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«Eltern glauben, das Beste zu tun»

Matthias Aebischer wird als Kommissionssprecher diese Woche im Nationalrat verlangen, dass Elternbildung ins neue Weiterbildungsgesetz aufgenommen wird.

Matthias Aebischer, Neo-SP-Nationalrat, alt TV-Moderator, Lehrbeauftragter, Teilzeithausmann und Patchworkvater von drei eigenen Kindern und einem Stiefkind.(Bild: Monika Flückiger)
Matthias Aebischer, was ist genau unter dem Begriff Elternbildung zu verstehen?

Es gibt schweizweit jedes Jahr über 4000 Angebote, die sich an Eltern richten und ihnen helfen sollen, sich bei der Kindererziehung zurechtzufinden. Das reicht von Wickelkursen über Zwillingserziehung und Verkehrskunde für Kinder bis zu Verhaltenstipps für Patchworkfamilien. Viele Kurse werden von Kantonen und Gemeinden oder den Schulen angeboten. Pro Jahr nehmen gegen 70'000 Väter und Mütter an solchen Kursen teil.

Sie werden sich am Mittwoch im Parlament als Kommissionssprecher für die Motion des Schwyzer SP-Nationalrats Andy Tschümperlin einsetzen. Sie verlangt, dass solche Kurse für Eltern im Weiterbildungsgesetz verankert werden. Wozu soll das gut sein?

Mit der Aufnahme stärkt man die Elternweiterbildung. Man gibt ihr grösseres Gewicht. Das braucht und verdient sie. Als Lehrer erinnere ich mich bestens an die ständigen Diskussionen, was Aufgaben der Schule sind und welche die Eltern wahrnehmen müssen. Tatsächlich sind sehr viele Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Darum muss man sie unterstützen, indem man ihnen Kurse anbietet, die ihnen in der täglichen Kinderbetreuung weiterhelfen. Damit vermeidet man ganz viele Probleme, bevor sie überhaupt auftreten. Nicht nur in der Schule, sondern auch ausserhalb.

Bekämen Eltern bei einer Aufnahme der Elternbildung ins Weiterbildungsgesetz Zuschüsse – oder können sie das Kursgeld von den Steuern abziehen?

Es geht nicht um die Finanzierung einzelner Kurse, sondern vielmehr darum, eine Art Dachorganisation zu schaffen, die das Kursangebot koordiniert und eine gewisse Qualitätskontrolle gewährleistet. Wie das im Detail aussehen soll, ist offen. Das Gesetz soll bloss die Basis bilden.

Es ist neu in der Geschichte der Menschheit, dass Eltern lernen sollen, Eltern zu sein. Wieso nicht einfach dem Instinkt vertrauen?

Alle Eltern glauben von sich, das Beste für ihre Kinder zu tun. Die Realität in Schule und Kindergarten zeigt leider ein anderes Bild. Die Eltern meinen es nicht böse, viele wissen es einfach nicht besser. Darum ist es nicht mehr als recht, sie mit Kursen zu unterstützen. An der Schule meiner 10- und 13-jährigen Töchter sind Computer und Handys gerade ein Riesenthema. Es geht darum, was man damit darf und was nicht. Das ändert sich jedes Jahr, denn der technische Fortschritt ist gewaltig. Unsere Schule bietet Elternkurse dazu an. Das ist sensationell! Spezialisten erklären, welche Regeln für Kinder gelten sollen. Klare Tipps, wie zum Beispiel «keine Computer im Kinderzimmer» helfen mir. Und das, obwohl ich ausgebildeter Pädagoge bin und mich natürlich auch für einen Supervater halte....

Erhöhen solche Kurse nicht noch den Druck auf Eltern, alles richtig zu machen?

Es geht ja nicht darum, Eltern das Gefühl zu geben, alles falsch zu machen. Im Gegenteil, man bekommt praktische Tipps, die den Alltag leichter machen. Für die Eltern und für die Kinder.

Sich in fremde Kindererziehung einzumischen, gilt als grossesTabu.

Es geht weder um Einmischung noch um eine Pflicht. Elternbildung ist ein Angebot – und das kann angenommen werden oder eben auch nicht. Und gerade Angebote von der Schule stossen auf reges Interesse. Zumal diese meist kostenlos oder zumindest sehr günstig sind.

 

Erschienen in MM-Ausgabe 11
12. März 2012

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