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Belinda Bencic ‒ ein Winner für die Schweiz

Die 14-jährige Belinda Bencic aus Wollerau will die Nummer eins im Frauentennis werden. Die Voraussetzungen dafür sind gut: Trainiert wird sie von Melanie Molitor, der Mutter von Martina Hingis.

Poster von Martina Hingis, Maria Scharapowa und Ana Ivanovic hängen im Kinderzimmer — alles ehemalige Nummer-eins-Spielerinnen. Dazwischen klebt ein Foto, auf dem klein Belinda Roger Federer ehrfürchtig die Hand schüttelt.

Klein Belinda? Obwohl Belinda Bencic am 10. März erst ihren 15. Geburtstag feiert, ist die 1,72 Meter grosse Wollerauerin heute schon die beste Juniorin des Landes und die Nummer acht der Schweizer Tennisfrauen. Am Wochenende wurde sie erstmals zum Fed Cup, dem wichtigsten Wettbewerb für Nationalmannschaften im Damentennis, aufgeboten.

«Mein Ziel ist es, Tennisprofi zu werden. Und ich träume davon, später mal die Nummer eins der Welt zu sein», sagt sie selbstbewusst. Drei Mal pro Tag steht der Teenie für diesen Traum in der zwölf Grad kühlen Tennishalle. Belindas Aufschlag ist bereits jetzt 150 Kilometer pro Stunde schnell. Zum Vergleich: Den schnellsten Aufschlag bei den Frauen hat mit 207,6 Kilometer pro Stunde die Amerikanerin Venus Williams. Belinda Bencic ist ehrgeizig und weiss, dass sie Talent hat. Beim Nachmittagstraining von 14 Uhr bis 16 Uhr ist sie die Beste in der Halle, obwohl ihre Sparringpartner teilweise sogar mehrere Jahre älter sind.

Ihren Erfolg hat die 14-Jährige auch ihrem Vater Ivan Bencic (48) zu verdanken. «Im Januar 1997, vor der Geburt von Belinda, gewann Martina Hingis ihr erstes Grand-Slam-Turnier. Das war für mich der Auslöser, um mit meinen Kindern Tennis zu spielen», erinnert er sich. Ivan Bencic, dessen Eltern während des Prager Frühlings 1968 in die Schweiz geflüchtet sind, ist sportbegeistert und hat Eishockey gespielt. Zum Tennisschläger griff er nur zum Ausgleich.

Bei Familie Bencic dreht sich alles um Tennis. Um die Karriere von Belinda zu fördern, sind Ivan und Dana mit den Kindern nach Wolllerau gezogen. Dort gibt es Tennisplätze und eine Halle.

Seit Ende der 90er-Jahre arbeitet Ivan Bencic an der Karriere seiner Tochter. Auf dem Garagenvorplatz zog er ein Netz mit einer Schnur auf. Mit zwei hatte Belinda das erste Mal einen Tennisschläger in der Hand. Aus dem täglichen Spiel wurden zweimal tägliches Training und eine Familie, die sich ganz dem Tennissport verschrieben hat. Nur deswegen sind die Bencics von Oberuzwil SG in ein kleines Miethaus nach Wollerau SZ gezogen. Denn oberhalb der Gemeinde befinden sich Tennisplätze und eine Halle des TC Ried-Wollerau. «Melanie Molitor Hall» steht beim Eingang in ziemlich kleinen Buchstaben geschrieben, der Name der Trainerin und Mutter von Martina Hingis. Die inzwischen 54-jährige Tennisexpertin führt zusammen mit ihrem Trainerstab die Nachwuchsabteilung des Tennisclubs. Fast täglich dabei sind Belinda, ihr Bruder Brian (11) und seit rund zehn Jahren Vater Ivan, der sich als Versicherungsmakler so organisiert hat, dass er bei fast jedem Training dabei sein kann. Dann steht er an der Seitenlinie und gibt Anweisungen zum Spiel seiner Kinder, für die er gleichzeitig auch als Chauffeur im Einsatz ist. Mutter Dana (37) kümmert sich um den Haushalt und manchmal ums Konditionstraining, bei dem sie mit gutem Beispiel vorangeht.

Belinda Bencic wird von Melanie Molitor, der Mutter von Martina Hingis trainiert.

Die Parallelen zu Martina Hingis sind übrigens verblüffend: Belinda Bencic hat wie Hingis slowakische Wurzeln, beide wuchsen in der Ostschweiz auf, spielen Tennis, seit sie gehen können, und beide wurden von Melanie Molitor zu Spitzenspielerinnen geformt. «Ich sehe Martina drei-, viermal jährlich und hole mir bei ihr Tipps», sagt Belinda.

Ihrem Idol rückt Belinda mit jedem Jahr ein bisschen näher. Obwohl die offensive Rechtshänderin erst die Nummer 1058 der Weltrangliste ist, gehen ihr in der Schweiz langsam die Sparringpartnerinnen aus. Deshalb besucht der Teenager Tennisakademien im Ausland — im Sommer in Tschechien und im Winter in Spanien oder Florida. Letztes Jahr schon war Belinda insgesamt rund vier Monate im Ausland, zum Trainieren oder für Wettkämpfe, immer in Begleitung ihres Vaters und wenn möglich auch von Mutter Dana und Bruder Brian. Anfang Januar reiste Belinda an einen Werbeanlass ihres Schlägerausrüsters nach Kyoto in Japan, Ende Januar stand das nächste Turnier in Tschechien an. «Ohne Sponsoren ist ein solches Projekt nicht möglich», sagt Ivan Bencic.

Für seine Tochter bedeutet das Unterwegssein aber auch: «Das Wichtigste an der Schule muss ich nachbüffeln.» Belinda besucht die Sekundarschule Wollerau. Nach ihrem Abschluss will sie sich ganz auf das Tennisspielen konzentrieren. Auch nach über zwölf Jahren ist sie von diesem Sport fasziniert, spricht vom «Mega-Gefühl», das entsteht, wenn sie den Ball sauber trifft. Nur wenn sie verliere, würde sie das Racket am liebsten wegschmeissen. «Ansonsten bin ich wie jedes 14-jährige Mädchen, reite gerne oder gehe ins Kino. Aber ich muss Prioritäten setzen und darf dafür Tennis spielen.»

www.swisstennis.ch/fedcup www.fedcup.com

 

Erschienen in MM-Ausgabe 6
6. Februar 2012

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2 Kommentare

Ueli Mensch [Gast]

Geschrieben am
8. Juli 2013

Feedback an Ivan Bencic...!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
...man höre und staune...
Denn ER spricht zu Mose:
" Wem ICH gnädig bin, dem
BIN ICH gnädig; und wessen
ICH MICH erbarme, dessen
erbarme ICH MICH. "
So liegt es nun nicht an jemandes
Wollen oder Laufen, sondern
an GOTTES Erbarmen.

Römer 9; 15-16
BIBEL

Faires Tennisspiel [Gast]

Geschrieben am
4. Juli 2012

Wenn man mal gesehen hat wie sich ihre Eltern am Spielrand benehmen und wie auch sie selber sich auf dem Platz benimmt, würde man sich vielleicht wieder Martina Hingis zurückwünschen...
Bei den Schweizerischen Juniorenmeisterschaften hätte ich sie und ihre Eltern direkt von der Anlage sperren lassen...

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