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Sexuelle Gewalt: Frauen haben genug

Aggressive Anmache, Begrapschen, sexuelle Übergriffe: Jede fünfte Frau in der Schweiz macht solche Erfahrungen. Stellvertretend für die vielen Betroffenen erzählen 24 Frauen über ihre Erlebnisse mit dreisten Männern.

Es passiert im Tram, im Einkaufszentrum, im Club, am helllichten Tag, bei der nächtlichen Heimkehr oder auf dem Weg zur Arbeit. Und es passiert jeder fünften Frau in der Schweiz: sexualisierte Gewalt. Ihre Formen sind zahlreich und gehen von Beschimpfungen bis zu tätlichen Übergriffen. Mit den Vorfällen in Köln gerieten die Attacken im öffentlichen Raum schlagartig ins Bewusstsein der breiten Bevölkerung. Sie sind kein durch Migration importiertes Problem. Doch sie sind für viele Frauen in der Schweiz Alltag.

Viele Frauen schweigen

Dennoch wird das Thema nur selten öffentlich diskutiert. Viele Frauen verschweigen das Geschehene. Aus Angst, Selbstschutz oder Scham. Und Medien berichten oft nur über die «spektakulären Fälle». Doch es sind keine Fälle, es sind Menschen. Zum Beispiel Sonia Bischoff, die in einem verriegelten Auto von einem Taxifahrer bedrängt wurde. Nataly Baumgartner, die als Minderjährige beim Warten auf den Zug von einem entblössten 50-Jährigen flüchtete. Michelle Feer, die sich an einem Festival von einem Mann losreissen musste. Zusammen mit anderen Frauen erzählen sie hier ihre Geschichten – repräsen­tativ für viele, die sonst kaum Gehör finden. Der Welt­frauentag, der am 8.März stattfindet, ist ein guter Anlass dafür.

Die Schuldfrage ist dabei allgegenwärtig: Hätte ich es verhindern können? Warum habe ich mich nicht gewehrt? Diese Fragen stellen sich die meisten betroffenen Frauen. Eine Haltung, die durch das gesellschaftlich etablierte, sogenannte «Victim Blaming» gefördert wird: Die Schuld wird den Opfern zugeschrieben, nicht den Tätern. «Frauen verzichten oft auf eine Anzeige, weil ein hohes Risiko besteht, dass ihnen die Schuld zugewiesen wird, etwa zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein, die falsche Kleidung angehabt zu haben, zu betrunken gewesen zu sein», sagt die Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach im Interview. Oft stehe auch Aussage gegen Aussage: «Wir wissen, dass vielen deshalb von einer Anzeige abgeraten wird.»

Wagen die Frauen dennoch den Gang an das Gericht oder an die Öffentlichkeit, erwarten sie weitere Demütigungen und Zweifel an ihren Geschichten. Die Konsequenzen sind bedenklich: Viele Betroffene begleitet das Erlebte ein Leben lang, während bloss ein Bruchteil aller Täter angezeigt wird. Die Verurteilungsquote liegt bei rund drei Prozent. Sexuelle Gewalt ist somit ein beinahe straffreies Delikt.

Unterstützung fehlt von allen Seiten: den Behörden, der Gesellschaft, der Justiz. Als Folge haben Frauen gelernt, die Grenzüberschreitungen zu akzeptieren. Sie haben sich damit abgefunden, dass es normal ist, in einem Club ohne Einverständnis angefasst zu werden. Sie haben gelernt, nach Zurückweisung unerwünschter Avancen mit «Schlampen»-Zurufen zu leben. Doch sexualisierte Gewalt ist ein Problem, das die Gesellschaft nicht länger als normal akzeptieren darf.

