14. Dezember 2017

10 Tage, 10 Tipps

Der Countdown bis Heilig Abend läuft. Mit diesen Tipps überlebst du Harmoniezwang und Vorbereitungswahn stressfrei.

Die ganze Familie unter dem Christbaum: Das kann Stress bedeuten – im Vorfeld und an Weihnachten
Die ganze erweiterte Familie unter dem Christbaum: Das kann Stress bedeuten – im Vorfeld und an Weihnachten. (Bild: Pixabay.com)
Lesezeit 4 Minuten

1. Adventskalender organisieren, Menüs planen, Guetsli backen, Geschenke kaufen: Kann man den Endspurt vor Weihnachten überhaupt entspannt gestalten?

Definitiv! Entscheidend ist, eine entspannte innere Haltung zu finden. Wichtig sind jetzt alte Rituale, Bräuche und Werte – etwa, dass man das gemeinsame Adventssingen am Sonntagabend zusammen pflegt. Rituale schaffen Raum für Entspannung und geben Halt.

2. Eltern und Schwiegereltern wollen uns an Heilig Abend sehen, und die Geschwister laden uns an den Feiertagen ein. Eigentlich wollen wir aber auch mal einen Tag lang nur zu Hause rumhängen. Was tun?

Unbedingt die Erwartungen der jeweiligen Familienmitglieder ansprechen, wahrnehmen und überprüfen, ob sie auch erfüllbar sind. Unausgesprochene Erwartungen sorgen für Enttäuschungen. Wichtig ist, dass jeder sich mitteilen kann und das Gefühl hat, gehört zu werden. Es braucht also Redekultur und Achtsamkeit. Die Kernfamilie – Eltern und Kinder – sollte im Plenum festlegen, wie man mit den Grosseltern und Verwandtschaftsbesuchen umgeht. Die Bedürfnisse der anderen soll man nur erfüllen, wenn man dabei ein gutes Gefühl hat. Weihnachten ist für die Kernfamilie da und dafür, dass sie ihre Verbindung untereinander pflegt.

3. Ergibt es Sinn, die Kinder im Vorfeld der Festtage zu briefen: Tischmanieren, Danke sagen, nicht dreinreden, den Eltern helfen?

Nein, es ist sinnlos, die Kinder für einen Tag mit der Welt der Erwachsenen zu konfrontieren, wenn man dies während des Rests des Jahres für unwichtig hält. Immerhin ist Weihnachten aus Sicht der Kinder der schönste Tag des Jahres. Und diesen möchten sie bestimmt nicht mit dem Gefühl verbringen, präsentiert zu werden, es anderen recht zu machen und funktionieren zu müssen. Damit bürdet man den Kleinen auch eine Last auf, denn: Was, wenn sie sich danebenbenehmen und es Streit gibt? Sind sie dann dafür verantwortlich? Sind es nicht eher die Eltern, die an ihren Idealen festhalten und die Kinder für diesen einen Abend vorführen wollen?

4. Wie reduziere ich meinen hausgemachten Erwartungsdruck und Stress?

Erwartungen bergen die Gefahr von Enttäuschungen. Das Einzige, was dabei hilft: eine dankbare Haltung. Wann immer wir an irgendetwas denken, wofür wir dankbar sind, haben Enttäuschung und Stress keine Chance. Wenn wir Dankbarkeit empfinden, verändert sich tatsächlich die Biochemie in unserem Körper: Wir senden weniger Stresshormone aus und produzieren mehr Serotonin, also Glückshormone.

5. Müssen die Kinder unbedingt auf der Flöte oder dem Klavier etwas vorbereiten und einen Spruch auswendig lernen?

Nur wenn sie das auch von sich aus wollen. Klar, ein Lied zu singen oder ein Stück vorzuspielen, ermutigt Kinder. Generell gilt: Kinder lernen am besten, was ihnen vorgelebt, und nicht, was von ihnen nur verlangt wird. Im Idealfall gelingt es Eltern, einem Kind beizubringen, dass es Spass machen kann, einen Beitrag zu leisten. Es sieht dann, dass es andere glücklich macht. Und dann hat es die Chance, ein Mensch zu werden, der eigenverantwortlich handelt.

6. Was, wenn die Kinder keine Lust oder kein Talent haben, Geschenke selber zu basteln?

Frag sie, woran das liegt. Kinder haben meist dann keine Lust zu basteln, wenn sie es tun müssen oder wenn sie allein dafür verantwortlich sind, kreativ zu sein. Das Beste ist, sich gemeinsam mit ihnen hinzusetzen und mit ihnen etwas zu basteln, worauf sie Lust haben. So haben alle etwas davon.

7. Wie gehe ich mit Spannungen während der Feier und Festtage um?

Indem man potentiell belastende Themen vorab bespricht und klärt. Meist kommt es an Weihnachten nur zu Streitigkeiten, weil das ganze Jahr runtergeschluckt wurde, was einem nicht «geschmeckt» hat – alles an Emotionen und Gefühlen. Ein Trick, der Wunder wirkt: Hat man Groll in sich, schreibt man diesen in einem Brief nieder. Dieses Schreiben sendet man aber nicht ab, sondern legt es ins Gefrierfach, also sprichwörtlich auf Eis.

8. Damit Meinungsverschiedenheiten nicht ausufern, wie sorge ich für Harmonie am Tisch?

Ich empfehle, mit einer friedvollen inneren Haltung an den Tisch zu gehen. Am besten legt man den Fokus darauf, über Gemeinsamkeiten zu sprechen. Dabei hilft es, vorher eine kurze Liste zu machen, mit all den Dingen, die die anderen interessieren. Damit haben alle am Tisch das Gefühl, wichtig zu sein.

9. Was mache ich am Fest mit bockigen Teenagern?

Das Beste, was wir tun können: ihnen als Mentoren und Freunde zu begegnen und nicht mehr als Erziehungsberechtigte. Teenager wollen ernst und wahrgenommen werden. Also: zuhören, sich für sie und ihre Meinung ernsthaft interessieren! Nähe aufbauen! Teenager noch erziehen zu wollen, geht meistens schief, denn darauf reagieren sie bockig. Sie sind dabei, erwachsen zu werden, und das geht nur, wenn man ihnen Verantwortungsfelder anvertraut.

10. Darf mein Kind der Oma oder Tante sagen, dass es das Geschenk doof findet?

Das hat zwei Seiten: Wir müssen Kinder dazu ermutigen, in ihrer Natürlichkeit offen und ehrlich zu bleiben. Aber sie sollen auch lernen, ab einem bestimmten Alter wahrzunehmen, welche Wirkung diese Ehrlichkeit auf ihr Gegenüber hat. Ein dreijähriges Kind sollte nicht getadelt werden. Im besten Fall zeigt die Tante so viel Selbstreflexion, dass sie sagt: «Mein Schatz, was gefällt dir daran nicht? Schau mal, ich zeig dir, wie wir damit gemeinsam spielen können.» Das ermutigt das Kind und lässt es einen anderen Blickwinkel auf das Geschenk einnehmen. 12-jährige Kinder darf man ruhig darauf aufmerksam machen, dass eine solche Aussage mit den Gefühlen des anderen etwas macht. Wenn sie selber darüber nachdenken, ist es nachhaltiger, als wenn wir es nur predigen.

Katharina Pommer (37) ist Psychotherapeutin HPG, Antistressexpertin und Patchworkmama in Erlangen (D).


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