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Der falsche «Teddybär»

Welches war Ihr erster Musikbesitz, und weshalb erinnern Sie sich noch daran? Mehr als 50 Musikfans folgten unserem Aufruf und erzählten die persönliche Geschichte ihrer ersten Platte online. Für die drei originellsten Erinnerungen gab es drei Musik-Gutscheine. Alle Leserbekenntnisse, die uns per Kommentar erreicht haben, finden Sie unten auf dieser Site.

Angelika Hepting, die Gewinnerin des ersten Preises, eines 100-Franken-Gutscheins von Ex Libris, kam als Siebenjährige durch eine amüsante Verwechslung zu ihrer ersten Single. Der zweitplatzierte Hansruedi Aeschbacher verdiente sich den Ex-Libris-Gutschein von 50 Franken mit einer Rarität — einer Single, auf der die Beatles auf Deutsch singen. Gero Pfluger auf Platz drei bekennt sich als «DJ der ersten Stunde».

1. Angelika Hepting:

«Sieben Jahre alt war ich, die Familie war eben in die Innerschweiz gezogen, und wir hatten einen nigelnagelneuen Plattenspieler. Von meinem Geburtstagsgeld durfte ich mir eine Märchenplatte kaufen. Damals war ich sehr angetan von ‹Die drei Bären›. Auf der Suche danach stiess ich auf das ‹Teddybär›-Cover: ‹Klar, das ist das besagte Märchen›, sagte ich mir und berappte die Rumpelstilz-Single voller Stolz. Das musikalische Intro empfand ich als sehr lang, hätte aber nie zugegeben, dass ich einem Irrtum erlegen war. Die Single habe ich dann tage- und monatelang gehört. Noch heute wird mir warm, wenn ich den ‹Teddybär› höre. Was im Text ‹Kamasutra› und ‹französischs Müntschi› bedeuten, war mir nicht klar, aber das mit dem Tollen auf dem Teppich fand ich schon sehr erstrebenswert.»

2. Hansruedi Aeschbacher:

«Meine erste Single war ‹Komm, gib mir deine Hand› der Beatles. In der Schule war ich nicht der Beste, dafür derjenige, der stets prallgefüllte Single-Sammelalben mit Beatles-, Stones-, Kinks-, Hendrix- und Dave-Dee-Scheiben hatte und bei den Mädchen damit gut ankam — vermutlich aber nur deswegen. Jahre später habe ich Löli Hunderte von Singles weggeworfen, weil sie altmodisch waren. Vor einem Jahr habe ich die deutschsprachige Beatles-Platte an einer Börse wieder entdeckt. Sie hat mich ganze 95 Franken gekostet.»

3. Gero Pfluger:

«Neue Nadel einsetzen und die erste Schellackplatte, das Klavierkonzert Nr. 1 in b-Moll von Peter Tschaikowsky, auflegen. Mindestens einmal in der Woche gestaltete ich so mein persönliches Musikprogramm. Für die zweite Platte eine neue Nadel in den Tonabnehmer, so ging das beim Auflegen mit 78 Umdrehungen. Ich war der DJ der ersten Stunde. Die Nadeln wurden stufenweise verbessert: eine für zehn Platten – bis zum Diamanten, der praktisch unbeschränkt einsatzfähig ist. Ich sehe mich noch heute im Musikladen stehen: Die erste käuflich erworbene Schallplatte mit 45 Umdrehungen war ‹New Orleans Function› von Louis Armstrong. Eine neue Welt eröffnete sich mir in der Folge, bis zum heutigen Tag häufte sich eine Schallplattensammlung mit rund 1500 Tonträgern und 500 CD an.»

Weitere lustige, spannende und originelle Leserbekenntnisse finden Sie als Kommentare auf dieser Site.

 

Erschienen in MM-Ausgabe 43
22. Oktober 2012

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50 Kommentare

Julia Bhend

Geschrieben am
14. Oktober 2012

Durch meinen älteren Bruder bin ich zu der Single von Queen “Bohemian Rhapsody“ gelangt. (Es könnte im Jahre 1975 oder 1976 sein.)
Ich habe mich in den Sänger Freddie Mercury und seine Stimme sofort verliebt.
Der Schock sass sehr tief, als mir mein Bruder später mitteilte, dass „Freddie“ auf Männer steht.
Übrigens, dieses Lied fasziniert mich bis heute.)))

Michaela Stalder

Geschrieben am
12. Oktober 2012

Etwa um 1977 stach mir die Single "Ca plane pour moi" von Plastic Bertrand erst ins Auge und danach direkt ins Ohr. Zum einen, weil ich die Sex Pistols als Elfjährige noch nicht kannte, und zum andern, weil ich diese Single gleich gegenüber im ABM mit meinem Sackgeld für ein paar Franken erstehen konnte. Ich durfte damals als Elfjährige ja noch nicht alleine in die Stadt in den Szeneladen Atlantis gehen, wo es all die angesagten Scheiben gab. So wählte ich also im ABM gegenüber zwischen Rex Gildo und Roberto Blanco diesen Plastic Bertrand aus, wohl bereits ahnend, dass dieser Typ mit den new-wavigen Reissverschlüssen, den Sicherheitsnadeln und dem schnellen Rhythmus meine bald folgende pubertäre Rebellion musikalisch einläuten sollte. Er trat zwar relativ gesittet und Hitparaden-tauglich auf, hob sich aber dennoch erfrischend von der grossen Masse ab – und das gefiel. Später kamen dann doch die Sex Pistols, gefolgt von allem was im Punk und Hard Rock oder Heavy Metal Klang und Namen hatte. An viele der Songs kann ich mich kaum noch erinnern, aber das lüpfige "Ca plane pour moi" ist mir stets im Gedächtnis geblieben. Nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil der Song immer wieder mal gecovert wurde, unter anderem von The Bosshoss, und deshalb finden ihn sogar meine Kinder "kuul". Er wird also heute noch gelegentlich irgendwo und irgendwie gespielt – und wenn ich ihn höre, dann fühle ich mich kurzfristig wieder ein bisschen rebellisch...

Ruth Rüegg [Gast]

Geschrieben am
9. Oktober 2012

Mein besonderer Song war "Sloop John B". Diese Platte verbindet mich mit meiner Lehrzeit, ich habe sie von meinen Mitstiftinnen zum Geburtstag erhalten und den Song höre ich jetzt noch gerne!

 

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