14. Dezember 2017

Abschied vom Libor

Ein bewährter Referenzzins geht, nun kommt der Saron.

Dreimonats-Libor und Saron im Jahresverlauf

Der Libor ist der wichtigste Referenzzins in der Schweiz. Er wird unter anderem für die Berechnung von Hypothekarzinsen verwendet. Allerdings wird der Libor nur noch bis Ende 2021 veröffentlicht. In den Medien spricht man in diesem Zusammenhang auch von «Libor-Abschaffung». Als Nachfolger steht der Saron bereit.

Wer eine Libor-Hypothek hat oder eine abschliessen möchte, ist direkt von der Libor-Abschaffung betroffen. Denn der Zins, den Sie für eine Libor-Hypothek bezahlen, funktioniert wie ein variabler Preis. Steigt der Libor, steigt auch der Zins, den Sie für Ihre Hypothek bezahlen, weil der Hypothekarzins von Libor-Hypotheken an den Libor gekoppelt ist. Umgekehrt profitieren Sie von tieferen Hypothekarzinsen, wenn der Libor sinkt.

Grundsätzlich ist es jedem Finanzinstitut selbst überlassen, einen neuen Referenzzins für seine Hypotheken zu wählen. Einigen sich alle Finanzinstitute auf denselben Referenzzins, hat dies aber den Vorteil, dass sich die Konditionen dieser Hypotheken besser vergleichen lassen. Die Nationale Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze hat am 5. Oktober 2017 empfohlen, ab 2022 den Saron anstelle des Libors zu verwenden. Der Saron ist ein seit 2009 in der Schweiz berechneter und publizierter Zinssatz.

Den Hypothekennehmern wird also auch künftig ein Referenzzins für Finanzierungen mit regelmässiger Anpassung der Zinskonditionen zur Verfügung stehen. Es bleiben jedoch gewisse Unsicherheiten. Einerseits ist abzuwarten, ob der Saron der einzige Libor-Nachfolger bleibt. Andererseits wird jedes Finanzinstitut für sich entscheiden, wie es Verträge für Libor-Hypotheken anpasst, um dem absehbaren Wechsel des Referenzzinses Rechnung zu tragen. Die Migros Bank arbeitet derzeit an einer bestmöglichen Lösung für ihre Kunden.


Irina Martín ist als Ökonomin für die Migros Bank tätig.

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