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Männer im Gebärsaal

Eine Geburt ist kein Kinderspiel. Viele Männer sind im Gebärsaal überfordert. Wer einige Punkte beachtet, kann der Frau eine Stütze sein, für alle anderen gilt: Verlassen Sie diesen Raum!

Gehören Männer in den Gebärsaal? Die Pro- und Kontra-Argumente

Wie haben Sie die Zeit im Gebärsaal erlebt - als werdender Vater oder als Mutter? Schildern Sie Ihr eigenes Erlebnis als Kommentar auf dieser Seite.

Die Hebamme redet Herrn Schmied gut zu: «Gehen Sie doch ein paar Augenblicke an die frische Luft.» Der werdende Vater ist unschlüssig. Darf er seine Partnerin, die gerade in den Wehen liegt, alleine lassen? «Keine Angst, Ihre Frau und ich, wir kommen klar», ergänzt die Geburtshelferin. Als Herr Schmied den Gebärsaal verlassen hat, fällt nicht nur ihm ein Stein vom Herzen.

Bis vor wenigen Jahrzehnten war der Gebärsaal für werdende Väter tabu. Wollte ein Mann bei der Geburt seines Kindes dabei sein, wurde er von allen Seiten schief angesehen. Heute erwartet man, dass der Papa in spe seine Herzensdame durch alle Phasen der Niederkunft begleitet. Er muss neben seiner Frau ausharren, wenn diese von den Wehen überrollt wird. Er hechelt mit ihr während der Austreibungsphase und durchtrennt am Schluss auch noch fachmännisch die Nabelschnur. So viel zur Theorie. In der Praxis zeigt sich aber, dass viele Männer im Gebärsaal überfordert sind. «Eine Geburt ist eine Ausnahmesituation für beide Partner», sagt Michael Gohlke (43). «Deswegen ist es wichtig, dass nicht nur die Schwangeren darauf vorbereitet werden.» Der dreifache Vater leitet Workshops für werdende Papas, die im Rahmen von Geburtsvorbereitungskursen angeboten werden.

Leidet der Mann bei jeder Wehe, kann das die Schwangere hemmen

Auch wenn ein anwesender Mann die Frau stützen kann: Entbindungen, bei denen die Männer zugegen sind, verlaufen laut verschiedenen Studien weder schneller noch erträglicher. Manche Frauen in den Wehen tendieren dazu, sich nicht nur auf sich, sondern auch auf den Partner zu konzentrieren. Leidet der Mann bei jeder Wehe mit, kann das die Schwangere hemmen. «Ich rate den Vätern deshalb, sich im Hintergrund zu halten», so der Workshop-Leiter. «Und wenn man das Gefühl hat, dass einem etwas frische Luft, eine Zigarette oder ein Kaffee guttun würde, dann sollte man unbedingt hinausgehen.»

Es gibt Väter, die zu nah am Geschehen waren und dadurch sexuelle Probleme bekamen.

Da eine Geburt ein sehr körperlicher Vorgang ist, empfiehlt Michael Gohlke den Männern auch, am Kopfende des Gebärbettes zu bleiben. «Es gibt Väter, die zu nahe am Geschehen waren und dadurch sexuelle Probleme bekamen», ergänzt er. Ausserdem bringt es der Gebärenden wenig, wenn der Partner mit der Videokamera in der Hand zwischen ihren Beinen herumspringt. Da sich das Baby nicht an die Öffnungszeiten der Spitalcafeteria hält, sind Männer ausserdem gut beraten, sich Proviant für die Geburt mitzunehmen.

Michael Gohlke hat noch ein wichtiges Anliegen, das er den Vätern mit auf den Weg geben möchte: «Wenn das Kind zum ersten Mal in Papas Armen liegt, gibt es keinen Zwang zum Glücklichsein.» Während der Körper der Frau im Verlauf der Wehen Bindungshormone ausschüttet, fehlen dem Mann diese chemischen Hilfsstoffe. «Die Liebe kommt, sobald sich Vater und Kind aneinander gewöhnt haben, ganz von selbst.»