Meine damalige Freundin und ich küssten uns vor drei Jahren im Zug. Es war gegen 23 Uhr. Plötzlich kam ein Fremder um die 30 und machte uns an. Nach unserer Abweisung wurde er wütend. Die Mitfahrenden reagierten nicht. Er bedrohte uns schliesslich, ging ins nächste Abteil und masturbierte dort. Als wir ausstiegen, lief er uns nach und sprach Morddrohungen aus. Wir stiegen in ein Taxi. Er schlug auf die Fensterscheibe ein.
Geneva Moser (27), Bern

Das erste Mal, als ich sexuell belästigt wurde, war ich zwölf Jahre alt. Ich war auf dem Weg zum Gitarrenunterricht im Friesenberg. Am Goldbrunnenplatz stieg ich in einen Bus der Linie 32 ein. Ein Mann um die 50 nutzte die Gelegenheit, um meine kaum vorhandenen Brüste unter meinem weiten Pullover zu befummeln. Mit beiden Händen. Dabei zwinkerte er mir zu. Es war widerlich. Und der Typ lächelte nur.
Sabrina Ben Salah (41), Zürich

Es passierte vor einem Monat an der Langstrasse. Ich war mit Freundinnen unterwegs. Wir begannen, mit einer Gruppe von Männern zu reden. Als ich auf die Toilette wollte, folgte mir einer der Männer. Ich denke, er war so Mitte 20. Glücklicherweise merkte es der Barbesitzer und kam herunter. Es hätte blöd enden können, ich hatte ja mein Handy nicht dabei und war im unteren Stock. Mich hätte niemand gehört.
Tiba Ponnuthurai (19), Wädenswil ZH

Wegen meines grossen Busens hatten viele Männer das Gefühl, sie könnten mich anfassen. In diesen Momenten war ich jeweils total blockiert. Es ist mein Körper. Da erwartet man nicht, dass andere sich die Freiheit nehmen, ihn anzufassen. Zum Glück kümmerte sich meine Schwester um diese Typen. Sie wurde auch schon handgreiflich. Doch Bemerkungen gab es ständig. Mit 14 rief mir einer an einem Badetag am See «geile Titten» zu.
Nina Basso (24), Zürich-Seebach

Vor fünf Jahren wurde ich an einem kleinen Bahnhof im Thurgau von einem Mann um die 50 angestarrt. Er lief etwa zehn Mal an mir vorbei. Beim letzten Mal sah ich, dass sein Reissverschluss offen war und er sein Geschlechtsteil in der Hand hatte. Ich nahm mein Handy aus der Tasche und wollte meine Eltern anrufen. In diesem Moment rannte er weg. Ich meldete den Vorfall der Polizei. Ich wollte nicht, dass das noch einem Mädchen passiert.
Nataly Baumgartner (22), Sirnach TG

Auf dem Heimweg von einem Studi-Job traf ich in einer Passage auf zwei Männer. Der eine tippte den anderen an und zeigte in meine Richtung. Als ich an ihnen vorbeiging, packte mich der eine und drückte mich an die Wand. Der andere langte mir in die Hosen. Ich dachte, wenn ich mich wehre, habe ich ein Messer im Rücken. Schliesslich trat ich dem einen zwischen die Beine. Ich riss mich los und rannte zum Auto, wo ich nur noch weinte.
Tanja Bircher (28), Schaffhausen

Im Dezember 2014 kehrte ich gegen vier Uhr morgens vom Ausgang nach Hause zurück. Bei der Zürcher Bäckeranlage merkte ich, dass mir einer folgte. Ich wechselte die Strassenseite. Er wechselte sie auch. Ich suchte meinen Schlüssel, da packte er mich und versuchte, mich in den Park zu ziehen. Mein Adrenalin-pegel stieg sofort. Als ich versuchte, mich loszukämpfen, liess er sofort los. Ich rief meine Mutter an.
Nadja Brenneisen (24), Zürich

Ich war 24 und musste unbedingt pünktlich bei der Arbeit erscheinen. Der Taxifahrer war gegen 60, ein Schweizer mit Bierranzen und Ländlermusik im Radio. Ich erzählte ihm, warum ich nicht den Zug nehme. Plötzlich sagte er, ich könne auch mit Sex bezahlen. Er fuhr immer schneller, die Tür war verriegelt, seine Hand auf meinem Oberschenkel. Als ich ihm mit erfundenen Mafiakontakten drohte, liess er mich raus. Ich blieb vier Tage zu Hause, unter Schock.
Sonia Bischoff (41), Zürich

