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«Ich behandle die Pferde wie meine Kinder: Mit viel Liebe»

Manege frei: Am 21. März startet der Circus Knie seine diesjährige Tournee. Immer mehr Verantwortung tragen die Jungen – Géraldine Knie als artistische Leiterin und Franco Knie junior als technischer Leiter. Im Interview verraten sie, wie sie die Artisten auslesen, mit Tieren arbeiten und ihre Kinder einbeziehen.

PROMINENTE KNIE-SPASSMACHER
Jedes Jahr bringt im Circus Knie ein neuer Gast-Komiker, -Clown oder -Kabarettist das Publikum zum Lachen. Kennen Sie die prominentesten der letzten Jahre noch? Welcher hat Ihnen am besten gefallen? Zu den Kurzporträts und der Abstimmung.


Franco Knie, in zweieinhalb Wochen findet in Rapperswil die Premiere des neuen Knie-Programms «émotions» statt. Nervös?

Franco Knie junior: Noch nicht gross. Die Nervosität steigt, wenn wir das Zelt aufstellen, die Tiere zügeln, das Licht, den Ton testen. Die meisten Artisten treffen gut zwei Wochen vor der Premiere ein.

Wie wählen Sie eigentlich die Artisten aus?

F. K.: Viele bewerben sich bei uns mit einem Brief oder per Mail, mit DVD oder einem Verweis auf Youtube. Fredy Knie und Géraldine Knie als künstlerische Leiterin besuchen im Winter die verschiedenen Weihnachtszirkusse und Festivals und schauen sich nach Artisten um. Die Zirkuswelt ist klein, man kennt sich.

Inwiefern unterscheidet sich das neue Programm «émotions» von den vorangegangenen? Wie wecken Sie Emotionen?

F. K.: Mit unseren Tieren, ich mit den Elefanten, Géraldine mit ihren Pferden.

Die haben Sie jedes Jahr.

F. K.: Ja. Aber jährlich führen wir eine andere Nummer auf, in denen der Zuschauer sieht, wie intelligent, aufmerksam und geschickt die Tiere sind. Daneben werden koreanische Trapezkünstler einen vierfachen Salto zeigen. Das sieht man nicht jeden Tag. Ein weiterer Artist wird ungesichert mit dem Kopf nach unten der Zeltdecke entlanggehen. Das sind Emotionen! Mehr möchte ich aber noch nicht verraten.

Dieses Jahr tritt Claudio Zuccolini auf. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Komiker aus? Es gibt ja in der Schweiz nicht so viele.

F. K.: Es ist tatsächlich schwierig und ein Risiko. Denn wir wissen nie, ob ein Komiker, der auf der Bühne funktioniert, den Sprung in die Manege schafft. Leider ist auch die Zahl der guten traditionellen Zirkusclowns sehr klein.

Und wie wählen Sie die Komiker aus?

F. K.: Da müssen Sie meine Cousine Géraldine fragen. Géraldine?

Géraldine Knie: Wir kennen das Showgeschäft. Zuerst schauen wir uns die Komiker im Theater an. Dann lassen wir das Bauchgefühl entscheiden, schauen, ob uns die Komiker zum Lachen bringen. Letztlich ist das Geschmackssache und eine Lotterie. Das macht es anspruchsvoll. Das Ergebnis sehen wir erst im Zelt.

F. K.: Meist ist es auch der Komiker, der nach der Premiere seine Nummer nochmals anpassen muss.

Sie treten in einer Schleuderbrettnummer mit ihrem Sohn Chris Rui auf, mit sieben Jahren der jüngste Elefantendompteur der Welt.

F. K.: Nach einem klassischen Auftakt mit einer Elefantennummer und meinem Sohn dominiert die Akrobatik: Die Fratelli Errani lassen sich von unseren Elefanten durch die Luft katapultieren und führen verrückte Tricks auf.

Ist Ihr Sohn schon nervös?

F. K.: Nein, überhaupt nicht.

G. K.: Als meine Tochter kaum gehen konnte, wollte sie unbedingt im Finale auftreten und nicht hinter der Bühne auf uns warten, sondern in der Manege. Unsere Kinder wachsen in diesem Umfeld auf. Für sie sind Akrobaten, Tiere, Musik und Publikum völlig normal.

Wie bilden Sie so junge Menschen aus?

