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Der WOW!-Effekt

Der WOW!-Effekt ist eigentlich jedem Weinfreak bekannt. Er bezeichnet ein einzigartiges Erlebnis: Den Moment, in dem man einen Wein getrunken hat, der einem die grosse Welt des Weines eröffnet hat. Ein Wein, der  so gross, so umwerfend, so unglaublich und vor allem so unerwartet war, dass er ein ganzes Universum aufgetan hat. Der gustatorische Door-Opener, der Schlüssel ins weinmässige Nirvana, der «as-good-as-it-gets»-Wein. Der Tropfen, der es einem verunmöglicht, je wieder billigen Fusel zu stemmen, der die Pforten des Weinhimmels weit auf und die Falle der Weinhölle auf immer zugemacht hat. Got it?

Mein WOW!-Effekt kam im zarten Alter von etwa 28 Jahren. Nachdem ich dank verwandschaftlicher Beziehungen in die Waadländer Weinwelt in erster Linie mit einheimischen, soliden Durchschnittsweinen in Kontakt kam, hatte ich damals die Gelegenheit einen Robert Mondavi Reserve Cabernet Sauvignon zu geniessen. Ein absolut unglaubliches, buchstäblich berauschendes Ergebnis. Noch nie hatte ich etwas annähern gleiches erlebt. Diese Aromen, Gerüche, die Frucht, all das sprengte meine Vorstellungen davon, was ein Wein sein kann.

Ich bin fast überzeugt, auch Filmenthusiasten kennen den WOW!-Effekt. Fast jeder hat einen Film, der für ihn das Thema Film oder wenigstens ein Genre neu definiert hat. In meinem Fall waren es gar drei Filme. Da war ein Western, der Masstäbe setzte, ein Mafia-Epos, das den Begriff Storytelling auf eine neue Ebene hob und da war einer der pathetischsten Filme aller Zeiten, der ein halbes Jahrhundert umschloss und den ich bis heute nur einmal in seiner vollen Länge gesehen habe. 

Das Meisterwerk «Once upon a Time in the West - Spiel mir das Lied vom Tod» von Sergio Leone beeinflusste viele Regisseure. (Bild: © Paramount Pictures)

Lets start with the beginning: Wer mit Karl Mays «Schatz im Silversee» und «Winnetou» aufwuchs, wer «Lederstrumpf» und «Rio Bravo» liebte, den musste «Once upon a Time in the West - Spiel mir das Lied vom Tod» von Sergio Leone durchschütteln. Notabene wenn er wie ich mit zarten 11 Jahren vom älteren Bruder ins Kino geschmuggelt wurde. 

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Der Film traf mich wie ein Erdbeben. Ein Story, die sich dem Zuschauer erst nach und nach erschloss, eine Kamera, die in fast unerträglicher Langsamkeit Spannung aufbaute, eine Musik, die perfekt in den Film hineingewoben wurde und ein Bad guy, der fast ebenso faszinierte wie der Held. Kurz ein Meisterwerk, das Jahrzehnte Regisseure beeinflusste.

Francis Ford Coppolas «Der Pate» krempelte die Vorstellung von einem Gangsterfilm um. (Bild: © Paramount Pictures)

So wie «Spiel mir das Lied vom Tod» die Art des Westerns veränderte, so krempelte Francis Ford Coppolas «Der Pate» die Vorstellung von einem Gangsterfilm um. Nie war die Geschichte der Mafia mit soviel Epos, soviel Grandezza aufgetragen worden. Soviele Zitate, die Geschichte geschrieben haben («Im gonna make him an offer, he can't refuse»). 

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Die Geschichte des Corleone-Clans, ihre Verstrickung ins einsame Verbrechen, ihr Aufstieg zu einer der einflussreichsten Mafia-Familien in den USA, hat Kritiker und Publikum gleichermassen fasziniert. Und auch in der Pate spielte die musikalische Untermalung eine enorm wichtige Rolle.

«1900» zeigt das Leben von zwei grundsätzlichen unterschiedlichen Menschen, die am selben Tag im Jahre 1900 geboren werden. (Bild: © P.E.A. Produzioni Europee Associate S.p.a. - Roma)

Der dritte Film mit WOW!-Effekt veränderte nicht nur meine Vorstellungen von Film sondern auch meine Vorstellungen von Faschismus. «1900», ein fünf Stunden und 17 Minuten langes Epos zeigt das Leben von zwei grundsätzlichen unterschiedlichen Menschen, die am selben Tag im Jahre 1900 geboren werden und deren Leben in tragischer Verstrickung bis zum Tode des einen 1945 verbunden bleibt.

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Gérard Dépardieu als Sohn eines Landarbeiters und Robert De Niro als Sohn eines Grossgrundbesitzers sind zwar überwältigend - aber sie sind vor allem auch Projektionsflächen für Bernardo Bertoluccis Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert. Die beiden Weltkriege, der aufkommende Faschismus, die Leiden der Landarbeiter - alles brachte Bertolucci in diesem gigantischen Bilderreigen der italienischen Geschichte um. Manchmal etwas überkandidelt, oft zu pathetisch aber trotzdem grandios. Italienisch halt. 

Und, welcher Film hat bei Ihnen einen WOW!-Effekt ausgelöst? Verraten Sie uns dies per Kommentar auf dieser Seite!

Ich habe übrigens die Kolleginnen und Kollegen auf der Redaktion nach ihren WOW-Filmen gefragt. Da sind eine Menge spannender Vorschläge zusammengekommen.

Die gibts morgen: Same place, same time...

 



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1 Kommentar

Chris Moser [Gast]

Geschrieben am
7. März 2013

Western und Mafia - immer wieder! Ich hatte bei deinen Vorschlägen auch WOW-Feelings, aber da gibts zB auch "The Great Silence" mit JL Trintignat und Klaus Kinski, oder "High Plains Drifter" mit Clint Eastwood.
Bei den Mafia-Filmen aus dieser Zeit hat "Il Gattopardo" fast den gleichen WOW-Effekt wie "Der Pate". Gerne mag ich auch "Le Clan des Siciliens".

Wenn ich schon von den Filmen aus den Sechziger und Siebziger schwärme, muss ich noch "Deliverance" - ("Beim Sterben ist jeder der Erste") als drittes WOW hinzufügen. Ein eindrücklicher Film mit unerwarteten Ereignissen.

Und schon waren es mehr als drei, Entschuldigung.

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