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2500 Franken für alle

Das bedingungslose Grundeinkommen soll allen Menschen in der Schweiz monatlich 2500 Franken garantieren. Dadurch steigen Chancengleichheit und Selbstbestimmung, sagen Befürworter. Gegner fürchten, dass der Anreiz zum Arbeiten wegfällt.

Die Volksinitiative ist mit über 130'000 Unterschriften zustande gekommen. Stimmberechtigte dürfen bis spätestens im Jahr 2017 Ja oder Nein zum bedingungslosen Grundeinkommen sagen – also zu garantierten 2500 Franken Einkommen im Monat für alle Menschen in der Schweiz. Würden Sie noch arbeiten oder sich faulenzend in die Hängematte legen? Über die Antwort auf diese Frage streiten sich Befürworter und Gegner des bedingungslosen Grundeinkommens am heftigsten.

Lohn vom Staat: Pro und Kontra

Ein Teil des Lohns aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Schweiz würde neu vom Staat getragen. Darüber hinaus erhielten alle Kinder, Erwerbslosen, Studenten und Kranken bis zu 2500 Franken im Monat überwiesen. So die Idee der Volksinitiative «Bedingungsloses Grundeinkommen». Sie schaffe Gleichberechtigung zwischen den Menschen. Es gebe keine Ausgrenzungen mehr, nur weil jemand keine Stelle habe. Die Lebensqualität in der Schweiz steige weiter an, ebenso die Solidarität in der Gesellschaft. Zudem würde Haus- und Familienarbeit gerecht entlöhnt. Weil das bedingungslose Grundeinkommen das Existenzminimum sichere, entstünden Freiräume für Flexibilität, eigene Ideen und gemeinnützige Tätigkeiten.

«Alles falsch!», sagen Gegner der Idee. Sie setze wesentliche Grundwerte der Schweiz ausser Kraft: Zum Beispiel den Zusammenhang von Freiheit und Eigenverantwortung sowie von Leistung und Entlöhnung. Das sorge dafür, dass niemand mehr arbeiten gehe, und die meisten nur noch faul herumliegen würden. Menschen müssten eine Leistung erbringen, dafür bezahlt werden und sich ihr Auskommen − und allenfalls das ihrer Familien − selbst finanzieren. Eigenverantwortung sei ein wichtiges Gut in der Schweiz, und wer seinen Lebensunterhalt nicht verdienen könne, werde durch das Sozialnetz aufgefangen. Ausserdem könnte die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens zu einer restriktiveren Ausländerpolitik führen, da die Schweiz damit für Zuwanderer attraktiver würde.

Warum 2500 Franken und wer zahlt das?

Die Initianten erwähnen immer diesen Betrag, sehen die 2500 Franken als Diskussionsgrundlage. Wirklich sakrosankt ist die Summe nicht: «Die Festlegung der genauen Höhe erfolgt erst in einem zweiten Schritt. Darüber entscheidet das Volk nach Annahme der Initiative.» Finanziert werden soll das Grundeinkommen − oder jährlich rund 200 Milliarden Franken (gerechnet mit 2500 Franken pro Erwachsenem und 650 Franken pro Kind) − grösstenteils mit der Umschichtung bestehender Gelder:

− Etwa 110 Milliarden Franken stammen aus bisherigen Löhnen. Das Grundeinkommen wird nicht zu den bisherigen Gehältern dazugezählt, sondern ersetzt einen Teil davon. Unternehmen zahlen den eingesparten Betrag an den Bund.
− 60 Milliarden werden aus den überflüssig gewordenen Sozialleistungen finanziert. AHV-Zahlungen, Arbeitslosengeld oder Stipendien für Studenten werden auch hinfällig.
− Die fehlenden 30 Milliarden sollen aus der Einführung oder der Erhöhung einer Steuer stammen. Sie könnten etwa über einen erhöhten Mehrwertsteuersatzes eingenommen werden.

Fazit: Es bleibt die Ungewissheit

Würde sich die Gesellschaft stärker solidarisieren, oder das Gegenteil drohen? Bleibt die Motivation, auch ungeliebte Arbeiten zu erledigen, oder legt sich die Mehrheit auf die faule Haut? Profitiert die Schweizer Wirtschaft vom Innovationsgeist der Menschen, die nicht mehr um ihre Existenz fürchten müssen, oder lähmt es sie, wenn viele nur noch machen, was ihnen gefällt?

Keine dieser Fragen lässt sich abschliessend beantworten. Es fehlen die Erfahrungswerte, weil heute kein Land dieser Erde mit einem vergleichbaren Lohnmodell operiert. Deshalb kommen Sie ins Spiel: Wie würden Sie auf ein bedingungsloses Grundeinkommen reagieren? Stimmen Sie in der Umfrage auf der rechten Seite ab und hinterlassen Sie einen Kommentar mit Ihren Gedanken zur Initiative.

 

Erschienen in MM-Ausgabe 31
29. Juli 2013

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128 Kommentare

S Wyser [Gast]

Geschrieben am
14. März 2016

Dieses Grundeinkommen sollte nur denen ausbezahlt werden wo aus einem guten Grund nicht arbeiten gehen können. Und vor allem den lieben Frauen die zu Hause bleiben wollen/müssen für die Kinder. Es würden viel mehr Kinder geben, wenn es in der Schweiz nicht so beschi**en geregelt wäre. 2500Fr für alle??? Nein!!! Lohn für Hausarbeit, Gemeinnützigearbeit, Elternarbeit und um wärend des Studiums über die runden zu kommen.

B Berbati [Gast]

Geschrieben am
17. Januar 2016

Ist machbar super Idee Mann lebt einmal und ich werde weiterhin Arbeiten

Gallus Huber-Keller

Geschrieben am
26. Juni 2015

Es wäre schön, wenn uns alten die nur AHV erhalten, endlich eine höhere Rente zugestanden würde, weil wir keine Pension haben.
Pensionen wurden in den KMUS erst später eingeführt und bei jedem Wechsel der Arbeits-Stelle wurden nur die selbst einbezahlten Beträge mitgegeben . Was dazu führte , dass meistens eine Umwandlung in eine Rente nicht mal für Fr.100.- reichte, und deshalb meistens Als Kapital ausbezahlt wurden. Zu wenig um die Jahre nach der Pension geniessen zu können .Zu viel zum Sterben , zu wenig zum Leben. Gruss G.H

 

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