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Wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Das Glück der Familie Schefer aus Grüsch GR erschien perfekt. Bis die Diagnose Leukämie bei der kleinen Jasmin alles schlagartig veränderte (Teil 1/4).

Jasmin Schefer weiss, was sie will: «Nächste Woche gehts mir nur am Freitag—und das nicht vor 16 Uhr.» Kein Wunder, die 19-Jährige, die mit ihrer Familie in Grüsch GR lebt, ist gleich mehrfach engagiert: Sie besucht die Evangelische Mittelschule Schiers GR mit Schwerpunkt angewandte Mathematik und Physik. Nächstes Jahr gehts an die Matur. Als ausgebildete Rettungsschwimmerin bringt sie jeden Dienstagabend Mädchen und Buben in Chur das Schwimmen bei. Und seit einigen Monaten ist sie auch noch CEO der Firma Cuppa fonografica — dies im Rahmen eines Non-Profit-Projekts, das Schülern und Studenten die Möglichkeit bietet, ein reales Miniunternehmen zu gründen. Nie und nimmer käme man auf die Idee, dass Jasmin als kleines Mädchen Leukämie hatte. Und ebenso wenig, dass sie als 14-jähriger Teenager den Kampf gegen Krebs ein zweites Mal antreten musste, als die Ärzte einen sehr seltenen, bösartigen Tumor diagnostizierten.

Mit dem kleinen Jan wird das Familienglück besiegelt

Jasmin war ein Wunschkind. Ihre Eltern — Mutter Marika ist eine Holländerin, Vater Marcel ein Bündner — lernten sich 1988 in den Veloferien in Spanien kennen. «Es war eine Ferienliebe, die gehalten hat», sagt Marika Schefer lächelnd. Zwei Jahre später verliess sie die Niederlande, die beiden heirateten. 1992 kam Tochter Jasmin zur Welt. Das Glück war perfekt, als drei Jahre später der kleine Jan nachkam. Ein Bild aus dem Fotoalbum: Jasmin 1998 als Prinzessin an der Fasnacht. Jasmin erinnert sich kaum an diese Zeit, ihre Mutter umso mehr: «Sie war ein aufgestelltes, liebes Kind», wobei sie schon damals «en herte Grind» gehabt habe. Wenn sie etwas nicht machen wollte, sei es schwierig gewesen, sie umzustimmen. «Höchstens, wenn du mich mit einem Hamburger bestochen hast», sagt Jasmin lachend. «Stimmt. Und eine Wasserratte warst du schon damals», erzählt ihre Mutter, «einmal haben wir dich in einem kleinen Bach sitzend gefunden — da warst du zwei Jahre alt.» Als Siebenjährige begann Jasmin, Gewicht zu verlieren, sie litt an Appetitlosigkeit. «Zuerst versuchte ich, etwas besonders Feines zu kochen, aber auch das nützte nichts», erinnert sich Marika Schefer. Als dann Kopfschmerzen hinzukamen, suchte sie mit ihrer Tochter den Arzt in Malans auf.

Plötzlich hatte Marika Schefer eine Vorahnung

«Ich hatte aber überhaupt keine Angst, dachte an nichts Schlimmes.» Der Arzt untersuchte Jasmin. Sein Befund: Das Mädchen habe eine Lungenentzündung. Jasmin wurde Blut entnommen, sie bekam Medikamente und blieb dann zwei Wochen daheim. «In dieser Zeit machte ich mir erstmals Sorgen», sagt Marika Schefer, «ich dachte, Jasmin könnte Leukämie haben.» Hatte der Arzt nicht etwas in dieser Richtung angedeutet? «Nein, gar nichts, versicherte uns der Arzt. Es sei so weit alles in Ordnung.» Warum dachte die so bodenständige Marika Schefer damals sofort an Leukämie? Gab es diese Krankheit bereits in der Familie oder im Freundeskreis?«Absolut nicht, ich habe mich nie in meinem Leben mit dieser Krankheit beschäftigt », sagt sie. Aber irgendwann nach dem Arztbesuch habe es in ihrem Kopf Klick gemacht.«Es war ein Bauchgefühl, ich kann das nicht erklären», beteuert Marika Schefer. Der Zustand der kleinen Jasmin verbesserte sich nicht. Nach zwei Wochen gingen die beiden erneut zum Arzt. Inzwischen lagen die Resultate der Blutuntersuchung vor; irgendetwas stimmte nicht. «Der Doktor meinte, dass liege nicht mehr in seiner Kompetenz», sagt Marika Schefer. Er verwies sie und Jasmin noch am gleichen Tag für eine genauere Untersuchung ans Kantonsspital Graubünden in Chur. Erneut wurde Jasmin Blut entnommen. Die Diagnose: Jasmin hatte tatsächlich Leukämie — die schreckliche Ahnung der Mutter hatte sich bestätigt. Nur welche Leukämie es war, war noch nicht bekannt. «In diesem Moment stand das Leben still», sagt Mutter Marika Schefer. Als sie das erzählt, erstarrt sie für einen Augenblick und scheint den Tränen nahe. Schweigend reicht Jasmin ihrer Mutter das Taschentuch. Das war an einem Donnerstag, die Schefers mussten Jasmin gleich im Spital zurücklassen. Bereits am darauffolgenden Sonntag sollte die Chemotherapie beginnen.


2 Teil: Nach langem Bangen und Hoffen besiegt Jasmin die Leukämie.

 

Erschienen in MM-Ausgabe 48
28. November 2011

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