IHR ERLEBNISBERICHT
Waren Sie als Mann bei der Geburt dabei, hatten Sie als Mutter Ihren Mann/Freund dabei? Wie haben sie es erlebt, und würden Sie es wieder so machen? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen in einem Kommentar mit (gleich hier unten, geht natürlich auch mit einem anderen User-Namen respektive mit Initialen oder Kürzel...).

 

Erschienen in MM-Ausgabe 25
18. Juni 2012

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11 Kommentare

M. B. [Gast]

Geschrieben am
4. Juli 2012

Meine erste Geburt war eine 37-stündige Plage. Deshalb bereitete ich mich auf die zweite gut vor. Die Atemtechnik, das Entspannen halfen auch wunderbar. Als mein Mann nach dem Abgeben des ersten Kindes dazu kam, störte er einfach nur, indem er fragte: "Schläfst du?" - "Was hast du jetzt?" - "Kann ich helfen?" Da ich als Hausfrau ohne Einkommen von ihm abhängig war, wollte ich ihn nicht erzürnen, hätte ihn aber am liebsten sofort weggeschickt. Eine Hilfe war er auf keinen Fall.

Jasmin Frei Rogenmoser [Gast]

Geschrieben am
2. Juli 2012

Vor 7 Monaten kam unsere Laura Sophie daheim zur Welt. Es war unsere erste Geburt, dementsprechend interessant und neugierig waren wir. Ich wollte nie in Klinik Atmosphäre entbinden, wo man nach kurzer Zeit schon zum Messer greift. Obwohl die Schwangerschaft nicht komplikationslos verlief und ich über 5 Wochen im Spital liegen musste, gab es am Ende doch die gewünschte Hausgeburt. Mit der Hilfe von meinem starken Mann der während der Geburt meinen Rücken gestützt hat und natürlich mit der Hilfe der Hebamme, die mir zeigte wohin ich da genau pressen muss war es ein interessantes Erlebnis. Wenn man das als Mann verpasst, es kann blutiger sein als in einem Horror Film. Aber das Ergebnis ist unbezahlbar.

 

Dany Windler [Gast]

Geschrieben am
2. Juli 2012

Es freut mich riesig für sie, dass alles geklappt hat wie sie es sich wünschten. Es ist fantastisch wenn bei der Geburt der Kinder alles aufgeht. Es ist schliesslich der vielleicht unvergleichbar magischste Moment eines Lebens. Aus "fachlicher" Sicht muss aber gesagt sein, dass sich die meisten "Kliniken" extrem viel Mühe geben für die vollumfängliche Betreuung ja Umsorgung werdender Eltern und Ihrer Kleinen. Die sterile OP-Athmosphäre ist denn auch nur noch bei Kaiserschnittgeburten in Kauf zu nehmen.
Man greift in Kliniken nicht einfach schnell zum Messer. So als würde es vom Zeitplan der Geburtshelfer abhängig sein. Im Gegenteil, erst wenn es für Mutter und Kind nicht mehr tragbar / zumutbar ist oder gar gefährlich wird. Das wäre ein falsches Signal an werdende Eltern. Die Verunsicherung werdender Eltern ist ohnehin Gross genug. Hausgeburten sind andererseits nur unter dem Sicherheitsaspekt kritisch zu betrachten - dieser hingegen ist aber meiner Meinung nach zwingend seriös und sorgfältig zu prüfen.

Désirée&Marcel Weltert [Gast]

Geschrieben am
2. Juli 2012

Wir haben 4 Kinder. Mein Mann war bei allen Geburten mit dabei. Für uns gab es nichts schöneres. Ich verlangte während der Geburt nie viel von meinem Mann er sollte einfach anwesend sein und das tat er gerne. Es waren zu zweit die 4 wunderschönsten Erlebnisse in unserem Leben. Ich hatte 4 wunderschöne spontane, komplikationslose und schnelle geburten. Wir sprechen heute noch darüber und das sehr gerne. Die letzte Geburt ist jetzt 16 Monate her und wir erinnern uns sehr gern daran. Auch wenn es mal eine 5 Gburt geben soll, für uns ist es klar: Der Papa gehört genau so zur Geburt wie die Mama auch ;-)

 

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