Es war letzten Herbst in Kleinbasel. Ich wartete mit einer Freundin aufs Tram. Da kam ein Mann daher: ziemlich aufgeladen und sehr zugedröhnt. Man hörte ihn bereits von weit her herumgrölen. Er sprach uns schliesslich an und fragte: «Wollt ihr ficken?» Wir schauten weg. Er liess nicht locker, öffnete seinen Hosenladen, zog seinen Penis heraus. Ich stand auf und sagte ihm, er solle verschwinden. Dann zog er zum grossen Glück endlich weiter.
Seraina Degen (29), Basel

Als ich acht Jahre alt war, griff mir ein Mann in der Badi zwischen die Beine. Ich realisierte das erst Jahre später. Aufgehört haben die Belästigungen nie. Als Erwachsene wurde mir zahlreiche Male an Festivals oder in Clubs an den Hintern gefasst. Das ist traurigerweise normal geworden. Einmal liess mich einer nicht los und klammerte sich gewaltsam an mich. Das überforderte mich enorm, da ich extrem schüchtern war. Ich denke, heute würde ich mich wehren.
Michelle Feer (25), Winterthur ZH

Im Ausgang gehören sexuelle Belästigungen zum Alltag. An meinem 16. Geburtstag griff mir erstmals ein Mann zwischen die Beine. Ich konnte gar nicht reagieren. Man sagt, ein Mensch reagiere bei Bedrohungen wie ein Tier: entweder mit Flucht, Angriff oder Totstellen. Der Schock, der einen lähmt, das ist das Totstellen. Und es macht die Sache besonders schlimm, weil sie einen ohnmächtig macht. Und weil Männer dann einfach davonkommen.
A. S. (26), Lausanne

Ich ging nach dem Ausgang vom Zürcher Hardplatz aus Richtung Güterbahnhof, als auf einmal ein Auto ganz langsam neben mir her fuhr. Ich erkannte einen Mann darin, er glotzte mich an. Ich war genervt und zeigte ihm den Stinkefinger. Ein Fehler. Er hielt 30 Meter vor mir an. Ich geriet in Panik. Zum Glück konnte ich ein anderes Auto anhalten und mir so Hilfe holen. Der andere fuhr weg. Ich weiss nicht, was sonst passiert wäre.
Linda Landolt (30), Zürich

Ich war 20 Jahre alt und ging in den damaligen Zürcher Club Alte Börse in den Ausgang. Bei der Garderobe griff mir ein Typ zwischen die Beine unter die Unterhosen. Ich drehte mich um, aber ich konnte niemanden als
Täter identifizieren. Es schaute niemand hin. Alle taten so, als wären sie in ein Gespräch verwickelt. Ich war enorm erschrocken – so fest, dass ich gar nichts mehr machen konnte.
Sarah Basso (26), Zürich Seebach

Im Sommer 2013 besuchte ich mit meiner Mutter ein Open-Air-Kino. Ein älterer Mann setzte sich neben mich. In der zweiten Hälfte des Films wurde es kühl. Ich wollte meine Jacke anziehen, die zusammen mit meiner Tasche auf dem Schoss lag. Da sah ich seine Hand auf dem Oberschenkel. Ich hatte sie wegen des Gewichts der Tasche nicht gespürt und wischte sie sofort weg. Für mich war am schlimmsten, dass ich nicht wusste, wie lange seine Hand schon da war.
Flavia Caroni (24), Bern

Sexuelle Belästigung erfuhr ich von Männern, die ihre Machtposition ausnutzten. Vor etwa 15 Jahren wollte mein Chefredaktor bei einem Apéro in einer Bar mit mir flirten. Nicht mein Typ, nicht mein Alter. Er kam ganz nahe an mich ran und spielte mit seiner Zunge herum. Die anderen am Tisch grinsten nur blöd, als wärs ein Witz gewesen. Als ich ihn wegstiess, wurde er sauer. Nach diesem Vorfall wurde ich bei der Arbeit schlechter behandelt.
S. C. (50), Filzbach GL

