert den Rufbus vom Bahnhof Sainte-Croix nach Les Rasses (respektive umgekehrt): Die Linie 615 wird vom Unternehmen Travys betrieben, erreichbar unter 024 424 10 99. So verkürzt sich die Wanderstrecke um gut eine halbe Stunde.

Zum Tagesausflug gehört schon das Regionalbähnchen vom Ausgangspunkt Yverdon hinauf nach Sainte-Croix. So kriegt man noch vor ersten Ansichten der Covatanne-Schlucht auf dem unendlichen Umweg um Baulmes herum auch den kleinen Talkessel hinauf zu den Aiguilles de Baulmes mit und erhält Aussicht auf Mittelland und Bern-Walliser Alpen sowie Einblick in den mal lichten, mal sehr dichten Wald.

In Sainte-Croix kommt man um einen kurzen Rundgang im Ortszentrum nicht herum. Neben wenig wirklich alten Bauten trifft man auf selten kompakt-stimmige Gassen mit meist etwas über oder unter 100 Jahren Alter und viel unverfälschten Alltag. Und während von den wichtigen Schmugglerzeugnissen (Frankreich ist nicht ganz so nah wie in Vallorbe) kaum noch etwas zu sehen ist, verraten die Ausblicke vom Zentrum auf zwei Hänge des auslaufenden Hochtals mit viel ähnlichen zwei- bis vierstöckigen (Ex-)Manufakturen mit Flachdach, wofür der Ort bis heute zuallererst berühmt ist: als eines der grossen Zentren der mechanischen Spielwaren (und auch Uhren, da waren aber einige Nachbarorte fast wichtiger) bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts.

Der Weg zum Grand Hôtel des Rasses ist nicht sehr spektakulär, dafür entschädigt schon die einmalige Aussicht von der Terrasse des Hotels vollauf. Ess- und Launchbereich sind modern und grosszügig, das Hotel von aussen noch in mässig attraktivem Renovationszustand der 60er- oder 70er-Jahre, von innen aber ist der Hauptsaal wunderschön, der Entréebereich und etliche Zimmer (laut Zeugen) lassen ebenso unverfälscht die Grand-Hotel-Gründerzeit hochleben (der Bau stammt von 1898). Es gibt übrigens ein modern daherkommendes Schwimmbad mit derselben Aussicht wie die Terrasse und eine Minigolfanlage, vor allem aber scheinen die Zimmerpreise schon im günstigen Bereich zu beginnen. Und die französisch-jurassische Küche werkelt vorzüglich und zu überraschend preiswerten Tarifen.

Route Sainte-Croix - Vuiteboeuf

Die Route (rot), auch als PDF zum Download (1500 x 1000 px / © swisstopo)

Zum Wanderweg vom Hotel nach Vuiteboeuf gibt es entschieden mehr zu sehen als zu sagen. Zuerst braucht es für 200 Höhenmeter hinab etwas Bremskraft, nach mehrheitlich Wald folgen zwei Weidebereiche, bevor man zuerst in eine sanft beginnende Talenge mit fast lieblichem Bachbereich einbiegt, um bald erstaunt festzustellen, dass sich das Bachbett in zerklüftete Tiefen entfernt und ein paar gerade empor verlaufende Felswände die bestens passende Kulisse bilden.

Die Wanderung eignet sich auch bestens für Familien mit Nachwuchs, der nicht mehr in Kinderwagen chauffiert und auch nicht zu lange auf den Schultern getragen werden muss.

Geeignet für Spaziergänger mit bergab etwas Bremsmuskulatur
Höhepunkt: Aussicht beim Grand Hôtel, die ganze Covatanne-Schlucht
Pause: Ste-Croix, Les Rasses, 3-4 Bänke oder Feuerstellen in der Schlucht
Dauer: 2 Std. 40 (Laufzeit ohne Pausen)
Höhenmeter (bergauf): 150 m

Trümpfe der Wanderung La Punt - Pontresina

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