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Ein Hoch aufs Alter

Das überrascht: Die neuesten Zahlen des Bundesamtes für Statistik registrieren die grösste Lebenszufriedenheit bei älteren Menschen ohne Kinder.

Je älter, umso glücklicher. Vor allem wenn man einen festen Lebenspartner hat, aber keine Kinder. Das besagen die jüngsten Zahlen des Bundesamtes für Statistik. Es hat bei Schweizerinnen und Schweizern erhoben, wie sie ihre Lebensqualität einschätzen. Ist denn der Nachwuchs kein Quell fürs Lebensglück, zunehmendes Alter keine einzige Abwärtsspirale? «Nein», sagt der St. Galler Glücksforscher Mathias Binswanger (50). «Es ist nicht neu, dass wir mit zunehmendem Alter zufriedener sind.» Zufrieden sei man ebenso in jungen Jahren. In der Mitte des Lebens gebe es jedoch ein Wellental. «Man macht Karriere, hat Familie — und zu wenig Zeit für Dinge, die man auch noch gerne tun würde», erklärt Binswanger.

Mit zunehmendem Alter hat man wieder mehr Zeit — und wird auch realistischer: «Man kann sich abfinden mit dem, was ist.» So nimmt man zum Beispiel all die Werbebotschaften gelassener auf, die einem weismachen wollen, nur ewige Jugend und glatte Haut machten glücklich. Mathias Binswanger weiss, weshalb Kinder die Zufriedenheit kaum steigern: «Der Alltag mit Kindern ist oft stressig. Häufig arbeiten beide Ehepartner, der Nachwuchs diktiert einen zusätzlichen täglichen Rhythmus auf: Das Kind muss morgens und abends in die Krippe gebracht und wieder abgeholt werden», erklärt der Glücksforscher. «Das ist kein sehr lustiger Alltag.»

Je reicher ein Land wird, desto weniger passen Kinder in den Alltag, sie werden zum Stressfaktor. Nachwuchs bedeutet aber nach wie vor auch Glück, trotz allem Stress, den er bereitet: «Kinder geben dem Leben einen Sinn.» Doch Vorsicht: Kinder alleine machen unglückliche Menschen nicht glücklich. Der wichtigste Faktor für Zufriedenheit ist ein gut funktionierendes Sozialleben.

 

Erschienen in MM-Ausgabe 10
4. März 2013

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2 Kommentare

A. Seelhofer-Brunner [Gast]

Geschrieben am
6. März 2013

Der Schluss, dass Paare ohne Kinder sich im Alter glücklicher fühlen sollen als solche ohne reizt mich nun doch zum Widerspruch! Wie kommt ein Glücksforscher denn auf die Idee, dass es mit Kindern „kein sehr lustiger Alltag“ sei?

Erstens sind lange nicht alle Kinder in einer Krippe, viele werden auch von Grosseltern oder Tagesmüttern betreut, falls Mama – oder auch Papa – einmal nicht selber dazu in der Lage ist. Und zweitens ist – oder kann auf alle Fälle sein! – der Alltag mit Kindern zwar oft anstrengend, aber auch farbig, lebendig und für die Eltern die allerbeste Lebensschule, die man sich vorstellen kann.

Was völlig ausgeblendet wurde, sind doch die Enkelkinder, die eine Partnerschaft gerade in etwas reiferen Jahren unendlich bereichern können. Für viele ist genau das das Glück, welches ihr Leben überstrahlt. Und ich kenne auch Paare, die sehr neidisch auf Grosseltern schauen, wenn die mit ihren Enkeln auftauchen. Wer keine Kinder wollte, merkt oft erst im Alter, welches Geschenk Enkelkinder sein können.

Und dann gibt es die Paare, die gerne Kinder gehabt hätten aber keine bekommen konnten. Diese fühlen sich oft gerade im Grosselternalter – wann immer da auch sein mag – nochmals vom Leben gestraft. Ein Glück für sie, wenn sie in diesen Jahren eine sinnvolle Herausforderung für sich gefunden haben, die sie erfüllt.
Ich behaupte deshalb: Glücklich sind die Menschen, die einen Sinn in ihrem Leben sehen, sich für andere Menschen interessieren und Anderen gerne Freude machen, seien sie nun Eltern oder nicht. Für mich persönlich sind Kinder ein Segen und Enkelkinder das grösste Lebensgeschenk überhaupt.

 

Rut Wagner [Gast]

Geschrieben am
13. März 2013

Schön, ihr Schreiben, gut und richtig.

Und das war meine Meinung zum Bericht; "Ich zweifle keinen Augenblick, dass mit zunehmendem Alter das Glück auf dem Höhepunkt anlangt. So ungefähr ab 60 gründen heute Lebenserfahrung, wachsende Bescheiden- und Gelassenheit auf relativ guter Gesundheit und finanzieller Sicherheit, sehr zum Wohl älterer Menschen.

Es erstaunt aber schon zu hören, dass ältere Menschen ohne Kinder tiefere Zufriedenheit erfahren. Es erstaunt sehr – aber ich zweifle keinen einzigen Augenblick ;-)

Es wäre auch interessant zu erfahren, wie das mit Alter und Zufriedenheit in den Jahren davor ausgesehen hat."

Wir leben hier in einer Welt der Dualität: Dies und Das, Gut und Bös, Liebe und Unliebe etc. Im Bericht bezieht man sich auf eine Umfrage. Und so dürfte es denn auch zutreffen. Wenn auch nicht für Sie. Sie zählen zu den Ausnahmen, und so freuen Sie sich darüber!

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