Ich war Mitte Februar an einem Samstag mit einer Kollegin im Ausgang. Danach setzten wir uns noch auf eine Bank und redeten ein bisschen. Da hörten wir ein Stöhnen. Plötzlich entdeckten wir einen Mann auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Er war am Masturbieren. Als er sah, dass wir ihn entdeckt hatten, ging er fort. Ich war entsetzt und wütend. Man fühlt sich beschmutzt. Ich merke, dass mich solche Dinge immer feministischer machen.
R. T. (21), Winterthur ZH

Letzten Sommer sagte mir ein Velofahrer, mich «müsse man mal so richtig in den Arsch ficken». Bloss weil ich eine rote Ampel überfahren hatte. Es passierte in Bern bei der Grossen Schanze. Er fuhr mir danach noch nach und versuchte, mich an den Rand zu drängen. Schliesslich hielt ich an und liess ihn überholen. Mich irritierte, dass er so hasserfüllt war. Alle seine Beschimpfungen hatten irgendwelche Vergewaltigerphrasen drin.
U. Y. (35), Bern

Im letzten November kehrte ich nach dem Ausgang in St. Gallen nach Hause zurück. Plötzlich folgten mir etwa zehn jüngere Männer. Sie sagten, ich solle nicht so schnell laufen, ich käme eh nicht weg. Ich ging immer schneller, rannte schliesslich. Glücklicherweise bogen sie dann ab. Das war nicht die einzige Belästigung. Im Club betatscht zu werden, ist schon fast Alltag – auch dass viele Männer ein Nein nicht akzeptieren, einen auslachen und als öde Feministin beschimpfen.
N. K. (21), St. Gallen

Mit 16 hatte ich bereits Körbchengrösse F. Im Ausgang wurde ich oft gefragt, ob ich nicht Lust auf ein Abenteuer hätte. Ich würde nämlich so aussehen. Ich war damals noch Jungfrau, aber betrachtet wurde ich als Sexobjekt. Kurz vor meiner Brustverkleinerungsoperation vor sieben Jahren traf ich einen alten Freund im Club. Als ich seinen Kollegen bat, ein Foto von uns zwei zu machen, platzierte der Kollege die Hand meines Freundes an meine Brust.
N. M. (26), Zufikon AG

Vor vier Jahren ging ich einmal vom Bahnhof St. Gallen aus allein nach Hause Richtung Silberturm. Beim Stadttheater kam mir einer entgegen und lief neben mir her. Irgendwann packte er mich und versuchte, mich zu küssen. Ich schrie und wehrte mich. Zwei Mal schlug er mich mit seinem Schirm ins Gesicht. Ich konnte mit meinem Handy in der Tasche heimlich meine Freundinnen anrufen. Schliesslich konnte ich mich losreissen und wegrennen.
D. G. (23), St. Gallen

Ich wurde im ÖV unzählige Male begrapscht. Das Schlimmste war jeweils die Reaktion der Mitreisenden: diese Mischung aus Verachtung und Ekel, die das Opfer miteinschliesst. Das sind die alltäglichen Übergriffe. Dazu kommen die aggressiven Übergriffe. Männer, meist zu zweit, sprechen dich im Vorbeigehen an, schon in Erwartung, dass du ablehnen wirst, um dann eine Hasstirade gegen dich loszulassen. Das geht von «verdammte Rassistin» bis «frigide Emanze».
C. C. (39), Zürich

Es passierte vor vier Jahren. Ich war im Tram von der Schaufelbergerstrasse zum Goldbrunnenplatz unterwegs und stieg ganz hinten ein. Alle anderen waren im vorderen Teil. Bis auf einen Mann um die 50. Da merkte ich, warum alle vorne sassen. Ich hörte ein seltsames Geräusch. Als ich hinüberschaute, sah ich, dass er sich selber befriedigte. Ich war total erstaunt und sagte ihm, er solle seinen Penis wieder einpacken. Er sagte, er sei gleich fertig. Total irre.
R. B. (23), Zürich

