Leser-Beitrag
26. Januar 2018

Eine abenteuerliche Rentierschlittenfahrt zum Eisangeln

Leserin Inge Looser-Sterzl berichtet vom eindrücklichen Ausflug mit Rentier Cloudy (Bild), Schlitten und Eisfischen in der Nähe des finnischen Levi.

Rentier Cloudy

Nach einem ausgiebigen Frühstück in unserem Chalet im finnischen Levi fahren wir mit dem Bus zur Tourist Information, dem Treffpunkt für unseren Event. Endlich kommt der Kleinbus der Firma Wolverine Fell Wilderness and Nature und fährt ca. 15 Minuten bis zum Eingang der Rentierfarm und zugleich Startpunkt der Rentierfahrt in Kätkälä.

Die Rentiere und 2er-Schlitten stehen schon bereit. Eine junge Frau erklärt uns in perfektem Englisch die Handhabung der Rentierschlitten. Wir werden in zwei Gruppen eingeteilt und der erste Teil kann schon die Rentierschlitten, die mit Rentierfellen ausgelegt sind, besteigen. Der Driver sitzt links und muss die Zügel halten. Mehr gibt es nicht zu tun. Die Rentiere wissen, was zu tun ist.

Und los geht die erste Gruppe. Danach kommen wir an die Reihe. Wir bekommen das Rentier Cloudy zugeteilt. Im Schlitten ist es eng und wir passen gerade so hinein. Das Einsteigen ist etwas mühsam, aber das Aussteigen danach erst recht.
Cloudy trabt im gemächlichen Tempo den gespurten Weg entlang, immer der anderen Gruppe hinterher. Er holt sie nach einigen Minuten ein und die «Karawane» stoppt erst einmal. Eines der Rentiere mag nicht so recht und der Sami, der uns begleitet, muss ihnen erst einmal gut zureden. Dann geht es weiter, ca. 3km bis zum Zielpunkt, einer Kota.

Es ist wunderschön, mit dem Rentier-Schlitten durch den dick verschneiten Kiefernwald und die verzuckerten Bäumen zu fahren. Die Kamera ist dauernd in Betrieb. Das Fotografieren erweist sich aber als recht schwierig in der Bewegung.

Nachdem alle wieder aus ihren Schlitten geklettert und die Rentiere am Zaun angebunden sind, bekommen sie erst einmal Moos und Flechten zu fressen. Wir dürfen es den Tieren reichen, die es aber nicht so gern aus der Hand, sondern lieber vom Boden fressen.

Danach geht es in die Kota, in deren Mitte ein offenes Feuer zum Wärmen und Kochen brennt. Es gibt warmen Saft und nach einer kurzen Aufwärm-Pause bekommen wir eine kleine Angel zum Eisfischen und einen Campinghocker zum Sitzen. Ausreden gibt es nicht. Auch wer nur fotografieren möchte, bekommt eine Eis Angel. Schliesslich ist so die Wahrscheinlichkeit grösser, dass wenigsten einer der Gäste einen Fisch an der Angel hat.

Der dickgefrorene Wolferine See befindet sich gleich neben der Kota und im Gänsemarsch marschieren wir aufs Eis. Das Eis ist mindestens 30-50 cm dick und mit Schnee bedeckt. Es kommt uns schon eine andere Gruppe vom Eisangeln entgegen. Überall sind schon Eislöcher und wir müssen sehen, dass wir nicht aus Versehen hineintreten. Zum Glück erkennt man sie an ihren aufgewölbten Rändern.
Wir bekommen eine Vorführung des Handeisbohrers und der kleinen Handangeln. Wir wollen nicht warten und benutzen ein bereits gebohrtes Eisloch. Wir stecken eine Made an den Angelhaken und los geht’s.

Schon hat der erste einen Fisch gefangen, eine Regenbogenforelle, ca. 30 cm gross. Sie windet sich noch auf dem Eis und bleibt dann erstarrt liegen. Bei uns beissen sie nicht an. Nach einer Viertelstunde erfolglosen Wartens haben wir die Angeln am Hocker fixiert und gehen zur Kota zurück.

Dort warten bereits Schneeschuhe auf uns. Wir sind noch nie damit gelaufen und sind gespannt, ob wir uns damit fortbewegen können. Wieder eine kurze Anleitung zum Anlegen derselben – B. dient als lebendes Modell und bekommt so die Schneeschuhe angeschnallt. Was für ein Service. Ich muss es selbst tun und habe auf Grund der klammen Finger Mühe damit. Dann können wir sie endlich ausprobieren und laufen damit eine halbe Stunde durch den tief verschneiten Wald. Wir versinken bis fast zu den Knien und sehen aus wie watschelnde Enten.

Wir entledigen uns der Schneeschuhe und holen unsere Angeln, die schon fast im Eisloch festgefroren sind – ohne Fisch – vom See zurück. Es geht wieder in die Kota, wo der Tisch bereits für das Essen gedeckt ist. Es werden warmer Saft, Lachssuppe mit Roggenbrot und natürlich der gegrillte gefangene Fisch, von dem alle ein Stück probieren dürfen, serviert. Als Nachtisch gibt es ein süsses Brot und Kaffee, dessen Kaffeearoma wir aber vermissen.

Nach dieser Stärkung geht es zu den Rentieren zurück, die schon ungeduldig auf die Rückfahrt warten. Jeder bekommt wieder sein Rentier. Mein Driver bekommt die Zügel in die Hand und «unser» Claudy speedet in einem rasanten Tempo los, denn es geht bergab und er möchte wohl die anderen Rentiere wieder einholen.
Wir sind sehr überrascht über dieses Tempo, denn wir haben wieder mit einer gemütlichen Fahrt gerechnet. Der Schnee stiebt nur so und in einer Kurve bekommen wir schon Angst, der Schlitten könnte aus der Bahn geraten und wir hinauskatapultiert werden. Aber es geht gut. Claudy und mein Driver haben es im Griff.

Alle sind heil wieder mit ihren Rentier angekommen und im Bus geht es wieder zur Tourist Information zurück.
Gut vier Stunden sind wir unterwegs gewesen und dank mehreren Schichten Bekleidung haben wir nicht gefroren, bei minus 6-8 Grad und leichtem Wind.

Mit dem Ski Bus Nr. 1 fahren wir vom Zero Point zurück in unser Cottage. Sofort die Sauna anstellen und nach einer halben Stunde Aufwärmzeit in die heisse Sauna. Das tut gut. Jetzt wissen wir, warum fast jede finnische Hütte eine Sauna besitzt.

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