F. K.: Spielerisch. Wenn sie nicht wollen, dürfen wir sie nicht zwingen. Nur haben wir das Glück, dass unsere Kinder Freude am Zirkus haben.

Und wenn sie später einmal dem Zirkus den Rücken kehren würden?

F. K.: Dann würde uns das ärgern. Aber zwingen können wir unsere Kinder nicht. Wir wurden ja auch nicht gezwungen. Ich verlass mich da ganz auf das Zirkusblut, das durch ihre Adern fliesst.

Haben Sie nie Angst um Ihre Kinder? Letztlich sind Tiere nie ganz berechenbar.

G. K.: Ich würde meinen Sohn Ivan nie auf ein fremdes Pferd setzen. Aber meine Tiere kenne ich gut. Klar, dem Kind kann immer etwas passieren. Das ist aber auch der Fall, wenn es spielt oder Sport treibt.

Sie haben also keine Angst?

G. K.: Wir sind vorsichtig. Aber Angst haben wir nicht. Sonst würden wir die Auftritte unseren Kindern nicht zumuten.

Wie muss man sich den Alltag eines Knie-Kindes vorstellen?

G. K.: Mein elfjähriger Sohn Ivan und Francos Sohn Chris gehen während der Winterpause in eine Privatschule am Zürichsee. Als Zirkuskinder wachsen sie mit Sprachen auf. Ivan spricht heute schon vier Sprachen perfekt: Italienisch dank seines Vaters, Französisch dank mir, Englisch wegen seiner Nanny und Deutsch. Zudem schnappt er russische und chinesische Ausdrücke auf.

Klar, dem Kind kann immer etwas passieren. Das ist aber auch der Fall, wenn es Sport treibt.
In letzter Zeit immer wieder kritisiert werden Tierhaltung und Tierdressuren. Wie zeitgemäss sind Dressurnummern noch?

F. K.: Heutzutage ist es Mode, alles zu kritisieren, egal, ob es sich um Lebensmittel aus der Migros handelt oder um Tierhaltung. Nur haben die Kritiker keine Ahnung von der Materie. Deshalb kann man mit ihnen auch nicht reden. Seit 1935 sind unsere Proben mit Tieren öffentlich. Wir haben nichts zu verstecken. Wir passen Tierhaltung und -dressur stets den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen an und stellen sofort fest, wenn sich ein Tier nicht wohlfühlt.

G. K.: Wir verlangen keine Salti von Pferden und führen keine Kunststücke vor, die den Tieren unangenehm sind.

F. K.: Unsere Tiere leben länger als in der freien Wildbahn. Sie sind geistig und körperlich trainierter.

G. K.: Ich wäre die Erste, die meine Nummer mit den Hengsten aufgeben würde, wenn ich merkte, dass es für die Pferde ein Chrampf oder Stress ist. Jeder, der die Pferde beobachtet, sieht, wie ausgeglichen sie sind. Deshalb habe ich keine Bedenken. Ich behandle meine Pferde wie meine Kinder: mit viel Liebe.

F. K.: Stellen Sie sich die Situation bei den Elefanten vor: Sie sind 3,5 Tonnen schwer oder mehr, und wenn sie nicht wollen, kann ich dagegen nichts tun.

Der Circus Knie unterstützt das Projekt «Wasaba» zum Schutz der Asiatischen Elefanten auf Sri Lanka. Weshalb?

F. K.: Wir schauen immer, was wir für den Artenschutz machen können. Leider erhält «Wasaba» sehr wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, obwohl wir das Projekt sehr gut finden.

Und in Rapperswil planen Sie einen eigenen Elefantenpark.
Franco Knie junior: «Der Spatenstich für den neuen Elefantenpark in Rapperswil soll noch in diesem Jahr erfolgen.»

F. K.: Der Spatenstich soll noch dieses Jahr erfolgen. Wir überlegen uns, einen Bullen zu halten, um selber zu züchten. Das braucht enorm viel Platz. Wir haben jetzt neun Elefanten, die derzeit in den Winterstallungen leben. Diese haben wir 2005 stark erweitert, auf fast 1000 Quadratmeter Innenraum. Dazu kommen in Zukunft über 6000 Quadratmeter im Freien. Auch dieses Jahr werden wieder drei Elefantenkühe im Zirkus auftreten.

Géraldine Knie, was dürfen wir von Ihrem Auftritt dieses Jahr erwarten?