Im letzten Dezember stieg ich um sieben Uhr morgens in den Zug und war allein im Wagen. Ein Mann stieg zu, sah mich, setzte sich dann ins Abteil schräg gegenüber. Danach schlief ich ein. Als ich das nächste Mal aufwachte, sah ich, dass er sich entblösst hatte. Ich war schockiert und fragte mich zuerst, ob ich das bloss geträumt hatte. Heute bereue ich, dass ich nicht gehandelt und das Zugpersonal informiert habe.
L. B. (24), Muri AG

Ich war 20 und besuchte ein Open Air. Mitten in der Nacht spürte ich eine Hand an meinem Hals. Ich schreckte auf und sah, dass ein Mann neben mir kniete. Er griff nach meinen Handgelenken und hielt mich fest. Ich schrie. Ich höre es noch heute. Es hörte sich fremd an. Irgendwann liess er mich los und flüchtete. Kein Mensch reagierte. Und als ich meine Freundin im Zelt nebenan weckte, meinte sie bloss, er käme bestimmt nicht zurück.
N. M. (27), Bern

 

Erschienen in MM-Ausgabe 10
7. März 2016

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84 Kommentare

Lya Kitesch [Gast]

Geschrieben am
19. März 2016

Manche können nur schwer aushalten, wenn es in einem Artikel um Frauen geht und nicht um die Probleme der Männer. Ist in etwa wie mit den üblichen Leserkommentaren andernorts. Schreib nen Artikel über ein Problem, dass Frauen haben und es ist unmöglich, dass es dabei bleibt. Nein, stattdessen wird die Kommentarspalte gekapert, plötzlich sieht man überall nur noch verdrehten Sexismus, umgekehrten Rassismus, ausgehungerte Alimente Zahler, Rentner mit schrecklich kurzer Lebenserwartung, gefälschte Statistiken, zensierte Beiträge, bestechliche Bundesräte, korrupte Gleichstellungsbeauftragte, ominöse Links zu bestimmt wahrheitsgetreuen und seriösen Youtube Videos und natürlich die Opfer der Militärpflicht.

Diese an sich bestimmt interessanten Themen haben da jedoch meist nichts verloren. Nicht, weil sie keine Daseinsberechtigung hätten. Doch weil sie in diesem Fall nur dazu dienen, das Gespräch wieder in eine andere Richtung zu lenken. Die berühmte "Es gibt wichtigere Dinge, die man ZUERST machen muss" - Taktik.

Man muss erkennen, wann die Plattform gegeben ist. Bei so einem Artikel reinzuplatzen, wütend um sich zu rufen und jedem Anwesenden Zensur und sonstwas anzukreiden, ist wohl weder förderlich, noch anständig.
Nein, es ist etwa so passend, wie wenn man an eine Spendenveranstaltung für Lungenkrebs geht um die Leute dort anzuschimpfen, dass auch Leute an Darmkrebs sterben und dann gleich noch von den Anwesenden Statistiken zu verlangen, sie der Lüge zu bezichtigen, ihre Anliegen als wertlos abzutun und sie dann noch wegen gemeinsamer Verschwörung anzuschuldigen.

Ich denke, dass wirklich die meisten Frauen hier eine grosse Geduld mitbringen und sich sogar gerne die Zeit nehmen, Fragen zu erklären, sofern man fragt.
Und ich denke, dieser Artikel hat auch unter den meisten Frauen einen grossen Anklang gefunden, gerade WEIL einem diese Geschichten so bekannt vorkommen.
Es ist etwa wie beim #Aufschrei und der Seite "Alltags Sexismus", wo man seine Story anonym posten konnte. Was da alles zusammenkam...
Die Hälfte davon hätte ich ausdrucken und zu meiner persönlichen Autobiografie zusammenfassen können, so ähnlich waren sich zum Teil die Geschichten.

Am bedenklichsten ist immer die Frage: Wo sind diese Männer?
Jede hat schon mehr als einmal sowas erlebt, viele Schlimmes, einige Schlimmeres. Und immer verschwinden die Täter gewissermassen wieder spurlos in der Masse der Gesellschaft. Nicht unbedingt wortwörtlich, sondern sozial. Sie werden wieder zu Freunden, Vätern, Kumpels, Ehemännern, Söhnen. Sie werden wieder geschätzt von ihren Arbeitskollegen, geküsst von ihren Liebsten, gelobt vom Chef. Bezahlen pünktlich die Rechnung, essen einmal im Monat beim Chinesen, kriegen den Weinfleck nicht aus dem Hemd. Sie haben diese kleinen Macken, lassen die Milch offen stehen, streicheln auf dem Arbeitsweg immer die Katze, weil sie als Kind mal eine hatten.

