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Ich bin eine Suchmaschine

Neulich sass ich mal wieder im Kinderzimmer und klaubte Spielzeug vom Boden. Es war abends, kurz vor sieben. Während meine Töchter dem Sandmännchen bei der Arbeit zuguckten, bemühte ich mich, wenigstens einen Pfad von der Zimmertür zum Kajütenbett freizuschaufeln und aufzuräumen: Bücher ins Gestell, Kuscheltiere ins Bett, Puppenwagen in die Ecke, Holzstifte in die rote Dose, Scheren in die blaue – wer hat den Filzstiftdeckel gesehen? Ida bog um die Ecke und setzte sich auf ein Kinderzimmerstühlchen. Sie beobachtete mich so, wie es nur Vierjährige tun können. Ich fühlte mich ein bisschen so, als sei ich ein Zootier. Dann stellte sie eine Frage: «Mama, was suchst du eigentlich?»

Sie finden das komisch? Ist es auch. In dem Moment war mir aber nicht nach Lachen zumute. Eher nach Kopf-rhythmisch-auf-den-Boden-Hauen (meinen eigenen, wohlgemerkt!). Tatsache ist, dass meine Kinder null Ahnung von Ordnung haben. Sie verstehen nicht, dass das Parkett schöner ist, wenn man es gelegentlich sieht. Schlimmer noch, sie verstehen mich nicht. In den Augen von Ida und Eva bin ich einfach nur die Frau, die immer etwas sucht.

Unter uns Suchmaschinen: Ich habe eine zwanghafte Persönlichkeitsstruktur. Ich schlafe einfach besser, wenn das Playmobil in der rechten und das Lego in der linken Schublade liegt – und nicht im Ehebett. An den alltäglichen Saustall, der seine Kreise weit über das Kinderzimmer hinaus zieht, habe ich mich nach viereinhalb Jahren als Mama gewöhnt. Wenns sonst rund läuft, stecke ich es locker weg, dass Eva ihre Autos in der Abwaschmaschine parkiert und Ida mit meinen Schuhen Schnitzeljagd spielt. Wenn es bei uns aber hoch zugeht, dann meldet sich mein Sortierimpuls mit aller Macht. Zum Beispiel an den Tagen, an denen der Kinderzirkus bei uns gastiert hat. Wenn Ida, Eva (oder beide gleichzeitig) Besuch haben, dann verwüstet eine Kinderhorde unsere Wohnung, und meine beiden mischen kräftig mit. Innerhalb weniger Sekunden wird die Verkleidungskiste ausgeleert, dann gibt es eine chaotische «Inventur» im Verkäuferli-Laden, und am Schluss wird der Inhalt sämtlicher Spieleschachteln auf einen Haufen geschüttet.
In ihre Kinder verknallte Mütter nennen das wohl «spielen», ich glaube viel eher, dass Drogen im Spiel sind. Keine Ahnung, wie die Kids an das Zeug kommen, aber ich tippe auf LSD.

Es tröstet mich übrigens, dass die Karawane weiterzieht. Wenn bei uns kurz vor Feierabend kein Stein mehr auf dem anderen steht, dann lächle ich still vor mich hin und denke an all die Eltern, die dann morgen ran dürfen. In diesem Sinne: Viele Grüsse von dieser Suchmaschine an all die anderen Suchmaschinen.

PS: Meine Mutter behauptet übrigens, ich hätte als Kind genauso gewütet – äh – gespielt. Sie muss sich irren!

 

Erschienen in MM-Ausgabe 10
4. März 2013

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Die Kolumnistin

Der ganz normale Familienwahnsinn

Unbrauchbare Familienparkplätze, Kinder im Computerrausch, Sisyphusarbeit im Haushalt: Die Kolumnistin und zweifache Mutter Bettina Leinenbach kennt
die Glücksmomente, Ängste und Sorgen von Eltern – und wünscht Ihnen und sich selbst vor allem eines: mehr Gelassenheit in der Erziehung.

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6 Kommentare

Lena Koch [Gast]

Geschrieben am
8. März 2013

Aah, ich hatte auch so ein schönes System mit verschiedenfarbigen Kisten (der gelb-blaue Möbelriese lässt grüssen), wo die Küchenutensilien in die rote Kiste und die Legosteine in die weisse Kiste gehören. Da aber beide Söhne den Sinn des Aufräumen noch nicht begriffen haben, stellte ich irgendwann mal eine grooooosse Kiste ins Spielzimmer, wo alles hineinwandert. Fazit: aufgeräumt ist in fünf Minuten und man kann wunderbar darin rumwühlen. Nun sucht der Sohnemann sein Zeug selbst wieder raus :-D

 

Mamma mia! Autorin

Geschrieben am
9. März 2013

Was ich auch noch cool finde: Es gibt riesige Dreieckstücher mit Reissverschluss dran. Die legt man auf den Boden, aller Krimskrams ist drin. Und wenn die Kids fertig sind...ziiiiiiiiiiihiiiiip - und alles ist im Tuch versorgt. Habs neulich mal wieder bei Manufactum.ch gesehen. Andererseits...ich fürchte, meine Kinder würden nicht nur auf, sondern vor allem rechts und links vom Zaubertuch spielen.

Sandra Stocker [Gast]

Geschrieben am
5. März 2013

Ich fühle mit Ihnen, so nennt man mich auch Miss Monk. Allerdings staunte ich nicht schlecht, als meine 3-jährige kürzlich beim Spielen sämtliche Spielsachen aus ihrem Zimmer geräumt und in unseren Flur geräumt hat (das Zimmer war danach leer gefegt, bis aufs Bett und Kasten!). Als ich nachfragte, was sie da genau tue meinte sie, sie räume auf. Ich war so entzückt und gleichzeitig ein bisschen auch geschockt: habe ich da einen kleinen Monk herangezüchtet ;-)

 

Mamma mia! Autorin

Geschrieben am
5. März 2013

Ja, weiss genau, was Sie meinen. Obwohl ich ja bei meinen Kindern NULL Anzeichen für einen dominanten Erbgang meines "Monk-Problems" sehe...eher im Gegenteil :)

Raben Mutter [Gast]

Geschrieben am
4. März 2013

Böse Zungen behaupten ja auch, dass so manche "Brut" Orangen unter dem Bett bunkerte und die Suchmaschine gar keine Erfindung des Internetzeitalters ist, sondern deren Wurzeln bereits in die Siebziger zurück reichen!

 

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