G. K.: Ich präsentiere 10 Araberhengste, mein Mann Maycol Errani 4 Friesen und 4 Kamele. Das ergibt ein Potpourri. Am besten schauen die Zuschauer sich das im Zirkus an …

Als Pferdeliebhaberin und Tierlehrerin sagten Sie einst: «Mein Sohn Ivan Frédéric ist und bleibt das Wichtigste.» Wie sieht die Rangliste heute aus?

G. K.: Heute muss er den ersten Platz mit seiner Schwester teilen.

Und dann gibt es ja noch Ihren Mann und die Tiere …

F. K.: Meine Cousine hat ein grosses Herz!

G. K.: Meine Kinder sind neben meinem Mann Maycol mein Ein und Alles. Als sie auf die Welt kamen, mussten meine Pferde erst einmal zurückstecken (lacht). Immerhin wusste ich sie bei meinem Mann und meinem Vater in besten Händen.

Es ist schwierig, eine Beziehung mit jemandem ausserhalb des Zirkusgeschäfts zu führen.
Ihr Mann Maycol Errani ist Artist. Was ist an Artisten so anziehend?

G. K.: Mit meinem Mann verbindet mich die Liebe zum Zirkus. Wir haben dieselbe Wellenlänge.

F. K.: Und er sieht zudem noch gut aus …

G. K.: (lacht) Wenn das auch noch ist, passt es. Der Funke ist ganz einfach übergesprungen. Obwohl, mein Grossvater hat immer gesagt: Hauptsache, er ist lieb zu dir.

F. K.: Es ist schwierig, eine Beziehung mit jemanden ausserhalb des Zirkusgeschäfts zu führen, denn wir reisen ja ständig durch das Land.

Wie viel Privatsphäre haben Sie innerhalb des Zirkus?

G. K.: Jeder lebt in seinem eigenen Wohnwagen. Wir respektieren unser Privatleben. Mein Sohn ist vernarrt in seinen Cousin und geht oft zu ihm, um Playstation zu spielen. Mich interessieren Computer nicht.

F. K.: Klar ist es eine Herausforderung, in den acht Monaten mit Menschen aus 14 verschiedenen Nationen auf engem Raum zu leben. Nach dem Ende einer Tournee bin ich zwar froh, schon um 18 Uhr Feierabend zu haben und nicht mehr jeden Abend bis 23 Uhr arbeiten zu müssen. Doch schon bald wird es mir wieder langweilig.

 

Erschienen in MM-Ausgabe 10
4. März 2013

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Wechsel der Generationen

Géraldine Katharina Knie (40) ist artistische Leiterin, Pferdedompteurin, Mutter von Chanel Marie (2, ihr Gotti ist Prinzessin Stéphanie von Monaco) und Ivan (11). Ihr Cousin Franco Knie junior (34) ist Elefantendresseur, Vater von Chris Rui (7) und technischer Leiter des Schweizer National-Circus Knie. Géraldine und Franco junior gehören der siebten Generation der Knie-Dynastie an und sind Nachkommen des österreichischen Arztsohns Friedrich Knie, der den Zirkus 1803 gegründet hat. Die Schweizer National-Circus AG beschäftigt inzwischen 210 Angestellte, davon 50 Artisten, und hat einen Bestand von über 100 Zirkustieren.

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Der Circus Knie hat seine diesjährige Premiere am 21. März in Rapperswil und tourt bis Mitte November durch die Schweiz.

Details zu allen 351 Vorstellungen in diesem Jahr unter: www.knie.ch

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1 Kommentar

Mladen Milic [Gast]

Geschrieben am
4. März 2013

Die Haltung von Tieren in Zirkussen kann keinesfalls artgerecht sein.
Gründe dafür sind Platzmangel wie auch Stressfaktoren in Form der ständigen Transporte und die Belastungen der Vorstellungen. Die natürlichen Verhaltensweisen der Tiere werden durch die Gefangenschaft unterdrückt.
Statt Tiere mit Kunststücken vorzuführen die ihrem angeborenen Wesen krass widersprechen, sollte ein gelungenes Zirkusprogramm aus kunsvollen und originellen Nummern bestehen worunter niemand leiden muss.
Der beste und grösste Zirkus der Welt verwendet keine Tiere in seinen vielen Shows, dies sollte als Beispiel dienen für Zirkusse die momentan immer noch auf Tiere setzen.

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