09. Mai 2018

Hilfe, der Nachbar nervt!

Wenn es die Menschen wieder auf den Balkon oder in den Garten zieht, kommt es auch vermehrt zu Begegnungen mit den Nachbarn. Aber was tun, wenn die gehörig nerven und die Ruhe stören? Drei Nothilfeszenarien – drei Expertenstimmen.

Haus
Balkon an Balkon: Da kann es zu Problemen mit den Nachbarn kommen. (Bild: unsplash.com)

Stellen Sie sich einen lauen Frühlingsabend vor. Sie machen sich einen Kaffee und greifen zum Krimi. Damit setzen Sie sich gemütlich auf die Terrasse. Nachdem Sie zwei Seiten gelesen haben, hören Sie, dass Ihr Nachbar Besuch empfängt. Schon wieder!, denken Sie und blättern kopfschüttelnd weiter. Der Nachbar wirft den Grill an, dreht die Lautstärke seiner Musikboxen hoch. Es wird gebraten, geschwatzt und geraucht. Bald schon sitzen Sie inmitten einer Gartenparty. Sie beschliessen, endlich gegen die wiederkehrende Störung vorzugehen. Aber wie?


A) Sie rufen bei der Hotline des Mieterinnen- und Mieterverbands an, um sich beraten zu lassen.
B) Sie wenden sich an eine Psychologin, die Sie vor dem Verrücktwerden bewahren soll.
C) Sie machen keine langen Tänze und rufen die Polizei an – Anzeige nicht ausgeschlossen.


Variante A: Vielleicht nimmt Fabian Gloor ihren Anruf entgegen, der Leiter der Rechtshotline des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbands. Er rät bei einem Nachbarschaftskonflikt, zuerst das Gespräch mit der anderen Partei zu suchen. «Vielleicht kann man sich ja darauf einigen, dass der Nachbar nur noch einmal pro Woche grilliert, dafür aber richtig.» Beim Gespräch sei es wichtig, sachlich zu argumentieren und die Emotionen im Griff zu haben. Trägt ein Gespräch unter vier Augen trotzdem keine Früchte, soll man sich beim Vermieter melden und Massnahmen verlangen.


Variante B: Was sagt es eigentlich über Sie selbst aus, wenn Sie sich derart über Ihren Nachbarn aufregen? «Es gibt Dinge, die objektiv ärgerlich sind», sagt die Psychologin Anna Flury. Das habe nicht immer mit der eigenen Person oder mit Kleinkariertheit zu tun. Trotzdem gebe es Leute, die empfindlicher reagierten als andere, zum Beispiel auf Geräusche. Krankhaft werde es dann, wenn sich Gedanken und Gespräche nur noch um das Ärgernis drehen und man sich ins «Rechthaben» verbeisst: «Dann muss man loszulassen versuchen. Oder erkennen, dass man anderswo wohl glücklicher wäre – und umziehen.»


Variante C: Sie finden, dass der Rechtsstaat das regeln soll. Bei einer Zivilklage gegen Ihren Nachbarn landen Sie zuerst vor dem Friedensrichter. Etwa jeder zehnte Fall, den der oberste Schweizer Friedensrichter Stefan Brunner behandelt, dreht sich um die Nachbarschaft. «Im Sommer treten vermehrt Konflikte auf», bestätigt er. Zu Klagen führen dann meist Streitereien rund um übermässige Immissionen, zu hohe Pflanzen und verletzte Grenzabstände. Je früher es zu einer Aussprache komme, desto besser. Dabei würden die Argumente beider Parteien berücksichtigt. Immerhin: In Stefan Brunners Schlichtungsverfahren lassen sich rund 85 Prozent aller Nachbarschaftskonflikte lösen. «Unser Ziel ist immer eine Einigung – ein langes und teures Gerichtsverfahren verhärtet die Fronten bloss.»

Bist du gut auf deine Nachbarn zu sprechen?

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