Völlig normal. Und das macht es unheimlich.
Also hört auf so zu tun, als wären Täter nur Unmenschen, die nach der Tat wieder im dichten Nebel verschwinden aus dem sie gekommen sind. Es sind auch nicht eine Handvoll oder ein paar Dutzend. Es ist auch nicht einer speziellen Bevölkerungsgruppe, einem Alter oder dem Stand nachzuweisen.

Sie sind unter uns und meistens normal. Auch würden sich die wenigsten Täter selbst als Täter sehen, oder gar als grundböse.
Aber irgendwoher (und WOHER, dazu gibt es genug Ideen) tun normale Männer diese Dinge, fühlen sich dabei nicht speziell böse oder schuldig, würden oft nichts Falsches vermuten.
Es ist das reine Gefühl, dass das was sie tun, okay ist. Es ist die laute Bestätigung von Freunden, das Wegsehen der Gesellschaft, das Schweigen der Frau, das Achselzucken anderer Männer.

Solche Artikel sind wichtig. Sie sind eine wichtige und zu respektierende Plattform. Ebenso wie all die Frauen die den Mut haben, Missstände anzuprangern und Erlebtes zu schildern.
Sexuelle Gewalt muss nicht zum Leben gehören, muss kein Teil davon sein.
Aber dafür muss eben was getan werden. Und darum nervt es, wenn Leute immer wieder vom Thema ablenken wollen und Gespräche dazu kapern und untergraben.

Tina Smith [Gast]

Geschrieben am
14. März 2016

Der Artikel über sexuelle Belästigung hat mich sehr erschüttert. Ich las den Text eigentlich aus Neugier, um dann festzustellen, dass mir diverse Situation sehr bekannt vorkommen. Wow - ich war mir nicht bewusst, dass ich mehrfach Opfer von Straftaten geworden bin. Offensichtlich sind wir Frauen gesetzlich geschützt und nutzen die Möglichkeit, uns zu wehren praktisch nicht. Das muss sich ändern! Fertig mit tot stellen und Flucht! Von jetzt an zücken wir Kamera und Pfefferspray und erheben die Stimme gegen diese ungehobelten Typen. DANKE für diese Aufklärung. Ich werde auch meine Tochter entsprechend darauf vorbereiten...
PS. Zur Zeit treibt ein Exhibitionist im Tram im Zürcher Seefeld sein Unwesen. Ich habe ihn schon zwei Mal gesehen. Das nächste Mal werde ich ihn fotografieren und anzeigen.

Doris Däster [Gast]

Geschrieben am
14. März 2016

Ich ärgere mich immer wieder über die Nackedeis, die auf der Frontseite des "Blick" in der Rubrik "Heute bin ich ein Star" zur Schau gestellt werden. Es wundert nicht, wenn diese Frauen mit ihren naiven Auftritten den Eindruck leicht käuflicher Ware erwecken und sich dieses Bild bei speziellen Charakteren auf die gesamte Frauenwelt erstreckt, mit bekannten Konsequenzen.

 

Fiona Lüthi [Gast]

Geschrieben am
15. März 2016

Das mag sein, aber ist das die Schuld irgend einer jungen Frau, die im Bus begrapscht wird? Ich finde diese Argumentation zu einfach. Und ich denke auch nicht, dass man respektlose Männer und ihr Handeln verteidigen muss.

 

La Perla [Gast]

Geschrieben am
17. März 2016

Und schon wieder sind die Frauen selber schuld an ihrem Tun... Denn die Männer können ihr Testosteron dank der Seite 3 Girls des Blickes einfach nicht unter Kontrolle halten. Ja, da muss die Burka her, da sonst ein roter Lippenstift zu Triebstörungen führen könnte...

 

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